(Textauszug)

 

Der Medienstaat

 

 

(...)

 

- Die Wahlkampfstrategie, die dem deutschen Bundeskanzler der Jahre 1998 bis 2005 zum Wahlsieg verhalf, hatte sich von denen der vorherigen Jahre und Jahrzehnte abgehoben. Erstmals, so urteilten einige konservative Kommentatoren, habe man in der Bundesrepublik einen eher amerikanischen Wahlkampf geführt. Mehr als je zuvor sei dieser von Mitteln der Werbung bestimmt gewesen und weniger von der Hervorhebung politischer Programme. Vielmehr davon, eine charismatische Aura für den neuen Hoffnungsträger Gerhard Schröder zu beschwören.

 

- Kennzeichnend dafür war ein ebenso raffinierter wie kostspieliger Werbefilm, gestaltet wie eine bekannte Weltraum-TV-Serie. Ein Raumschiffkaptitän, vom Alter als auch vom Typ an den favorisierten Kanzlerkandidaten erinnernd, hat eine Notlage zu bewältigen. Ein Team soll hinunter auf einen Planeten teleportiert werden. Bei einem der Männer versagt die Technik, ein lautes Störsignal ertönt und der ungewöhnlich voluminöse Astronaut nimmt seinen Helm ab. Manche sind für die Zukunft nicht geeignet, bemerkt dazu eine Stimme aus dem Off. Es ist Helmut Kohl, Gegenkandidat und noch amtierender Bundeskanzler.  >> SPD-Wahlwerbung 1998

 

- Das Wort Zukunft bildete das unterschwellige Motto in Schröders Wahlkampf. Offenbar hatte man ihn trainiert, es, vor allen Inhalten, möglichst oft anzuwenden: Der amtierende Kanzler habe in den vergangenen Jahren Bewundernswertes geleistet, aber jetzt ginge es um die Zukunft. Und die Zukunft sei weniger seine Sache.

 

- Warum ein amerikanischer Wahlkampf?

 

- Die US-amerikanische Präsidentschaftswahl wird traditionell mit einem, im Verhältnis zu Deutschland, unvergleichlich großen Aufwand an Werbung und medialen Mitteln betrieben. Einem Aufwand, der bei den einzelnen Bewerbern mehr als 150-Millionen-Dollar-Budgets voraussetzt, um überhaupt zum Wahlkampf antreten zu können. Die Medien und die Kooperation mit ihnen bilden ein entscheidendes Element.

Allein hatte mit den aufkommenden Kommunikationsplattformen des Internets, wie Twitter, Facebook, usw. das traditionelle Medienmonopol der großen Zeitungen und Rundfunkanstalten radikal an Bedeutung verloren - von diesen selber noch weitgehend unbemerkt.

 

 

Die Sperrung Trumps

 

Zeigen sollte sich dies an dem Wahlsieg Donald Trumps im Jahre 2016.

Denn Trump hatte die Möglichkeiten von Twitter begriffen. Er benutzte den Dienst, um sich direkt auf breiter Ebene publik zu machen und unabhängig von Presse und Sendeanstalten sein Klientel anzusprechen.

So gewann er entgegen aller Voraussagen der etablierten Meinungskultur die Wahl. Mit einer permanenten Twitter-Präsenz, von der sich Millionen Amerikaner persönlich angesprochen fühlten, hatte er die ihm wenig gewogenen traditionellen Medien ausgebootet.

 

- Sein Wahlsieg war aber nicht wirklich überraschend, vielmehr zeigte sich darin eine Konsequenz des Internets in einer von Massenmedien bestimmten Gesellschaft.

Die bisherige Nachrichtenverbreitung war von den Presseorganen und Sendeanstalten ausgegangen und wurde von der passiven Gemeinschaft der Rezipienten aufgenommen - dem Verhältnis von Sender und Empfänger, Zentrum und Peripherie entsprechend. Im Internet ist diese Örtlichkeit aufgehoben. Es bildet ein Geflecht. Mit Twitter war der bis dato passive Empfänger künftig nicht nur aktiv an der Verbreitung von Nachrichten beteiligt, er selber war nun in der Lage Nachrichten zu erstellen, die bei den etablierten Medien noch gar nicht angekommen waren. Dass sich das Verhältnis gleichsam umgekehrt hat, zeigen die Einblendungen von Twitter-Kommentaren in den Spalten der Tageszeitungen, mit denen Vorfälle oder Debatten illustriert werden.

