Peripherie und Mitte
Der Zusammenbruch des Raumes
Die Geometrie der Kernspaltung
- In Filmen und Comicbüchern taucht immer wieder einmal das Thema der Verkleinerung des Menschen auf. In letzter Zeit jedoch häufiger.
- Tatsächlich? Das Märchen vom Däumling ist seit altersher bekannt. Schon lange populär ist auch der Roman "Gullivers Reisen" von Jonathan Swift: Gulliver landet als Überlebender eines Schiffbruchs an einer Küste, wo die Menschen nur 15 Zentimeter groß sind – "sechs Zoll kleine Winzlinge". Bereits 1726, also vor dreihundert Jahren, erschien die Erzählung. Eigentlich als Gesellschaftskritik gedacht, wurde die Geschichte zum Kinderbuch-Hit.
- Im Sommer 2015 machte der Marvel-Film "Ant-Man" das Thema zum Superhelden-Kino, indem der Protagonist mittels eines speziellen Anzugs auf Insektengröße schrumpft.
In dem Film "Downsizing" von 2017 entwickeln Wissenschaftler eine Methode, Menschen auf eine Körpergröße von zwölf Zentimetern schrumpfen zu lassen - dies mit dem Motiv des Umwelt- und Klimaschutzes. Kleine Menschen würden deutlich weniger Wasser, Luft, Nahrung und Platz verbrauchen und produzierten weniger Abfälle. In Vorträgen und Werbeaktionen erscheint die Verkleinerung als geniale Lösung auch bei finanziellen Problemen. Es kommt zu einer Kultur der Verkleinerung, deren Angehörige in Kolonien überall auf der Welt leben.
- Sollte diese Präsenz des Verkleinerungsthemas etwa eine gesellschaftliche Akzeptanz einleiten, ähnlich wie die Nahrung aus gemahlenen Insekten, die man den Menschen schmackhaft machen wollte? Ein auffälliger medialer Hype, der 2018 begann und 2023 geradezu explodierte, jeden Tag brachte man eine neue Meldung in den Medien über die Vorteile getrockneter Mehlwürmer, Heuschrecken und anderer Insekten.
- Im November 2025 kam der französische Film "Der Mann, der immer kleiner wurde" ("L'homme qui rétrécit") heraus – die Neuauflage eines Klassikers von 1957, in der ein Mann bei einem Bootsausflug in eine mysteriöse Wolke gerät und fortan immer kleiner wird. Er entfremdet sich von seiner Frau, der er immer mehr wie ein Sohn erscheint, muss schließlich vor der Katze fliehen, gerät in den Keller, kämpft dort mit einer Spinne und sieht sich schließlich, so wird angedeutet, in einer mystischen, immer weitergehenden Verkleinerung eins werden mit der Weite des Universums. Der Film der Neuauflage endet mit der Darstellung von Galaxien und kosmischen Nebeln.
Filmplakat des Klassikers von 1957, "The incredible shrinking man"
- Der Filmklassiker von 1957 trug den Titel "The incredible shrinking man". Der Schöpfer des zugrunde liegenden Romans wie auch des Drehbuchs war der Schriftsteller Richard Matheson. Ein bekannter Science-Fiction- und Drehbuchautor. Etliche seiner Geschichten wurden verfilmt.
Geboren wurde er am 20. Februar 1926 in Allendale in New Jersey. Sein Mittagshoroskop zeigt einen Sonnenstand im Zeichen Fische auf 1,3 Grad. Das liegt im Orbis von 2 Grad Fische, ein Punkt, der nach der Münchner Rhythmenlehre einer Verbindung von Saturn und Neptun entspricht. Eine Konstellation, die bei Matheson zudem als Quadrat gegeben ist.
Richard Matheson, 20.02.1926, Allendale, New Jersey, MC-Horoskop
Die Verbindung von Saturn und Neptun weist darauf hin, dass das Prinzip des Lebens, der Neptun, durch die Regelungen und Maßstäbe des Gemeinschaftlichen nicht zugelassen ist. Die Mitte ging verloren. Himmel und Erde kommen nicht mehr zusammen. Die Kupplung greift nicht mehr.
