Die Wissenschaft denkt nicht

Martin Heidegger

 

 

 

 

Antarktischer Hirnschwund

 

 

Hirnabbau bei Antarktis-Aufenthalt oder Antarktischer Gehirnschwund  lauteten die Titelzeilen einer winterlichen Meldung in den Medien zum Ende des Jahres 2019. Eine Studie an den Bewohnern der Neumayer-Station, einer deutschen Forschungseinrichtung in der Antarktis, hatte diese Symptome nach den mehrmonatigen, teilweise anderhalbjährigen Aufenthalten in der Polarregion festgestellt. >>

Die Neumayer-Station ist ein rechteckiger langgezogener Gebäuderiegel aus roten und grau-weißen Konstruktionselementen, ähnlich einem Raumschiff auf Stelzen ruhend, die im antarktischen Eis verankert sind.

Für die bis zu 12 Menschen, die dort wohnen, eine hermetische Kiste. Wegen den extremen Außentemperaturen ist es nur mit hochausgerüsteter Schutzkleidung und speziellen Fahrzeugen möglich, die Station zu verlassen. Und auch dann nur für wenige Stunden.

Über neun Monate im Jahr herrscht die Dunkelheit des antarktischen Winters. Eine Art modernes Klosterleben in einer Enklave inmitten einer lebensfeindlichen Umwelt, im Dienst an der Wissenschaft. Bei neurologischen Tests und Messungen stellten sich nun erhebliche Ausfälle bei den kognitiven Fähigkeiten der Langzeitbewohner heraus, die von ihnen selbst unbemerkt blieben.

Ein Nachlassen des Bewusstseins. Nicht nur rechnerische Aufgaben wurden schlechter bewältigt als bei den Kontrollgruppen, auch Muster wurden nicht wiedererkannt und das Kurzzeitgedächtnis verblasste.

Diese Ausfälle gingen, wie die medizinischen Messungen zeigten, mit einem Schwund der Gehirnmasse einher. Es waren Löcher im Gehirn entstanden.

 

Die Studienleiter mutmaßten, die Reduktion der Eindrücke und des sozialen Umfelds auf der Forschungsstation, die Monotonie des monatelangen Aufenthaltes in den immer gleichen Räumen mit den immergleichen Gesichtern, dazu die Dunkelheit der antarktischen Nacht über dreiviertel des Jahres seien die Ursache. So habe man bei den Bewohnern der Raumstation ISS eine ähnliche Verringerung der Bewusstseinsfähigkeiten und zugleich der Hirnmasse feststellen können.

 

Im Unterschied zu den modernen Inklusen der Wissenschaft, sei es in der Antarktis oder im Orbis hoch über der Stratosphäre, ist von einem Schwund des Bewusstseins und der kognitiven Fähigkeiten in den Klöstern vergangener Zeiten nichts bekannt, obgleich doch, wer will, in dem Tagesablauf der Mönche der Antike und des Mittelalters durchaus auch eine Monotonie erblicken könnte, vor allem bei den kontemplativen Orden,  deren Angehörige etwa das Schweigen gelobt hatten oder sogar, wie die Kartäuser, die Einsamkeit der Kartause wählten.

 

Gerade von den Klöstern gingen jedoch die geistesgeschichtlichen Impulse aus, die das Abendland prägten. Albertus Magnus, Abelard, Thomas von Aquin oder Meister Eckhart waren Klosterbrüder, zwar nicht eines kontemplativen Ordens, aber durchaus in einer klösterlichen Disziplin lebend. Auch etliche der christlichen Philosophen und Lehrer der Antike lebten als Einsiedler. Und die zeitgenössische Philosophin Edith Stein verfasste einen wichtigen Teil ihrer Werke als Angehörige  der Karmeliterinnen, die das Schweigen gelobt hatten und denen auch, Jahrhunderte zuvor, die Mystikerin Theresa von Avila angehört hatte.

Zwar war es damals nicht üblich, das Gehirn einem Screening zu unterziehen, aber ein Hirnschwund ist angesichts des gedanklichen Raumes, dessen Erschließung von Klöstern und Einsiedlern ausging, eher unwahrscheinlich.

 

Insofern erscheint die Vermutung, die reduzierten Eindrücke und die Monotonie seien die Ursache des antarktischen Hirnabbaus, als Versuch einer Plausibilisierung.

Der Grund des Bewusstseinsschwundes ist in der Reduktion des Lebens auf das Gerätehafte zu suchen, das hier zur zwingenden Bedingung des Überlebens gemacht wird. Ohne das umgebende Instrumentarium könnte der Mensch im Umfeld des Weltraums oder im ewigen Eis nicht überleben. Der Mensch wird darin zum Vorgang. Wolfgang Döbereiner

 

Ein gewaltiges Spannungsverhältnis zwischen Außenwelt und dem Innern der Station muss durch das Instrumentarium aufrechterhalten werden, so dass der vom Instrumentarium bestimmte Mensch selbst zum Instrument werden muss. Und dementsprechend sein Bewusstsein abbaut. Er wird zum Vorgang seiner Prothesen, zur Funktion in einer Funktion. 

Das ist auch der Grund, warum in Ländern, in denen der Fahrradhelm zur Pflicht wurde, etwa Australien, neben dem drastischen Rückgang der Fahrradfahrer zugleich die Unfallhäufigkeit der verbliebenen Radfahrer stieg.