 

- Trump, der die neuen Publikationsmöglichkeiten von Twitter in bislang ungekanntem Ausmaß zu nutzen wusste -  ähnlich wie sein astrologischer Zwilling Dürer >> seinerzeit die aufkommende Druckgraphik - hatte gewissermaßen die Twitter-Präsidentschaft erfunden.

Insgesamt 45.000 Kommentare verfasste er in seiner Amtszeit, am Tage durchschnittlich 32 Tweets. Bei einem 16-Stunden-Tag verschickte er mithin jede halbe Stunde eine Textnachricht. Twitter bildete gewissermaßen Trumps Zuhause, die Zahl seiner Follower betrug zuletzt 85 Millionen. Das Portal erfuhr einen enormen Aufschwung durch ihn.

 

- Zugleich deutete sich damit die neue Macht der Internet-Konzerne an.

 

- Das Ausmaß dieser Macht trat am Ende seiner Präsidentschaft offen zutage durch die Sperrung von Trumps Twitter-Kanal. Dies aufgrund des Vorwurfs, seine Anhänger zum Sturm auf das Kapitol animiert zu haben.

 

- Ein Kommentar, in dem er die Erstürmer mit lobenden Worten bedachte, und ein weiterer, in dem er ankündigte, der Amtseinweihung seines Konkurrenten Joe Biden fernzubleiben, wurden ihm zum Verhängnis. Am Nachmittag des 8. Januar wurde sein Twitter-Account endgültig gesperrt. Binnen weniger Stunden war ihm das entscheidende Mittel, mit dem er seinerzeit die Präsidentschaftswahl gewonnen hatte, entzogen. Andere Portale folgten. Eine beispiellose Entmachtung, durchgeführt von den neuen Medien. Trump war verstummt. Die von ihm gerufenen Geister, die ihm einst dienten, hatten ihm das Wort abgeschnitten.

 

 Twitter Inc. sperrt Trumps Account, 8. Januar 2021, Mittagshöhe, San Francisco.

 Die Sperrung folgte einer Konferenz am Mittag des 8. Januar.

Das Mittagshoroskop ist daher ausschlaggebend

 

- Am 8. Januar, mit einem Sonnenstand von 18,6° Steinbock, ist der Aszendent der Mittagshöhe bereits in den Stier gerückt und weist damit auf auf einen sozialen Bezug hin. Dieser dürfte sich zwei Tage zuvor, als der Mittags-AC in den Stier eintrat und über den Mars lief, manifestiert haben. Dies fällt zeitlich mit dem Sturm auf das Kapitol zusammen.

 

- Das Mittagshoroskop zeigt während der Phase des Steinbocks die Bestimmung der Gestalt an, die im vorausgehenden Zeichen Fische angelegt ist.

Mit dem Zeichen Fische aus Haus zwölf kommend und seinem Vertreter Neptun auf der Achse des elften Hauses soll ein Neubeginn, ein grundsätzlicher Wandel an das Ufer des Bewusstseins geholt werden. Mit dem Wassermann, der von Haus elf nach zehn geht und dessen Vertreter Uranus im Zeichen Stier am Aufgang steht, bezieht sich die Durchführung auf die sozialen Formen und deren konkrete Verrichtung. Eine soziale Hirarchie wird afgehoben.

Die Konjunktion mit Mars im Stier und die Quadratur zu Merkur und Saturn in Haus zehn zeigen jedoch an, dass der Uranus im Sinne des Ursprungs des Menschen, seines Person-Seins und damit der Polarität der Ich-Du-Beziehung nicht zugelassen ist, sondern okkupiert von einem Geflecht der Ortlosigkeit, das ohne Zeit und Ort und damit ohne Begegnung und ohne Gegenwart allüberall zugleich sein will. 