Es kommt zur Flucht in eine imaginäre Welt, wie auch zu der Möglichkeit, Verdrängtes aus der Unterwelt ins Tageslicht des Bewusstseins zu holen.
Wolfgang Döbereiner veranschaulichte das anhand des Mythos von Orpheus und Eurydike: Orpheus war ein begnadeter Musiker auf der Lyra. Als seine geliebte Eurydike starb und im Hades versank, erhielt Orpheus wegen seines Lyraspiels vom Gott der Unterwelt die Erlaubnis, Eurydike aus dem Hades zu befreien und sie zu den Lebenden zurückzuführen. Orpheus musste auf der Leier spielend vorangehen, während Eurydike ihm auf dem Weg durch die Unterwelt folgen sollte. Dabei, so wurde ihm geboten, durfte er sich keinesfalls umdrehen und sie anschauen, nicht eher, bis sie mit ihm und hinter ihm gehend die Unterwelt verlassen hätte und beide im Tageslicht stünden. Er hält sich an die Maßgabe und führt Eurydike den langen Weg durch das Reich der Schatten, sich nicht umwendend, auf sein Leierspiel gesammelt, hin in Richtung des Ausgangs der Unterwelt. Als er schon das nahende Sonnenlicht der Öffnung erblickt, und Eurydike bereits sicher wähnt, kann er nicht an sich halten, und er dreht sich um. Zu früh, der Ausgang war noch nicht erreicht. Nur ein einziger Blick ist ihm gegönnt. Dann wird Eurydike von den Schatten zurückgerissen in die Unterwelt.
- Bemerkenswert ist, dass Richard Matheson eine ähnliche Geschichte schrieb, die ebenfalls verfilmt wurde: ein Mann findet sich nach seinem Tod in einem himmlischen Gefilde wieder, das einem idyllischen Gemälde gleicht, welches er zu Lebzeiten schätzte. Seine Frau verfällt über seinen Hingang jedoch in tiefe Depression. Einen Suizidversuch überlebt sie, einen späteren nicht mehr. Sie gerät nach dem Tod in eine bedrückende Unterwelt, wo sie sich nicht mehr bewusst ist, dass sie sich selber das Leben nahm. Es ist ausgeschlossen, dass er mit ihr zusammenkommen kann. Er beschließt jedoch, sie zu retten und macht sich auf den Weg zu ihr. Anders als im Falle des Orpheus und der Eurydike, gelingt es ihm, seine Frau aus der Unterwelt herauszulösen.
Für den Roman mit dem Titel "Das Ende ist nur der Anfang", verfilmt unter dem Titel "Hinter dem Horizont", hatte sich Matheson mit den Schauungen und Beschreibungen Emanuel Swedenborgs beschäftigt.
- Auf 2 Grad Fische liegt auch der Sonnenstand des ehemaligen deutschen Gesundheitsministers Karl Lauterbach, der den Cannabis-Konsum legalisierte, ihn damit verharmloste und die Flucht aus der Welt gleichsam staatlich institutionalisierte.
- Im Falle des Mannes, der immer kleiner wurde, wird auch ein Entschwinden aus der Welt geschildert. Mit dem Neptun in Haus drei ist es ein konkretes, räumliches Entschwinden - er wird immer kleiner. Seine Frau kann ihn nicht mehr als Partner wahrnehmen. Die konkreten Maße der Realität werden zunehmend bedrohlicher für ihn. Zunächst die Katze, vor der er in den Keller flieht, dann, nachdem er noch kleiner wurde, eine Spinne bringen ihn in Lebensgefahr. Er entkommt durch ein Gitternetz des Kellerfensters, durch das selbst die Spinne nicht mehr passt. Draußen im Garten löst sich seine Angst und auf einmal begreift er, dass in der weiteren Verkleinerung die Größenverhältnisse keine Rolle mehr spielen, vielmehr das Entschwinden im kleinsten Kleinen einhergeht mit der Weite des Unendlichen.
