Der Essay ist enthalten in dem Buch

Die Wohnmaschine 

Essays und Betrachtungen

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(Textauszug)


 

 

Von der uneingeschränkten Macht der Mehrheit in den Vereinigten Staaten und ihre Folgen ...

Ich kenne kein Land, in dem es so wenig geistige Unabhängigkeit und weniger wahre Freiheit gibt wie in Amerika... Die Mehrheit errichtet in Amerika um die Freiheit des Denkens eine gewaltige Barriere.

Alexis de Tocqueville,

Über die Demokratie in Amerika, Buch 1, Kap. 15

 

 

Die Theorie stellt die These auf, dass große Medienkonzerne ein nicht-verschwörerisch agierendes Propagandasystem bilden könnten, das fähig sei, ohne zentrale Steuerung einen Konsens im Interesse einer von den Autoren beschriebenen gesellschaftlichen Oberschicht herzustellen und die öffentliche Meinung über agenda setting und framing entsprechend den Perspektiven dieser Oberschicht zu formen, während gleichzeitig der Anschein eines demokratischen Prozesses der Meinungsbildung und der Konsensfindung gewahrt bleibe.

Zum Propagandamodell von N. Chomsky und E. Herman in der deutschen Wikipedia

siehe auch: Warum die Mainstreammedien Mainstream sind

 

 



 Der Medienstaat

 

 

(...)

 

Zeigen sollte sich dies an dem Wahlsieg Donald Trumps im Jahre 2016.
Denn Trump hatte die Möglichkeiten von Twitter begriffen. Er benutzte den Dienst, um sich direkt auf breiter Ebene publik zu machen und unabhängig von Presse und Sendeanstalten sein Klientel anzusprechen.
So gewann er entgegen aller Voraussagen der etablierten Meinungskultur die Wahl. Mit einer permanenten Twitter-Präsenz, von der sich Millionen Amerikaner persönlich angesprochen fühlten, hatte er die ihm wenig gewogenen traditionellen Medien ausgebootet.

- Sein Wahlsieg war aber nicht wirklich überraschend, vielmehr zeigte sich darin eine Konsequenz des Internets in einer von Massenmedien bestimmten Gesellschaft.

- Die bisherige Nachrichtenverbreitung war von den Presseorganen und Sendeanstalten ausgegangen und wurde von der passiven Gemeinschaft der Rezipienten aufgenommen - dem Verhältnis von Sender und Empfänger, Zentrum und Peripherie entsprechend. Im Internet ist diese Örtlichkeit aufgehoben. Es bildet ein Geflecht. Mit Twitter war der bis dato passive Empfänger künftig nicht nur aktiv an der Verbreitung von Nachrichten beteiligt, er selber war nun in der Lage Nachrichten zu erstellen, die bei den etablierten Medien noch gar nicht angekommen waren. Dass sich das Verhältnis gleichsam umgekehrt hat, zeigen die Einblendungen von Twitter-Kommentaren in den Spalten der Tageszeitungen, mit denen Vorfälle oder Debatten illustriert werden.

 

- Trump, der die neuen Publikationsmöglichkeiten von Twitter in bislang ungekanntem Ausmaß zu nutzen wusste -  ähnlich wie seinerzeit sein astrologischer Zwilling Dürer >>   die aufkommende Druckgraphik - hatte gewissermaßen die Twitter-Präsidentschaft erfunden.

Insgesamt 45.000 Kommentare verfasste er in seiner Amtszeit, am Tage durchschnittlich 32 Tweets. Bei einem 16-Stunden-Tag verschickte er mithin jede halbe Stunde eine Textnachricht. Twitter bildete gewissermaßen Trumps Zuhause, die Zahl seiner Follower betrug zuletzt 85 Millionen. Das Portal erfuhr einen enormen Aufschwung durch ihn.

 

- Zugleich deutete sich damit die neue Macht der Internet-Konzerne an.

 

- Das Ausmaß dieser Macht trat am Ende seiner Präsidentschaft offen zutage durch die Sperrung von Trumps Twitter-Kanal. Dies aufgrund des Vorwurfs, seine Anhänger zum Sturm auf das Kapitol animiert zu haben.