 

- Basiert der Rundfunk >> noch auf der Verbindung von Sonne und Uranus und damit, im Sinne der Ausstrahlung, auf dem Verhältnis von Zentrum und Peripherie, hat das Internet auch dieses Verhältnis zugunsten eines letztlich raum- und zeitlosen Mycels aufgehoben, entsprechend der Venus-Uranus-Verbindung, die hier mit Uranus im Stier gegeben ist.

 

- Entscheidend ist dabei die Konjunktion der Sonne mit dem Pluto, der Haus sieben beherrscht. Und der damit für eine Besetzung des öffentlichen Bewusstseins steht, die, mit Sonne im Steinbock in Haus zehn, für den Staat bestimmend wird. Der Pluto auf 24° Steinbock, nach der Münchner Rhythmenlehre ein Punkt mit Venus-Saturn-Charakteristik, weist zudem auf einen ausgeprägten Sozialzwang hin.

 

- Damit tritt erstmals in unverblümter Form eine Konsequenz zutage, die den auf Massenproklamation und Massenbewegung ausgerichteten politischen Systemen, wie sie sich seit der Französischen Revolution herausgebildet hatten, von Beginn an innewohnt. 

Massenmedien und Staatswesen der Moderne bilden eine Symbiose, von der sich letztlich kaum sagen lässt, wer in wessen Diensten steht.

 

- Sebastian Haffner definierte die Besonderheit des preußischen Staatswesens mit der Aussage, andere Staaten hätten sich eine Armee gehalten, im Falle Preußens habe sich eine Armee einen Staat gehalten. Die Einschätzung lässt sich mühelos auf das Verhältnis von heutigen Massenmedien und Staat übertragen.

    

 

 

Die Demokratiemaschine

 

- Als Demokratiemaschine hatte man einst die Zeitungspresse bezeichnet, als sie noch alleiniger Repräsentant jener neuartigen Form der gesellschaftlichen Vermittlung war, wie sie sich nach der Erfindung des Buchdrucks mit der Möglichkeit der Vervielfältigung und der damit verbundenen Verbreitung ergeben hatte.

Die Zeitung, die es ihrem Konzept nach jedermann ermöglichte, mehr oder weniger unabhängig von seinem Ort, an der öffentlichen Meinungsbildung beteiligt zu sein, schuf eine Öffentlichkeit, die damit den Grenzen des Gewachsenen der einzelnen Orte und ihrer Gemeinwesen enthoben war. Eine neue Öffentlichkeit war entstanden, die des Informationsmediums, heute die Öffentlichkeit schlechthin. Es ist die Öffentlichkeit der Masse.

 

- Diese Öffentlichkeit ist eine von den Medien erzeugte und vermittelte Instanz, die letztlich und stetig mehr zur bestimmenden Instanz des gesellschaftlichen Geschehens wurde. So etwa wenn sich eine Politik primär nach Meinungsumfragen richtet.

 

- Heute ringt das Medium Zeitung um seine Existenz, zunächst der Rundfunk und schließlich das Internet haben der Zeitung den Rang abgelaufen. Noch weitreichender als bei den Zeitungen besteht das Wirken der neuen Medien in der Aufhebung der Orte. Die Vervielfältigung des Gedruckten machte einst seine überörtliche, massenweise Verbreitung möglich. Mit dem Rundfunk und schließlich den Kommunikationsplattformen des Internets werden Inhalte nahezu gleichzeitig und global mitgeteilt.

 

- Das gewachsene Bewusstsein der Gegenwart eines Gemeinwesens aus den Grenzen seiner Örtlichkeit ist damit einer Öffentlichkeit gewichen, die in Wirklichkeit eine Spiegelung ist. Die Spiegelung eines ortlosen übergreifenden Kollektivs.

Joseph Le Maistre, der Kritiker der Französischen Revolution hatte der Volksherrschaft Rousseaus schon früh attestiert, sie werde mitnichten eine Freiheit der Individuen ermöglichen, sondern ein Diktat des Sachzwangs und des Meinungsdrucks hervorbringen.