- Im Frühling 2026 erscheint eine komödiantische Serie mit quasi umgekehrtem Thema: In "The Miniature Wife" hat ein Wissenschaftler seine Frau ebenfalls auf eine Größe von 12 cm verkleinert. Es gelingt ihm aber nach einigen Wirren und ehelichen Problemen, ihr wieder zur gewohnten Größe zu verhelfen. In einer der Episoden ist zu sehen, wie sie ein Stück Popcorn in der Hand hält, das größer als ihr Kopf ist, und hin und wieder davon abbeißt.
- Das wirft allerdings die Frage auf, wie sie überhaupt essen und trinken kann. Wie soll es mit dem Stoffwechsel aussehen? Wie kann Nahrung oder Wasser aufgenommen werden oder Luft geatmet, wenn ein Mensch nur zwölf Zentimeter groß ist und auch seine Zellen viel kleiner sind?
- Gar nicht. Es geht nicht. Die Zellen kann man nicht proportional verkleinern, sie sind abgestimmt auf die Moleküle der Nahrung, des Wassers und der Luft. Deswegen haben die Zellen auch bei den kleinsten Säugetieren etwa die gleiche Größe wie beim Menschen und beim Blauwal.
Das ist der eine Grund, warum die Geschichte unmöglich ist. Der andere scheint zunächst auch biologischer Natur, erweist sich aber letztlich als ein grundlegendes geometrisches Problem, das bei einer Verkleinerung entstehen würde: Je kleiner ein Ding ist, umso größer ist seine Oberfläche im Verhältnis zu seinem Volumen. Die Wärme im Körper von Säugetieren wird durch den Stoffwechsel produziert. Aufgrund der proportional größeren Oberfläche hat ein kleines Säugetier einen größeren Wärmeverlust als ein größeres. Das kleinste Säugetier, die Etruskerspitzmaus, ist nur drei bis fünf Zentimeter groß. Ihr Herz schlägt etwa 1500-mal in der Minute und ihr Atem geht in der Zeit 900-mal. Ein so kleines Tier muss daher den ganzen Tag fressen, um seinen Stoffwechsel und seine lebensnotwendige Körperwärme zu erhalten; sein Leben währt daher nur relativ kurz im Vergleich zu größeren Tieren, etwa zwei Jahre. Ein Mensch von 12 cm Größe müsste also einen entsprechenden Herzschlag von etwa 500-mal in der Minute haben und 300 Atemzüge machen; er müsste den ganzen Tag essen, um sich am Leben zu erhalten. Gemessen an der Lebenserwartung der Etruskerspitzmaus würde ein solcher Mensch nicht viel älter als sechs Jahre.
- Nun ist die Tatsache, dass sich bei einer Verkleinerung des Volumens die Oberfläche im Verhältnis vergrößert, ja nicht allzu unbekannt: Jeder, der sich schon einmal mit dem Hausbau oder mit den zeitgenössischen Wärmedämmungsvorschriften für Außenwände beschäftigt hat, weiß, dass sich die Oberfläche im Verhältnis vergrößert, wenn das Haus kleiner wird, als es zunächst geplant war.
- Mag sein, dennoch nimmt sich diese Gegebenheit für viele rätselhaft aus. Sie ist der Intuition zunächst nicht unmittelbar zugänglich und auch der versierte Bauherr macht sich in der Regel über die ontologischen Konsequenzen keine Gedanken.
- Was für Konsequenzen?
- Na, denkt man die Sache weiter, dann hat ein Würfel von zehn Zentimetern Kantenlänge eine Außenfläche von 600 Quadratzentimetern – und ein Volumen von 1000 Kubikzentimetern. Verkleinert man den Würfel auf einen Zentimeter Kantenlänge, wäre die Außenfläche sechs Quadratzentimeter, das Volumen aber nur noch ein Kubikzentimeter. Der kleine Würfel hat im Verhältnis zu seiner Masse plötzlich die zehnfache Außenfläche.
- Und weiter?
- Ist das nicht erstaunlich? Was nun wird aus der Oberfläche, wenn das Volumen noch kleiner und immer kleiner wird, bis es gegen Null geht? Dann würde gleichsam eine Oberfläche übrig bleiben von etwas, das räumlich verschwunden ist. Nur noch Fläche wäre übrig.
Das ist der eigentliche Grund, warum das alte Planetenmodell von Rutherford – mit Elektronen, die wie winzige Kügelchen um den Atomkern kreisen – nicht denkbar ist.
