(Textauszug)

 

 

Die Farben des Kupfers

 

 

Sowohl zur Morgendämmerung als auch zur Abenddämmerung zeigen sich die Farben des Kupfers am Himmel. Dort wo am Morgen die Sonne aufgehen wird oder am Abend untergegangen ist finden sich über dem Horizont, mitunter fast bis zur Himmelsmitte, die Farben, die das Kupfer annimmt, wenn es erhitzt wird. Das Spektrum eines mit der Lötlampe bearbeiteten Kupferblechs etwa gleicht bis in seine Abstufungen dem Himmel zur Dämmerungszeit. Ein Wiedererkennen. 

Tatsächlich zeigt sich das Spektrum auf vielen Metallen, wenn sie erhitzt werden, aber beim Kupfer ist der Schimmer am deutlichsten.

Das Metall der Venus. Morgenstern und Abendstern, sieben Monate ist sie zur Zeit der Morgen-dämmerung sichtbar und dann sechs bis sieben Monate zur Zeit der Abenddämmerung.

 

So zeigt auch der Himmel während der Dämmerung am Horizont das Spektrum ihrer Farben, denn es ist ihre Zeit, die des Übergangs vom Tag zur Nacht und von der Nacht zum Tage.

Sie scheidet und begegnet die Hälften des Tages, das Untere und das Obere, Aufgang und Untergang, vermittelnd in den Farben.

Helles Cölinblau unmittelbar über dem Horizont, türkis, geht in Neapelgelb über, dann in Rot, Violett, in Ultramarin und schließlich in ruhiges Cobaltblau, je höher der Himmel.

 

Ultramarin, das Blau, das so heißt, weil es über das Meer kam. Gemahlener Lapislazuli, es ist in Europa nicht zu finden, aus Asien wurde es auf Schiffen gebracht. Der Himmelsstein  wie der Lapislazuli mit seinem ins Deutsche übersetzten Namen auch genannt wurde.

Das wertvollste und haltbarste Blau, das den Malern im ausgehenden Mittelalter und in der Renaissance zur Verfügung stand. Fra Angelico schätzte es besonders. Sein Name wurde zum Synonym - das Ultramarin wird auch Fra-Angelico-Blau genannt. 

Bei den zeitgenössischen Werken von Yves Klein, die sich durch die Verwendung des Ultramarins auszeichnen, besteht das Pigment nicht mehr aus Lapislazuli.

 

Das älteste hergestellte Blau, Ägyptisch-Blau wurde freilich aus Kupfer gewonnen, Quarzsand, Kupferoxid, Calciumcarbonat und Borax wurden mehrere Tage im Brennofen gebrannt. Das entstandene blaue Glas zermahlen. Mit der gewonnenen Farbe wurden die Deckengewölbe der Tempel ausgemalt. Es ist das Blau des Himmels, etwa entsprechend dem heutigen Cölinblau. Nicht möglich zu ermischen. Im Schimmer mit Neapelgelb ruft es das Frühlicht auf.

Das Blut der Krebse, Spinnentiere und Weichtiere ist blau, weil es für den Sauerstofftransport Kupfer enthält, statt des Eisens wie bei den Säugetieren und Menschen.

 

Als gediegenes Metall erscheint das Kupfer im rötlichen Schimmer. In seinen Verbindungen, wie im Blut der Krebse, Spinnentiere und Weichtiere, auch in einigen Mineralien wird es blau -  so auch mittels der spezifischen Verarbeitung durch den Menschen.

Das rote Kupfer der Stier-Venus wird dabei durch einen homöopathie-ähnlichen Prozess der Veredelung zum Blau des Himmels, der Farbe des oberen Zeichens Wassermann.

 

Der gefundene, in tiefem Blau erscheinende Lapislazuli besteht hingegen aus Mineralien, die Aluminiumverbindungen enthalten.

Im Unterschied zu anderen gebräuchlichen Metallen kommt Aluminium in der Natur als Metall nicht vor, nur in mineralischen Verbindungen, wie etwa der Tonerde oder dem Lapis ist es zu finden.  Erst die moderne Industrie machte es möglich,  Tonerde zu verhütten und das Leichtmetall zu gewinnen um daraus Dinge herzustellen.

Dabei kann Aluminium nicht wie alle anderen Metalle durch Feuer und Hitze aus Erz herausgeschmolzen werden. Es wird erzeugt, indem Tonerde einer sehr hohen elektrischem Spannung ausgesetzt wird, um das Aluminium zu trennen. Ein Prozess, der in der Natur nicht stattfindet.

Auf diese Weise hat der Mensch heute mit einem Metall Berührung, mit dessen gediegener Form er in seiner bisherigen Geschichte noch nie in Kontakt kam.

 

Die Aufnahme von Aluminiumpartikeln wird mit der Zunahme und der Verursachung von Demenzkrankheiten in Zusammenhang gebracht. Wolfgang Döbereiner empfiehlt das homöopathische Alumina, Tonerde, bei der Uranus-Neptun - sowie der Venus-Uranus-Verbindung.

Der Vorgang, mit dem es mit Hilfe von elektischem Strom aus Tonerde getrennt wird, läßt es als ein gezwungenes Metall erscheinen. Es hat keinen Ausdruck. In einem Aluminiumgefäß aufbewahrte Speisen verderben schneller, Milch wird schwarz. Rudoph Hauschka

Im Blau des Lapislazuli hingegen erscheint das mineralisch gebundene Aluminium als Himmelsfarbe, dem Uranus entsprechend und ihn vermittelnd.