 

- Das älteste bestehende Parlament ist das Althing in Island, wo die heutige Bevölkerungszahl die einer kleineren europäischen Großstadt beträgt. Man weiß, mit wem man es zu tun hat. Wo wo mehr oder weniger jeder jeden kennt, können von den Massenmedien hochgejubelte Charismatiker und Blender nur schwer zur Macht gelangen.

 

- Das Neue an der von den Informationsmedien hervorgebrachten Öffentlichkeit ist ihre Ortlosigkeit. 

Sie ist aus der Aufhebung der Grenzen des Gewachsenen der Orte entstanden und sie produziert die Ortlosigkeit, sie ist allüberall präsent, in der Folge heute mit Twitter ohne Zeitverzögerung.

 

- Zwischen der Zeitung und Twitter besteht schon ein erheblicher Unterschied. Zeitungen haben durchaus noch ihre Orte. Oft künden ihre Namen davon: Das Hamburger Abendblatt, die Frankfurter Allgemeine, der Kölner Stadtanzeiger ...

 

- Das sind Zentren. Die Aufhebung der Orte betrifft hierbei die Regionen. In einer Kurzgeschichte von Ludwig Thoma, die um die Jahrhundertwende spielt, geht es um die neue Rolle der Zeitung bei der Ehevermittlung. Ein Mann in einem oberbayrischen Dorf heiratet eine Frau, die, von weit her, aus dem Fränkischen kommt. Sie hatte seine Heiratsannonce in der Zeitung gelesen. Nach dem anfänglichen Staunen darüber, was sie alles anders macht, gewöhnt man sich an sie und schätzt sie. Zunächst jedoch ein gewisser Kulturschock.Thoma fühlte sich, trotz seines beißenden Spotts am Bürgertum, berufen, den Bauern seiner Heimat gewisse vermeintliche Vorteile des technischen Fortschritts nahezubringen.

 

- Ist es kein Vorteil?

 

- Die räumliche Entfernung der Orte voneinander ist Ausdruck ihrer Eigenart und damit ihrer Unvereinbarkeit an einem Ort. 

Vordem konnte ein Mann eine Frau aus einem weit entfernten Ort kennen lernen, wenn er dem Milieu seines Ortes entwachsen war. Er hatte sein Dorf verlassen, das war eine Entwicklung, die so oft nicht vorkam. Mit der Annonce war es ihm nun möglich, eine Frau aus einem ganz anderen Millieu kennenzulernen, ohne das er aus seinem und sie aus ihrem Milieu, im Sinne einer Entwicklung, heraus gewachsen wäre. Die Unvereinbarkeit der Orte, die sich in der räumlichen Entfernung niederschlägt und deren Möglichkeit der Begegnung an den Weg und an die Zeit des Weges gebunden ist, wird durch das Vervielfältigungsmedium Zeitung kurzgeschlossen. Das bedeutet, dass die Unvereinbarkeit in die Verbindung geholt wird, sie wird zur Saturn-Uranus-Verbindung. Die Vermeidung des Weges und damit der Mutation.

 

- Ein Faktor, der letztlich bei jedem technischen Mittel der Aufhebung von Orten gegeben ist. Vom Telefon bis zu Twitter. Und dieser Stau ist der Grund, für das spezifische Ausmaß an Aggression und Hetze, wie sie im Internet erscheinen.


- Was wäre eine ursprüngliche Öffentlichkeit?


- Haben Sie schon einmal im Sommer in einem Dorf die Stille der Mittagsstunde erfahren? Darin kommt ein Bewusstsein des Ortes auf.


 - Aber es gibt ja nicht nur Dörfer.


- Kleinere Verbände können grössere Verbände bilden. Verbände von Verbänden. Die föderativen Systeme der Griechen haben den Gedanken der Demokratie überhaupt erst hervorgebracht. Die gewählten Vertreter der kleineren Verbände, wo jeder noch jeden kennt, wählen die Vertreter der grösseren Verbände. Sie bilden Wahlgremien, in denen wiederum jeder jeden kennt. So finden Entscheidungen ausschliesslich auf der Basis der persönlichen Bekanntschaft und Begegnung statt. Unter Ausschluss der Massenmedien.