Das Atommodell Rutherfords
Auf dieser winzigen Ebene schrumpft das klassische Volumen der Teilchen gegen Null. Sie bestünden nur noch aus einer Oberfläche. Aber eine Oberfläche von was? In der Quantenphysik ging man daher anstelle von umherfliegenden Kügelchen, die an einer bestimmten Stelle Raum einnehmen, nur mehr von wellenartigen Wahrscheinlichkeitsfeldern aus. Das Elektron ist kein kleiner Ball mehr, der eine Oberfläche hat – es ist ein Wahrscheinlichkeitsfeld, eine Möglichkeit im Raum.
- Das Wahrscheinlichkeitsfeld steht aber nicht für sich, es ist kein klassisches physisches Objekt, sondern ein Hilfskonzept der Interaktion bei der Beobachtung, das sogenannte Messproblem. Und das bedeutet, dass es eben nicht eine "Möglichkeit im Raum" ist, sondern dass eigentlich der Raum erst dadurch entsteht.
- Es wird deutlich, dass Raum keine vorgegebene Bühne ist, auf der sich Dinge abspielen, sondern der Raum entsteht aus der Beziehung. Das führt zu einer Umkehrung der gewohnten Kosmologie. Umgekehrt bedeutet es, dass die Dinge nicht aus einem Punkt, aus einem Urknall entstehen, sondern dass sie von einer Peripherie aus dem Nichts in die Existenz gezogen werden. Einer Peripherie, die sich gleichsam im Rückzug erst manifestiert.
Statt eines Punktes kann eine unendliche Weite angenommen werden, die, indem sie eine Peripherie bildet, eine Mitte und damit Raum, Zeit und Ereignisse entstehen lässt. Ebbe und Flut.
- Aus dem Rückzug des Feuers entsteht die Welt, sagt Heraklit: "Das All steuert der Blitz. Mangel und Überfluss. Mangel ist Weltbildung" (Fragmente, 64/65).
- Es ist dies der Gedanke des Zimzum in der jüdischen Mystik, der bei Heraklit als Rückzug des Feuers erscheint. Das Zimzum steht für den Rückzug Gottes, den Rückzug der Wasser, die im Rückzug eine Mitte entstehen lassen, in der Gottes Alleinheit nicht mehr unmittelbar, sondern mittelbar präsent ist. Durch diesen Rückzug erst entsteht aus der unendlichen Weite die Polarität von Peripherie und Mitte.
- Martin Buber spricht hier von "Urdistanz und Beziehung", einer Urdistanz im Rückzug Gottes, aus der heraus sich die Trennung von Himmel und Erde vollzieht und aus der der Mensch zum Gegenüber werden kann.
- Das ist das Prinzip des astrologischen Zeichens Wassermann, der der Herr der Wasser ist, indem er die ungeteilten Wasser teilt und zur Peripherie weist, so dass in der Mitte das Trockene entstehen kann – dies ist in der adäquaten unteren Bewegung des Tierkreises das Zeichen Stier.
- Kennzeichnend ist hier, dass der Autor Richard Matheson mit seinem Thema des Entschwindens in der Verkleinerung, die sich schließlich in die Weite der Unendlichkeit umkehrt, mit seiner Sonne auf dem Übergang der Zeichen Fische und Wassermann liegt, jener Übergang, wo der Wassermann aus dem Ungeteilten der Fische die Teilung von Himmel und Erde schöpft.
- Rudolf Steiner bildet hierzu den Begriff vom Gegenraum, die unendliche Weite der Peripherie, welche die Dinge gleichsam nach oben zieht und der zum Punkt strebenden Schwerkraft entgegenwirkt. Er nennt es "Leichtekraft".
Raum entsteht nicht durch Expansion von einem Zentrum aus, sondern durch das Ziehen der Peripherie, die eine Mitte freigibt. Das Konkrete, das „Land“, der Stier, ist das, was durch dieses Ziehen überhaupt erst möglich wird. Das ist eine Umkehrung der üblichen mechanistischen Vorstellung vom Urknall als Explosion aus einem Punkt.