Erklärungen wie z. B. eine höhere Risikobereitschaft bei behelmten Radfahrern oder größere Skrupellosigkeit bei den Autofahrern, denen die behelmten Radfahrer robuster scheinen, dokumentieren die spekulative Beliebigkeit bei der Suche nach Gründen.

Tatsächlich wird deutlich, wie die Fahrradhelmpflicht den Einzelnen einem Regelungszwang unterwirft. ihm einen Helm überstülpt und ihn damit gleichsam zu einer Gerätschaft des Verkehrs macht, damit die eigentliche Gefährdung schaffend, indem ihm das Maß der Eigenbewegung genommen wird. >>

 

Es ist das gleiche Phänomen wie beim Bewusstseinsschwund der zur Gerätedienstbarkeit gezwungenen Bewohner jener Maschinen, die in der antarktischen Eiswüste stehen oder im Orbis über der Stratosphäre kreisen.

Freigabe zur Veröffentlichung der Studie Brain Changes in Response to Long Antarctic Expeditions

durch das New England Journal of Medicine,

4. Dezember 2019, 17:00 Uhr, Waltham, Massachusetts*

 

Mit der Sonne im Zeichen Schütze in Haus sechs geht es hier um eine Anschauung und Artikulation der Bedingungen des Lebens. Da die Sonne aus Haus zwei kommt bezieht sich diese auf die Auswirkungen einer spezifischen Reviersituation.

Jupiter, der Vertreter des Schützen, in Haus sieben gibt dabei als Verbundsführer das Thema des Bewusstseins bzw. des Verhältnisses von kognitiver Bewusstheit und Bewusstsein vor.

Das Mittelzeichen Skorpion aus Haus fünf, dessen Vertreter Pluto in Haus acht in Konjunktion mit Saturn steht, verweist auf eine Gefangenschaft des Lebens, in der die Gegenwart nicht zugelassen ist. Es gibt keine Begegnung, weder mit der Außenwelt noch unter den Teilnehmern. Stattdessen wird die Nicht-Gegenwart des Aufenthalts in einer hermetischen Wohnmaschine in der Eiswüste zur Anschauung. Dies ist das Thema der Studie.

Venus als Herrscher der Waage in Haus Sieben im Steinbock zeigt das Resümee der Auswirkung dieser Gefangenschaft auf das Bewusstsein - mit dem Spiegel zu Neptun in den Fischen in Haus zehn deutet sich unter anderem ein Gewebsschwund, in diesem Fall des Gehirns, an.

 

Die Reduzierung des Lebens der Individuen auf eine Funktion in einem Forschungsgerät bestätigt sich nicht nur durch Merkur im Skorpion, sondern auch durch die Sonne-Saturn-Verbindung von Haus sechs zu Haus acht, sowie Saturn-Pluto, als Rückseite von Merkur-Pluto, der Konstellation des Funktionszwangs und der Regelung, mit der die Bestimmung des Einzelnen verdrängt wird.

 

Eine besondere Beachtung verdient der Jupiter auf dem Kardinalpunkt Null Steinbock. Dieser Verbund beginnt mit den Fischen in Haus zehn, mit dem MC auf 0.5 Grad Fische, und steht im Zeichen der Mond-Neptun-Konjunktion. 

Darin ist die Lücke von Saturn-Uranus enthalten und damit ein Spannungsverhältnis angezeigt, das sich hier in der offensichtlichen Unvereinbarkeit des Aufenthaltes in einer Eiswüste zeigt. Entsprechend auch der DC auf 26 Grad Schütze, dem Punkt mit der Mond-Neptun-Charakteristik, die Schneewittchen-Konstellation.

Es ist der Blick auf das Leben hinter Glas, ein Schneewittchen-Sarg in der Arktis. Oder, im Fall der ISS-Raumstation, im Orbis hoch über der Stratosphäre. 

Die Symptomatik tritt im Falle dieser extremen Spannung zwischen Innenwelt und äußerlichen Bedingungen deutlich hervor. Auch wegen des fokussierten wissenschaftlichen Interesses. Jedoch dürfte davon,  wenn auch in weitaus geringerem Maße, jegliche Situation betroffen sein, bei der ein über technische Prothesen erzeugtes oder aufrechterhaltenes Spannungsgefälle besteht. 

 

Spekulationen,  nach denen man bei Reisen durch den Weltraum. die Monotonie des monantelangen Eingeschlossenseins durch bestimmte Übungen, Medienangebote und Verhaltensweisen ausgleichen könnte, um Bewusstseinsabbau und Hirnschwund, zu verhindern, gehen daher fehl.  Bei einer Reise zum Mars und zurück, die nach derzeitigem technischen Stand etwa eineinhalb Jahre dauern würde, wären die Symptome ohnehin nicht absehbar, da das Spannungsverhältnis zur Umgebung ein ungleich größeres wäre, als in der Antarktisstation. Dies erst recht, bei noch längeren Reisen in hermetischen Geräten.

 

 

 

 

 

 

astrologische Systematik nach der Münchner Rhythmenlehre 

 

 

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(C) Herbert Antonius Weiler, 2020

 

 

 

*Laut Email-Auskunft des New England Journal of Medicine  wurde die Meldung am 4. Dezember 2019 um 17:00 freigegeben, sodass sie im Laufe des folgenden Tages in den internationalen Medien erscheinen konnte. Daher sind Uhrzeit und Datum verbindlich für alle nachfolgenden Veröffentlichungen zu diesem Thema.