- Wie soll das gehen?


- Vielleicht eine Utopie. Jedoch geschieht auf diese Weise die Urteilsfindung bei einigen Geschworenengerichten: Die Medien sind ausgeschlossen, so dass nur die aus der persönlichen Begegnung gewonnene Erfahrung zählt. Warum soll so etwas nicht auch auf ein föderatives System anwendbar sein? 

 

 - Demokratie basiert letztlich auf dem guten Willen. Ebenso wie die Monarchie.

Fehlt der gute Wille dem Anderen gegenüber, gerät die Monarchie zur Tyrannei und die Demokratie zur Ochlokratie, zur Herrschaft der Masse. Diese sei, so Polybios, von Demokratie durch die Vorherrschaft von Habsucht und Gier zu unterscheiden.

 

- Diese Eigenschaften aber gelten, den Staatstheoretikern der Aufklärung zufolge, als Basis eines geregelten Staatswesens. So formulierte Kant sein Apodiktum von der Horde eigennütziger Teufel, die ohne es zu wissen und zu wollen, allein den Regelungen der Vernunft zum Erhalt des Eigennutzes folgend, den Staat und das Gemeinwohl schaffen. *

 

- Auch eine Maschine.

 

- Bereits Hobbes hatte im Sinne einer pragmatischen, gleichsam instrumentalen Regelung von der Staatsmaschine gesprochen. Bei einer Regelung des Gemeinwesens, basierend auf dem Motiv der Absicherung des Subjekts, ohne dass der andere als Gegenüber, als eine Person "wie Du" erkannt wird, muss sich die Regelung verselbständigen, als Staatsmaschine. Sie muss zum Regelungszwang werden.

Dies entspricht einer Kurzschließung von Jungfrau und Skorpion, Merkur-Pluto, bei der die Waage im Sinne der Gegenwart und der Erkenntnis des Gegenübers ausgeschlossen ist. 

Das ist die Verselbständigung des Sachzwangs, die den modernen Staatskonstrukten innewohnt. 

Zugleich wird die Gegenwart durch die medial vermittelte, ortlose Öffentlichkeit ersetzt und damit durch den Meinungsdruck. Eine Öffentlichkeit, die keine ist, weil sie nicht Öffnung vermittelt. Sie ist die Spiegelung des Kollektivs. 

 

- Damit bildet die Regelung des Eigennutzes die philosophische Grundlage des modernen Staats. Demnach wären die aus der Aufklärung hervorgegangenen Staatsgebilde nicht Demokratien, sondern Ochlokratien? 

 

- Eine Herrschaft der Masse. Thomas Hobbes der den Menschen als des Menschen Wolf bezeichnete, favorisierte den Leviathan, unter dem er einen absoluten Herrscher verstand, der aufgrund seiner unbeschränkten Macht die Gesellschaft vereint. In der Buchdeckel-Illustration seines Werks wird der Körper des Leviathan aus der Masse der Menschen gebildet. Dieser Herrscher ist kein König, sondern eine Projektion des Kollektivs.

 

 

Titelblatt des "Leviathan" von Thomas Hobbes, 1651, Ausschnitt

 

- Dem solcherart strukturierten System eines Verhältnisses von Staat und Masse sind autonome, föderative Verbände, die aus den  Beziehungen der Individuen gewachsen sind, verdächtig. Deshalb trachtet es, die Bedeutung der Orte und ihrer gewachsenen Gemeinwesen zu neutralisieren, Polaritäten wie Unterschiede aufzuheben und die Individuen zu isolieren, ihr Aufwachsen und ihre Begegnung der kollektiven Regelung zuzuführen.