- Ohnehin eine Vorstellung, die an keiner Stelle stimmig ist, denn wohin soll der Urknall expandieren, wenn doch der Raum und die Zeit erst damit entstehen? Wenn das Universum aber vor dem Urknall tatsächlich ein Punkt gewesen sein soll, also nulldimensional, dann ist es unsinnig, sich diesen Punkt gleichsam irgendwo vorzustellen – wie es die Physik mehr oder weniger uneingestanden doch eben tut. Denn als Punkt ist es alles und nichts, genauso unendlich weit wie nah. Sich das Universum zur Zeit des Urknalls als irgendwie zusammengedrängt vorzustellen, ist ein inkonsistenter bis infantiler Gedanke.
- Die Genesis beginnt mit den Worten:"Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde". Das hebräische Wort für die Himmel lautet "haSchamaim", wörtlich bedeutet es "die dortigen Wasser". Warum "dortig"? Weil sie nach dem Rückzug nicht mehr allüberall sind.
Der Rückzug der Alleinheit, so dass ein Bereich entsteht, der nicht mehr in unmittelbarer Weise alleins ist – das ist die Schöpfung.
Dies ist das "Mila", das "Wort", die Begrenzung, der Bund, die Beziehung, aus der sich das Wort ergibt. Die Wurzel "mul" bedeutet gegenüber.
Wenn das Wasser als das Ungeteilte zuvor alles ist, was ist, und dieses sich zurückzieht, so entsteht das Land in der Mitte.
Das Wasser bildet nun die Peripherie, Zentrum und Peripherie sind entstanden, das ist die Trennung von Himmel und Erde.
Das ist "Mila", der Gegensatz, der das Wort bedeutet. Daher heißt es erst nach der Erschaffung von Himmel und Erde: "Und Gott sprach: Es werde Licht" (Gen 1,3). Denn die Sprache ist gleichbedeutend mit der Urdistanz. Dem Gegenüber-Sein.
- Der Schöpfungsakt geschieht im Wassermann, in der zentrifugalen Bewegung zur Peripherie hin; dies ermöglicht in der unteren Richtung den Stier, das Land in der zentripetalen Bewegung. (Münchner Rhythmenlehre)
-Im alten Ägypten wurde die jährliche Nilüberschwemmung als Bild des Schöpfungsaktes verstanden. Das Wasser, welches sich zurückzieht und das Land hervorkommen lässt, das jetzt, nach der Überschwemmung, der die Trockenzeit vorausging, von neuem Leben sprießt. Dieses Geschehen wurde mit dem Urgott NUN verbunden, dem Herrn der Urwasser, die sich einst zurückzogen und in deren Mitte sich dann die Erde, das Land erhebt.
- Der ägyptische Urgott NUN repräsentiert sowohl das Urwasser als auch die Personifikation, den Herrn des Urwassers.
Er entspricht dem vedischen Urgott Varuna, auch dort der Herr der Wasser, der bei den Griechen zu Uranus wurde. Es ist die Bewegung zwischen den Zeichen Fische und Wassermann. NUN wird als einziger Gott des ägyptischen Pantheons in reiner Menschengestalt begriffen. (Mircea Eliade)
Und auch in der Viergestalt der Cherubim in der Vision des Propheten Ezechiel (Ez 1,4-10), die den vier Quadranten entspricht und zum Symbol der vier Evangelisten wurde, wird der Wassermann als Mensch geschaut, neben Stier, Adler und Löwe.
- Wenn sich nun der Raum erst aus der Polarität von Mitte und Peripherie entfaltet und man im subatomaren Bereich gar nicht mehr von Dingen „im Raum“ sprechen kann, vielmehr von beobachterabhängigen Relationen ausgehen muss, aus denen der Raum erst entsteht, ergibt sich die Frage, was eigentlich wirklich bei der Kernspaltung geschieht. Denn die noch vom rutherfordschen Atommodell geprägte mechanistische Vorstellung, dass sich ein Urankern durch Neutronenbeschuss spaltet, dabei wiederum Neutronen freigibt, die weitere Urankerne spalten und damit die Kettenreaktion der Atomexplosion auslösen, ist offenbar unrealistisch.
- Es ist doch hinreichend bewiesen, allein durch die praktische Anwendung.
