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Textauszug

Der Essay findet sich

in dem  Buch:

  Warum Moses das versprochene 

Land nicht betreten durfte 

Essays und Betrachtungen  >>

 

 

 

 

 

 

Warum Moses das

versprochene Land nicht betreten durfte

 

 

Moses hatte die Kinder Israels aus der ägyptischen Gefangenschaft herausgeführt und sie vierzig Jahre lang durch die Wüste geleitet, um sie in das Land jenseits des Jordans  zu führen, welches Gott einst den Vätern und deren Nachkommen versprochen hatte. Aber am Ende des Weges durfte er selber nicht mit hinübergehen.

 

Hundertzwanzig Jahre war er alt, als er auf den Berg Nebo stieg, die höchste Erhebung östlich des Jordans, von der man  weit über das Jordantal hinaus auf die Gegend blickt, die sich westlich des Flusses, bis hin zur Küste erstreckt.  Von dort aus zeigte Gott dem Moses das Land. Er erinnerte an sein Versprechen und sagte dann zu Moses: - Ich habe es dich sehen lassen mit deinen Augen, aber hinübergehen sollst du nicht.

 

Warum war es Moses beschieden, das versprochene Land nach der vierzigjährigen Wüstenwanderung zwar noch zu sehen, es aber nicht mehr  zu betreten?

 

Der Grund ist weniger geläufig, wird aber in den vorausgehenden Texten, in den Schilderungen gegen Ende der Wüstenwanderung  wohlartikuliert:

Das Volk war unzufrieden, weil es unter Wassermangel litt. Es kam zu heftigen  Vorwürfen gegen Moses, worauf  dieser mit seinem Bruder Aharon das Offenbarungszelt aufsuchte, um Gottes Hilfe zu erbitten.  

Gott wies ihn an, einen Stab zu nehmen, die Gemeinde zu versammeln und vor den Augen des Volkes zu einem Felsen zu sagen, er solle Wasser fließen lassen:  - Nimm deinen Stab, dann versammelt die Gemeinde, du und dein Bruder Aharon, und sagt vor ihren Augen zu dem Felsen, er solle Wasser fließen lassen. Auf diese Weise wirst du für sie Wasser fließen lassen und ihnen und ihrem Vieh zu trinken geben.  (4. Moses 20:12)

 

Moses tat zunächst wie geheißen. Er trat vor das Volk und sprach - Hört, ihr Aufrührer, können wir euch wohl Wasser aus diesem Felsen fließen lassen?

Dann jedoch, anstatt wie Gott ihn angewiesen hatte, zum Felsen zu sprechen, schlägt Moses mit dem Stab zweimal an den Felsen. Da kam viel Wasser heraus und die Gemeinde konnte trinken und ihr Vieh.

 

Darauf heißt es weiter: Da sprach der Ewige zu Mose und Aharon: - Weil ihr mir nicht geglaubt habt und mich vor den Augen der Israeliten nicht als den Heiligen bezeugen wolltet, darum werdet ihr dieses Volk nicht in das Land hineinführen, das ich ihm geben werde.

 

Das Wasser war vor den Augen der Gemeinde aus dem Felsen geflossen, in solcher Menge, dass alle, und auch das Vieh, sich satt trinken konnten.

Worin aber bestand dann das Versäumnis des Mose, Gott nicht vor den Augen der Israeliten als den Heiligen bezeugt  zu haben?

 

Man könnte meinen, es sei in der Ankündigung zu sehen, mit der Moses vor die Menge trat: - Hört, ihr Aufrührer, können  w i r  euch wohl Wasser aus diesem Felsen fließen lassen?  Er verweist auf sich und Aharon, ohne Gott zu erwähnen,

 

Jedoch wäre dies nur eine, zudem moralisierende, Mutmaßung, die den wesentlichen und in der Schilderung artikulierten Unterschied zwischen der Anweisung Gottes und der Ausführung des Moses außer Acht lässt. Wegen der es heißt: weil ihr mir nicht geglaubt habt.

Moses sollte sprechen  zum Felsen - stattdessen schlug er mit dem Stab an den Felsen. Und dies zweimal.

 

Es war dies nicht das erste Mal, da das Volk über Wassermangel geklagt hatte und Moses, auf Gottes Weisung hin, Wasser aus einem Felsen hatte fließen lassen. Schon einmal, zu Beginn der Wüstenwanderung, war es dazu gekommen. 

Damals hatte Gott dem Moses eigens aufgetragen,  mit dem Stab auf den Felsen zu schlagen (2.Buch,17:5).

 

Nun weist er ihn an, den Stab zwar mitzunehmen, aber dann soll er zum Felsen sprechen, er möge Wasser fließen lassen.

Es sollte, so scheint es, vor aller Augen offenbar werden, dass nunmehr nicht der Stab, sondern das Wort den Felsen öffne. 

 

Moses jedoch greift wieder den Stab und schlägt auf den Felsen.

 

Der Kommentator Raschi hebt hervor:  - Weil Gott nicht geboten hatte, den Felsen zu schlagen, sondern 'ihr sollt reden zu dem Felsen....' wenn Mosche und  Aharon sich hier nicht vergangen hätten, wären sie in das Land eingezogen. (Bamidbar, Raschi-Commentare, / Raschi - Rabbi Schlomo ben Jizchak, 1040 bis 1105 , Frankreich)

 

Dies ist der Grund der angegeben wird, warum er das gelobte Land zwar noch sehen, aber nicht mehr betreten durfte. Darum heißt es, weil ihr mir nicht geglaubt habt

 

Er hatte nicht, wie geboten,  zum Felsen gesprochen, Wasser fließen zu lassen, sondern den Stab benutzt, ein Mittel. Und hatte nicht durch das Wort Gegenwart werden lassen.

 

Was hatte es mit dem Stab auf sich? 

(...) 

 

(Textauszug)

 

                                                                 

(C) Herbert Antonius Weiler,  2015

 

 

 

 

 


Korrekturhinweis:

Auf Seite 38 der ersten Auflage des Buches

"Warum Moses das versprochene Land nicht betreten durfte"

fehlt im letzten Satz das Wort "nicht".

Es muss heißen:

 

Aquin vertrat gegenüber Ibn Ruschd die Lehre,

dass der Anfang nicht  i n  der Zeit geschah,

sondern, dass  d u r c h  den Anfang,

den er mit dem Wort gleichsetzt, Zeit wurde -

dass das Ereignis also die Zeit zeugt,

und nicht in einer vorausgesetzten Zeit geschieht.

 

Eine Bilddatei mit der Korrektur kann zum Ausdrucken

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