 

- Ein Kommentar, in dem er die Erstürmer mit lobenden Worten bedachte, und ein weiterer, in dem er ankündigte, der Amtseinweihung seines Konkurrenten Joe Biden fernzubleiben, wurden ihm zum Verhängnis. Am Nachmittag des 8. Januar wurde sein Twitter-Account endgültig gesperrt. Binnen weniger Stunden war ihm das entscheidende Mittel, mit dem er seinerzeit die Präsidentschaftswahl gewonnen hatte, entzogen. Andere Portale folgten. Eine beispiellose Entmachtung, durchgeführt von den neuen Medien. Trump war verstummt. Die von ihm gerufenen Geister, die ihm einst dienten, hatten ihm das Wort abgeschnitten.

 

 Twitter Inc. sperrt Trumps Account, 8. Januar 2021, Mittagshöhe, San Francisco.

 Die Sperrung folgte einer Konferenz am Mittag des 8. Januar.

Das Mittagshoroskop ist daher ausschlaggebend

 

- Am 8. Januar, mit einem Sonnenstand von 18,6° Steinbock, ist der Aszendent der Mittagshöhe bereits in den Stier gerückt und weist damit auf auf einen sozialen Bezug hin. Dieser dürfte sich zwei Tage zuvor, als der Mittags-AC in den Stier eintrat und über den Mars lief, manifestiert haben. Dies fällt zeitlich mit dem Sturm auf das Kapitol zusammen.

 

- Das Mittagshoroskop zeigt während der Phase des Steinbocks die Bestimmung der Gestalt an, die im vorausgehenden Zeichen Fische angelegt ist.

Mit dem Zeichen Fische aus Haus zwölf kommend und seinem Vertreter Neptun auf der Achse des elften Hauses soll ein Neubeginn, ein grundsätzlicher Wandel an das Ufer des Bewusstseins geholt werden. Mit dem Wassermann, der von Haus elf nach zehn geht und dessen Vertreter Uranus im Zeichen Stier am Aufgang steht, bezieht sich die Durchführung auf die sozialen Formen und deren konkrete Verrichtung. Eine soziale Hierarchie wird aufgehoben.

Die Konjunktion mit Mars im Stier und die Quadratur zu Merkur und Saturn in Haus zehn zeigen jedoch an, dass der Uranus im Sinne des Ursprungs des Menschen, seines Person-Seins und damit der Polarität der Ich-Du-Beziehung nicht zugelassen ist, sondern okkupiert von einem Geflecht der Ortlosigkeit, das ohne Zeit und Ort und damit ohne Begegnung und ohne Gegenwart allüberall zugleich sein will. 

 

- Basiert der Rundfunk >> noch auf der Verbindung von Sonne und Uranus und damit, im Sinne der Ausstrahlung, auf dem Verhältnis von Zentrum und Peripherie, hat das Internet auch dieses Verhältnis zugunsten eines letztlich raum- und zeitlosen Mycels aufgehoben, entsprechend der Venus-Uranus-Verbindung, die hier mit Uranus im Stier gegeben ist.

 

- Entscheidend ist dabei die Konjunktion der Sonne mit dem Pluto, der Haus sieben beherrscht. Und der damit für eine Besetzung des öffentlichen Bewusstseins steht, die, mit Sonne im Steinbock in Haus zehn, für den Staat bestimmend wird. Der Pluto auf 24° Steinbock, nach der Münchner Rhythmenlehre ein Punkt mit Venus-Saturn-Charakteristik, weist - einen Tag nach dem Jahrestag der offiziellen Covid-19-Bekanntgabe der chinesischen Behörden am 7. Januar 2020 - auf einen ausgeprägten Sozialzwang hin.

 

- Damit tritt erstmals in unverblümter Form eine Konsequenz zutage, die den auf Massenproklamation und Massenbewegung ausgerichteten politischen Systemen, wie sie sich seit der Französischen Revolution herausgebildet hatten, von Beginn an innewohnt. 