- Wenn das rutherfordsche Atommodell mit seinen Kügelchen unrealistisch ist, dann trifft das zwangsläufig auch auf das Kettenreaktionsmodell der Kernspaltung zu.
Es handelt sich hierbei lediglich um ein eigentlich irreführendes Anschauungsmodell. Steiner mahnte, dass es sich auf das Denken und die Vorstellungskraft lähmend auswirke, Dinge, die sinnlich nicht erfahrbar sind, als sinnlich konkrete Dinge zu vermitteln.
- Das rutherfordsche Atommodell wird zur Beschreibung der Kernspaltung schon lange nicht mehr herangezogen. Allerdings stellt die heutige quantenmechanische Erklärung auch nur ein Hybrid aus Wahrscheinlichkeitsfeldern dar, die man wie klassische Objekte handhabt.
- Dass ein solches Modell in der Praxis funktioniert und Berechnungen erlaubt, aus denen Atombomben und Kernreaktoren hervorgehen, ist kein Garant für die Richtigkeit der zugrundeliegenden Vorstellung – ebenso wie die geozentrische Nautik der Seefahrer, die jahrhundertelang zuverlässig funktionierte, heute kein Garant für ein geozentrisches Weltbild sein kann.
- Anschaulich ist hierbei wiederum, dass man auch Kernfusion und Kernspaltung aus der Wechselbeziehung einer Bindungskraft im Atomkern und einer gleichzeitigen elektrostatischen Abstoßungskraft erklärt, also aus der Polarität von zentripetalen und zentrifugalen Kräften.
Was also geschieht wirklich bei der Atomexplosion und in den Kernreaktoren?
- Es ist der Zusammenbruch des Raumes, der Kollaps von Mitte und Peripherie – ein im Prinzip antischöpferischer Akt, der sich allein auch daran abbildet, dass die freiwerdende Strahlung auf jedes biologische Leben zerstörerisch wirkt. Wegen der Aufhebung dieser Polarität ist auch der Name des Planeten Uranus, der seit seiner Entdeckung als Vertreter des Zeichens Wassermann gilt, mit dem Element verbunden, das die Kernspaltung ermöglichte: dem Uran. Denn es geht hierbei um ein Wassermann-Uranus-Thema, um die Polarität von Peripherie und Mitte und die Entstehung des Raumes selbst.
Die periphere Kraft ermöglicht das biologische Wachstum, etwa das der Pflanzen, das rein mechanisch ohne eine der Schwerkraft entgegenwirkende „Leichtekraft“ gar nicht möglich wäre. So verhält es sich auch mit dem aufrechten Gang des Menschen. Bei der Kernspaltung bricht diese polare Spannung zwischen Peripherie und Mitte zusammen; es kommt zum Sturz der unerlösten Materie in den Punkt. Der Raum bricht in sich zusammen. Eine ontologische Katastrophe.
- Ein Zusammenbruch des Seins. Daher sollte man sich bewusst machen, womit man es auch im Falle der sogenannten friedlichen Nutzung der Kernspaltung zu tun hat. Auch wenn neu entwickelte Kernreaktoren angeblich kaum noch radioaktiven Abfall produzieren: Das Zerstörerische wirkt hier auf einer viel grundlegenderen Ebene.
- Der Entdeckung des Uranus im Jahre 1781 durch Herschel folgte nur acht Jahre später die Entdeckung des Urans, im Jahre 1789 durch Klaproth. Im gleichen Jahr begann die französische Revolution.
Klaproth benannte das von ihm identifizierte Element nach dem zuvor entdeckten Uranus. Die Radioaktivität des Urans wurde erst 1896 bemerkt: das zu diesem Zeitpunkt schwerste Element ist nicht stabil, sondern seine Atome zerfallen, wobei sie ionisierende, d.h. biologisch zerstörende Strahlung aussenden. Bei diesem Zerfallsprozess wandelt sich das Uran langsam in Blei um. Die Instabilität und die damit verbundene Schwere des Atomkerns führte zu den Versuchen Otto Hahns, bei denen im Dezember 1938 die erste Kernspaltung gelang. Diese führte sieben Jahre später zur ersten Kettenreaktion in Form der Atombombe.