 

- Dies ganz konkret, wenn, etwa unter der forcierten Ansteckungsangst in der Corona-Krise, Begegnung nur noch über Bildschirme und digitale Medien möglich gemacht werden soll. Es versteht sich von selber, dass diese Politik von den solcherart favorisierten Medien unterstützt, wenn nicht mit initialisiert wird. Landgericht untersagt Zusammenarbeit des Bundesgesundheitsministeriums mit Google bei Gesundheitsportal. >>  

 

- Nur so wird es möglich, den Menschen eine mediale Parallelwelt zu oktroyieren, die mit ihrer erlebten Wirklichkeit nichts mehr zu tun hat. Damit aber wird das Massenmedium zum eigentlich Bestimmenden.

 

- Letztlich bleibt als Tatsache übrig: Ohne Medien wüsste niemand von der Existenz einer Pandemie. 

 

- Der Wahn der politischen Instanzen und der Medien wird dabei keineswegs, wie von einzelnen Kritikern unterstellt, von einer Regelungswut und einem Machtrausch der einzelnen Personen getragen. Wenn bei einer derartigen Gelegenheit Gremien und deren Vertreter bestrebt sind ihre Bedeutung hervorzuheben, geschieht dies nur im Fahrwasser einer Entwicklung, die letztlich apersonale Gründe hat, indem sie von der Mechanik eines Staats ausgeht, in dem Eigennutz und Machtgier durch Regelung gebändigt werden sollen. Die Regelung, die damit als das letztlich Bestimmende des Gemeinwesens gilt, muß sich zwangsläufig verselbständigen und zum Regelungzwang werden.

 

- Warum zwangsläufig?

 

- Nun, ein Automechaniker will Autos zusammenschrauben, ein Tischler Möbel bauen - der Staat will regeln. Der Unterschied ist: Automechaniker und Tischler sind Personen - sie können sich auch für etwas anderes entscheiden. Oder gar nichts tun. Der Staat ist keine Person, sondern ein System. Ein System, das sich aus der Regelung der Machtgier konstituiert.  Daher sprach Hobbes von der Staatsmaschine. 

 

- Das Maschinenhafte tendiert immer zur Unbeweglichkeit, weil es Bewegung nicht als Eigenbewegung aus einem eigenen Anfang der Person heraus begreifen kann, sondern nur als mechanisch determiniert, als außenbestimmt. Die Verdrängung der Eigenbewegung muss irgendwann Ereignis werden. 

 

 

 

- Daher kann es bei einer Merkur-Pluto-Auslösung zu einer temporären Bewegungsunfähigkeit kommen. Man liegt im Gips, bemerkt Wolfgang Döbereiner zu dieser Verbindung

 

- Das ist die Erscheinung eines mechanistischen Selbstverständnisses. In diesem Sinne sind die staatlichen Maßnahmen der Bewegungseinschränkung in der Corona-Krise zu verstehen:  Als folgerichtige Auswirkung des mechanistischen Menschenbildes im Wissenschaftsstaat. Es ist die zum Ereignis gewordene inhärente Bewegungslosigkeit.

(...)

 

(Textauszug)

 

 

 

 

 

 

 

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Immanuel Kant: Das Problem der Staatserrichtung ist, so hart wie es auch klingt, selbst für ein Volk von Teufeln (wenn sie nur Verstand haben), auflösbar und lautet so: 'Eine Menge von vernünftigen Wesen, die insgesamt allgemeine Gesetze für ihre Erhaltung verlangen, deren jedes sich aber im Geheimen sich davon auszunehmen geneigt ist, so zu ordnen und ihre Verfassung einzurichten, dass, obgleich sie in ihren Privatgesinnungen einander entgegenstreben, diese einander doch so aufhalten, dass in ihrem öffentlichen Verhalten der Erfolg eben derselbe ist, als ob sie keine solche bösen Gesinnungen hätten'  (Zum  ewigen Frieden, 224)

 Die Metapher ging allerdngs auf Adam Smith zurück, der sie einige Jahre zuvor verwendet hatte: Eine Horde eigennütziger Teufel produziert, ohne es zu wollen und zu wissen, das Gemeinwesen.  (Wealth of Nations).

 

 

 

 

 

 

(C) Herbert Antonius Weiler, Februar, 2021