Massenmedien und Staatswesen der Moderne bilden eine Symbiose, von der sich letztlich kaum sagen lässt, wer in wessen Diensten steht.

 

 

Die Demokratiemaschine

- Als Demokratiemaschine hatte man einst die Zeitungspresse bezeichnet, als sie noch alleiniger Repräsentant jener neuartigen Form der gesellschaftlichen Vermittlung war, wie sie sich nach der Erfindung des Buchdrucks mit der Möglichkeit der Vervielfältigung und der damit verbundenen Verbreitung ergeben hatte.

Die Zeitung, die es ihrem Konzept nach jedermann ermöglichte, mehr oder weniger unabhängig von seinem Ort, an der öffentlichen Meinungsbildung beteiligt zu sein, schuf eine Öffentlichkeit, die damit den Grenzen des Gewachsenen der einzelnen Orte und ihrer Gemeinwesen enthoben war.
Eine neue Öffentlichkeit war entstanden, die des Informationsmediums, heute die Öffentlichkeit schlechthin. Es ist die Öffentlichkeit der Masse.

- Diese Öffentlichkeit ist eine von den Medien erzeugte und vermittelte Instanz, die letztlich und stetig mehr zur bestimmenden Instanz des gesellschaftlichen Geschehens wurde. So etwa wenn sich eine Politik primär nach Meinungsumfragen richtet.

- Heute ringt das Medium Zeitung um seine Existenz, zunächst der Rundfunk und schließlich das Internet haben der Zeitung den Rang abgelaufen. Noch weitreichender als bei den Zeitungen besteht das Wirken der neuen Medien in der Aufhebung der Orte. Die Vervielfältigung des Gedruckten machte einst seine überörtliche, massenweise Verbreitung möglich. Mit dem Rundfunk und schließlich den Kommunikationsplattformen des Internets werden Inhalte nahezu gleichzeitig und global mitgeteilt.

- Das gewachsene Bewusstsein der Gegenwart eines Gemeinwesens aus den Grenzen seiner Örtlichkeit ist damit einer Öffentlichkeit gewichen, die in Wirklichkeit eine Spiegelung ist. Die Spiegelung eines ortlosen übergreifenden Kollektivs.

- Ein Urteil, nach der die Freiheit der Presse im Westen ist nichts anderes, sei, als die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu publizieren, geht daher fehl.
Denn auch eine Kritik, nach der große Medienkonzerne ein nicht-verschwörerisch agierendes Propagandasystem bilden könnten, das fähig sei, ohne zentrale Steuerung einen Konsens im Interesse einer ...  gesellschaftlichen Oberschicht herzustellen und die öffentliche Meinung über agenda setting und framing entsprechend den Perspektiven dieser Oberschicht zu formen, während gleichzeitig der Anschein eines demokratischen Prozesses der Meinungsbildung und der Konsensfindung gewahrt bleibe, die damit von einer lediglich korrupten Anwendung oder falschen gesellschaftlichen Voraussetzung der Medien ausgeht, zielt in fataler Ẃeise am Wesentlichen vorbei. Sie verkennt, dass es das technische Medium selber ist, durch das diese Voraussetzung entsteht, indem die es die Begegnung der Einzelnen und ihrer Verbände durch Informationsflut und Massengesellschaft ersetzt.

- Es geht nicht um die Exklusivität der Publikationsmacht, sondern um das ortlos agierende technische Massenmedium schlechthin.

- Joseph Le Maistre, der Kritiker der Französischen Revolution hatte der proklamierten Volksherrschaft Rousseaus schon früh attestiert, sie werde mitnichten eine Freiheit der Individuen ermöglichen, sondern ein Diktat des Sachzwangs und des Meinungsdrucks hervorbringen.

- Das älteste bestehende Parlament ist das Althing in Island, wo die heutige Bevölkerungszahl die einer kleineren europäischen Großstadt beträgt. Man weiß, mit wem man es zu tun hat. Wo mehr oder weniger jeder jeden kennt, können von den Massenmedien hochgejubelte Charismatiker und Blender nur schwer zur Macht gelangen.