Während das moderne Leichtmetall den gezwungenen und damit den verdrängten Uranus repräsentiert. Es ist unabdingbar verbunden mit dem Bau von Flugzeugen, der technokratischen Besetzung des Himmels. Der Gedanke aber ist wie ein Vogel.

Es stellt insofern eine Entsprechung dar, wenn die Auswirkung des Aluminiums auf den Menschen in der Lähmung des Denkens besteht, das sich nicht mehr, wie ein Vogel, erheben kann. Möglicherweise ist das Denken erschwert allein durch das Vorhandensein von Flugzeuge und Satelliten am Himmel.

 

Ähnlich wie das Ägyptisch Blau, mit Kobalt anstelle des Kupfers, wurde Smalte hergestellt, das erste Kobaltblau. Nicht das Blau über dem Horizont bis zum Beginn der Mittagshöhe, sondern das des tiefen Himmels. 

 

 

Die Venus als Morgenstern, Vorbote der Sonne, am Abend ihren Untergang begleitend. Stern der Begegnung von Licht und Dunkelheit.

Lichtträger, Phosphorus oder Eosphorus nannte man den Morgenstern bei den Griechen, Lucifer im Lateinischen. Noga ist die hebräische Bezeichnung. Schimmerer, Sohn des Frührots (Jes.14,12) nennt ihn der Prophet Jesaja.

Er beschreibt die Vermessenheit des Engels, der die Begegnung vereinnahmen wollte:

Ach, wie bist Du vom Himmel gefallen, Schimmerer, Sohn des Frührots, niedergehauen zur Erde...Du, du sprachest in deinem Herzen: Himmelhoch steige ich auf, höher als die göttlichen Sterne erhebe ich meinen Stuhl, sitze hin auf dem Berg der Begegnung. … Hochauf steige ich, wolkenkuppenhoch, mit dem Höchsten messe ich mich dann, jedoch du musstest zum Gruftreich hinab. Zum Lendenbuge der Tiefe. Jes 14,12 - 14,15 Übers.: Buber/Rosenzweig

Es ist der  alttestamentarische Blick auf den Streit im Himmel, der in der Apokalypse des Johannes geschildert wird Offb. 12:7 öl, den dann der Engelfürst Michael entscheidet.

Es ist die Venus, die des Frührots und des Abendrots, die, wenn der Berg der Begegnung besetzt ist, wenn sie vom Subjekt vereinnahmt wurde, zur Selbsterhöhung des Subjekts wird.  Indem dieses sich selbst Begegnung ist, sich selbst weihend.

 

 

Eine kupferne Schlange lässt Moses auf Geheiß Gottes anfertigen, als die Kinder Israels in der Wüste von feurigen Schlangen heimgesucht werden und an ihren Bissen sterben. Wer sie anschaut, wird geheilt.  Die Geschichte gilt als biblischer Hinweis auf die Homöopathie.

Aber eines der beiden Worte, die hier für Schlange benutzt werden, Seraph, von brennend, ist zugleich der Name eines Engels, die Seraphim bedeutet die Brennenden >>. 

 

Vorausgegangen war die Unwilligkeit der Israeliten, auf ihrem Weg zu bleiben, der sie herausgeführt hatte aus der ägyptischen Gefangenschaft. Wären sie doch in Ägypten geblieben, äußerten sie, wo es wenigstens gutes Essen gegeben habe.

Es ist der Wunsch zur Rückkehr in die Gefangenschaft der Umstände. Und damit die Verweigerung des Geistes, der Begegnung im siebten Haus, dem Haus der Venus. Das Metall der Venus, das Kupfer, verschafft Heilung. Es löst aus der Verzagtheit, es öffnet zur Begegnung. Die kupferne Schlange orientiert zur Bewegung über den Horizont hinaus, zur Gestalt.

Die Schlange am Stab ist insofern ein Bild des Merkur, der Hermes-Stab, der zur Venus wird in der Annahme der Kunde, in der Bewegung über den Horizont.

 

 

 

Der einen Tag nach dem Eintritt der Sonne ins Zeichen Waage geborene Maler Mark Rothko widmete sich wie kein anderer Maler des Zeichens der horizontalen Bildaufteilung und dem Geheimnis der Beziehung des Oberen und des Unteren. Er schuf horizontale Farbflächen.

Nie erklärte er seine Bilder. Einmal sagte er: Ein Bild lebt in Gemeinschaft, indem es sich in den Augen des empfindsamen Betrachters entfaltet und dadurch in ihm auflebt. Es stirbt, wenn diese Gemeinschaft fehlt. Deshalb ist es ein gewagtes und gefühlloses Unterfangen, ein Bild in die Welt zu entsenden. 

 

Das englische companionship, dem das deutsche Gemeinschaft kaum gerecht wird, bedeutet hier, im Sinne Rothkos eine wohlwollende Wechselbeziehung zwischen Betrachter und Bild.

Mit dem Satz, in dem es um die Gestalt geht - darum, sie zuzulassen auf dass sie gegenwärtig werden kann, formuliert er das Anliegen des Zeichens Waage schlechthin.

 

Mark Rothko wurde am 25. September 1903  im damals russischen Daugavpils in Lettland geboren. Er starb durch Suizid am 25. Februar 1970 in New York mit 66 Jahren.

 

 

 

 

(C) Herbert Antonius Weiler, 2018