- Beim Anblick des ersten Atomblitzes zitierte der leitende Konstrukteur des Manhattan-Projekts, Robert Oppenheimer, einen Vers aus der Bagavat Gita: "Ich bin der Tod geworden, der Zerstörer der Welten". Der Vers kommt allerdings so dort nicht vor, sondern war von ihm von ihm falsch wiedergegeben oder mißverstanden worden. >>
- Bevor der Uranus entdeckt wurde, und man ihn später astrologisch dem Wassermann zuordnete, galt der Saturn als Vertreter des Zeichens Wassermann, neben dem Steinbock. Das dem Saturn entsprechende Metall ist das Blei. Die Tatsache, dass das instabile Uran sich im Laufe seines Zerfalls in Blei umwandelt, wird hier zum Bild.
- Die Kernspaltung zerstört die aufrechterhaltene Spannung zwischen peripherer Leichtekraft und zentripetaler Schwere, aus der die Welt entstanden ist und in der alles Lebendige gedeiht.
Deshalb wirkt die freiwerdende Strahlung auch biologisch so zerstörerisch.
- Statt „Energiegewinnung“ bedeutet die Kernspaltung den Rückfall in die Undifferenziertheit – eine Zerstörung der Polarität von Peripherie und Zentrum. Es ist der Zusammenbruch des Raumes.
- Der zeitliche Zusammenfall der Entdeckung des Uranus mit der Entdeckung des Urans und zugleich mit dem Beginn der französischen Revolution spricht für sich: die Revolution war der Zusammenbruch der gewachsenen gesellschaftlichen Unterschiede und Polaritäten. Bis dahin konnten die hierarchischen Unterschiede von den ihr ausgelieferten Personen als Begrenzung erlebt werden. Aus dieser Erfahrung heraus konnte die Entwicklung zu einer Eigenständigkeit möglich werden.
Mit der Zerstörung der gewachsenen feudalistischen Hierarchien, die bereits im Absolutismus begann, wurde die Uneigenständigkeit ortlos, es gab in der Welt den Zustand nicht mehr, wo sie erlebbar, zuortbar und damit zeitlich hätte werden können.
Stattdessen wurde die Uneigenständigkeit im sozialen Kollektiv als Sachzwang anonymisiert und neutralisiert, sozial verteilt und damit im sozialen Anspruch ihrer Grenzen enthoben. Es war innerhalb der neuen kollektivistisch organisierten Gemeinschaft kaum mehr möglich, sich zu emanzipieren und Eigenständigkeit zu entwickeln. Die Emanzipation des Individuums in der französischen Revolution war in Wirklichkeit die Unterwerfung unter den kollektivistischen Staat und seine Regelungen.
Wer nicht für die Revolution war, das heißt sich dem Kollektiv unterwarf, galt als Gegner und konnte auch als einfacher Bürger auf dem Schafott landen.
Tatsächlich hatte der Dritte Stand, Bauern, Handwerker und Arbeiter, den höchsten Anteil von 85 % unter den 35 000 bis 40 000 Todesopfern der Schreckensherrschaft, der Rest betraf den Adel, den Klerus und die Akteure der Revolution. Der hohe Anteil des Dritten Standes lag daran, dass die Menschen oft schon wegen Kleinigkeiten – wie dem Horten von Lebensmitteln oder einer unbedachten kritischen Bemerkung über die Regierung – als „Feinde der Revolution“ angeklagt und hingerichtet wurden.
Dieser Kollektivzwang der Terrorherrschaft des Wohlfahrtsausschusses war die unmittelbare Folge des Zusammenbruchs.
- Die Aufhebung von Polarität wird seither auch auf gesellschaftlicher und kultureller Ebene sichtbar. Was auf der materiellen Ebene als Zusammenbruch der Polarität erscheint, findet dort seine Entsprechung. Seit mehr als zweihundert Jahren zeigt sich eine fortschreitende Auflösung gewachsener Unterschiede – beginnend mit der Französischen Revolution bis hin zu gegenwärtigen Tendenzen der Nivellierung biologischer und sozialer Polaritäten.