- Das Neue an der von den Informationsmedien hervor-gebrachten Öffentlichkeit ist ihre Ortlosigkeit.
Sie ist aus der Aufhebung der Grenzen des Gewachsenen der Orte entstanden und sie produziert die Ortlosigkeit, sie ist allüberall präsent, in der Folge heute mit Twitter ohne Zeitverzögerung.

 

 

(...)

 

 

 - Dem solcherart strukturierten System eines Verhältnisses von Staat und Masse sind autonome, föderative Verbände, die aus den  Beziehungen der Individuen gewachsen sind, verdächtig. Deshalb trachtet es, die Bedeutung der Orte und ihrer gewachsenen Gemeinwesen zu neutralisieren, Polaritäten wie Unterschiede aufzuheben und die Individuen zu isolieren, ihr Aufwachsen und ihre Begegnung der kollektiven Regelung zuzuführen.

 

- Dies ganz konkret, wenn, etwa unter der forcierten Ansteckungsangst in der Corona-Krise, Begegnung möglichst über Bildschirme und digitale Medien stattfinden soll. Es versteht sich von selber, dass diese Politik von den solcherart favorisierten Medien unterstützt wird. 

 

- Nur so wird es möglich, eine mediale Parallelwelt zu oktroyieren, die mit der erlebten Wirklichkeit nichts mehr zu tun hat. Damit aber wird das Massenmedium zum eigentlich Bestimmenden.

 

- Der Wahn der politischen Instanzen und der Medien wird dabei keineswegs, wie von einzelnen Kritikern unterstellt, von einer Regelungswut und einem Machtrausch der einzelnen Personen getragen.

Wenn bei einer derartigen Gelegenheit Gremien und deren Vertreter bestrebt sind ihre Bedeutung hervorzuheben und ihre Macht auszubauen, geschieht dies nur im Fahrwasser einer Entwicklung, die letztlich apersonale Gründe hat, indem sie von einer Mechanik eines Staats ausgeht, in dem Eigennutz und Machtgier durch Regelung gebändigt werden sollen. 

Die Regelung, die damit als das letztlich Bestimmende des Gemeinwesens gilt, muß sich zwangsläufig verselbst-ständigen und zum Regelungzwang werden.

 

- Warum zwangsläufig?

 

- Nun, ein Automechaniker will Autos zusammen-schrauben, ein Tischler Möbel bauen - der Staat will regeln. Der Unterschied ist: Automechaniker und Tischler sind Personen - sie können sich auch für etwas anderes entscheiden. Oder gar nichts tun. Der Staat ist keine Person, sondern ein System. Ein System, das sich aus der Regelung der Machtgier konstituiert.  Daher sprach Hobbes von der Staatsmaschine. 

Und das Maschinenhafte tendiert immer zur Unbeweg-lichkeit, weil es Bewegung nicht als Eigenbewegung aus einem eigenen Anfang der Person heraus begreifen kann, sondern nur als mechanisch determiniert, als außenbestimmt. Die Verdrängung der Eigenbewegung muss irgendwann Ereignis werden. 

 

- Daher kann es bei einer Merkur-Pluto-Auslösung zu einer temporären Bewegungsunfähigkeit kommen. Man liegt im Gips, bemerkt Wolfgang Döbereiner zu dieser Verbindung.

 

- Im Horoskop der offiziellen Bekanntgabe der chinesischen Behörden zum Auftreten der neuen Virus-Erkrankung>> befinden sich Merkur, Sonne, Pluto und Saturn in Konjunktion am MC der Mittagshöhe.

 

 

- Die Bewegungseinschränkung ist die Erscheinung eines mechanistischen Selbstverständnisses. In diesem Sinne sind die staatlichen Maßnahmen der Bewegungs-einschränkung in der Corona-Krise zu verstehen. Der Wahn ist eine folgerichtige Entwicklung der Industriegesellschaft und des mechanistisch-starren, von aussen bewegten Menschenbildes auf dem der Wissenschaftsstaat basiert. Es ist die zum Ereignis gewordene inhärente Bewegungslosigkeit.

 

 

Textauszug

 

(C) Herbert Antonius Weiler, Februar, 2021