Auch die Polarität der Orte, der Unterschied von Hier und Dort, schwindet in der allpräsenten Scheingegenwart des digitalen Mycels. Diese Tendenz ist den technischen Medien gleichsam immanent und wird daher auch von ihnen propagiert: sie schließen Abstände kurz, heben Wege auf, streben zur Allpräsenz. Der Raum zwischen den Polen, aus dem das Wort, die Beziehung, das Gegenüber erst entstehen kann, wird dabei aufgezehrt. Es ist dieselbe Bewegung – nur auf einer anderen Ebene.
Ein technischer Kollektivismus. das vierte kollektiv >>
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- Angesichts der relativ zunehmenden Oberfläche bei einer Verkleinerung, die bei einem gegen null schwindenden Volumen proportional unendlich würde, entsteht die Frage: Was geschieht mit dem Volumen? Wohin verschwindet es?
- Dieser Gedanke führt direkt zur Frage nach der Entstehung des Raumes. Wenn Raum aus der Wechselwirkung von Mitte und Peripherie entsteht, muss das Volumen in umgekehrter Form im Bereich der Peripherie wieder erscheinen. Das im Inneren eines Kreises Befindliche muss sich außerhalb des Kreises in anderer Form wiederfinden.
- Dies ist auch die Andeutung am Endes des Films über den Mann der immer kleiner wurde: am Ende findet er sich, in der Verkleinerung entschwindend, in der Weite der Sterne und Galaxien wieder.
Das Prinzip der Umstülpung gilt bei Rudolf Steiner als ein grundlegendes Element des Wachstums und der Evolution. Es zeigt sich auch in der Spiegelung der chaldäischen Reihe.
Die chaldäische Reihe gehört zu den ältesten Systemen der astrologischen Anschauung. Sie ordnet die sieben sichtbaren Planeten nach ihrer geozentrischen Umlaufgeschwindigkeit: Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn. Die Sonne steht in der Mitte.
Die Planeten vor der Sonne gelten als untersonnige, die nach der Sonne als obersonnige Planeten. Aus dieser Anordnung wurden die Namen der Wochentage abgeleitet.
- Diese Siebener-Reihe mit Saturn als äußerster Grenze blieb über zwei Jahrtausende maßgeblich. Mit der Erfindung des Fernrohrs wurde diese Grenze überschritten. 1781 entdeckte Herschel den Uranus, 1846 folgte Neptun, 1930 Pluto.
In der astrologischen Zuordnung wurde Uranus zum neuen Vertreter des Wassermanns , anstelle des Saturn, Neptun zum Vertreter der Fische, anstelle des Jupiter und Pluto zum Vertreter des Skorpions anstelle des Mars. Damit entstand eine Spiegelung der alten chaldäischen Reihe über die Saturn-Grenze hinaus.
Die drei obersonnigen Planeten Mars, Jupiter und Saturn erscheinen in umgekehrter Reihenfolge ihrer Umlaufzeit als Uranus, Neptun und Pluto. Mit Blick auf die Janus-Achse bei 0° Wassermann – Janus als doppelgesichtiger Saturn, der zuvor zugleich für Wassermann und Steinbock zuständig war – würde nach dieser Logik eigentlich eine Spiegelung der Sonne selbst folgen.
Dies widerspricht jedoch der inneren Struktur der chaldäischen Reihe, in der die Sonne die Mitte bildet.
- Eine Entsprechung der Sonne jenseits des Pluto kann daher nur die Peripherie selbst sein. Astronomisch liegt Pluto bereits im Kuipergürtel, einer Region zahlreicher kleinerer Körper. Dahinter beginnt die Oortsche Wolke. Jenseits von Pluto existiert kein weiterer Himmelskörper von vergleichbarer Größenordnung mehr.
Die Peripherie des Sonnensystems stellt somit die transsaturnische Entsprechung zur Sonne – oder heliozentrisch zur Erde – dar. Eine Umstülpung.
- Damit erscheint die Peripherie des Sonnensystems als die umgestülpte Entsprechung der Mitte – eine kosmische Bestätigung des Zimzum-Gedankens: Der Rückzug der Peripherie schafft erst die Mitte, und die äußerste Peripherie entspricht in einer gewandelten Form dem Inneren.
(C) Herbert Antonius Weiler, Mai 2026
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