Die Janus-Achse

Das römische Janus-Fest am 9. Januar

und der Beginn des Julianischen Kalenders

 

 

 

Im Julianischen Kalender, der nach der Reform des Julius Cäsar mit dem ersten Neumond des Jahres 45 v. Chr. nach der Wintersonnenwende begann, fällt der Übergang vom Zeichen Steinbock zum Wassermann in den Januar, den Monat des Jahresanfangs. So auch im davon abgeleiteten, heute meistgebrauchten Gregorianischen Kalender. Schon um 153 v. Chr. hatte man in Rom den Jahresbeginn vom Frühlingsanfang im März auf den Januar verlegt.

Der Monat Januar ist nach Janus benannt, dem doppelgesichtigen Gott des Anfangs, der zugleich nach vorne und nach hinten schaut. Er wurde der Gott der Türen, Türangeln und Tore genannt, der Türöffner. Den einen galt er als Verwandter des Saturn, den anderen als dessen Widerspiel. Er wird als einer der ältesten römischen Götter betrachtet. Nicht nur der Jahresbeginn war dem Janus gewidmet, sondern auch die einzelnen Monatsanfänge, die Kalenden.

Traditionell dem lunisolaren babylonischen Kalender folgend, stimmten die Kalenden ursprünglich mit dem jeweiligen Neumond überein. Der lunisolare zehnte Monat, der Dezember, von decem - zehn, sollte, von Frühlingsanfang aus gezählt, mit dem zehnten Neumond beginnen und der Januar mit dem elften.

Die alte lunisolare wie auch die neuere römische Zählung von 153 v. Chr. hatte sich jedoch im Laufe der Jahrhunderte verschoben, so dass die Monate nicht mehr mit den Mondphasen und Jahreszeiten übereinstimmten.

Der ägyptische Astrologe Sosigenes riet Cäsar zu der Regelung einer vom Mond unabhängigen Monatszählung. Diese Regelung legte einmalig den Beginn des Monats Januar als Jahresanfang auf den ersten Neumond des Jahres 45 v. Chr. fest. Fortan sollte die Monatszählung unabhängig vom Mondlauf sein.

 

Das Hochfest des Janus wurde traditionell am 9. Januar gefeiert. Es lässt sich wegen der teils mehrwöchigen Verschiebungen des vorjulianischen Kalenders nur schließen, auf welchen Sonnenstand sich ursprünglich der 9. Januar bei den Römern bezogen hat.

Sollte sich Cäsar bei seiner Kalenderregelung an den Jahreszeiten und damit am ungefähren Tierkreisstand der Feste orientiert haben, so lässt sich errechnen, auf welchem Tierkreisgrad das erste Janusfest des Julianischen Kalenders stattfand:
Cäsar hatte den 1. Januar seines neuen Kalenders, der im Jahre 45 v. Chr. inkrafttreten sollte, auf den ersten Neumond  nach dem Winteräquinoktikum gelegt. Dieses fand am 23. Dezember Jul. Kal. des Vorjahres um 15:15 Uhr statt.

Der folgende Neumond war zweiundzwanzig Tage später, nach heutiger Zeitrechnung, am 12. Januar 45 v. Chr. Jul. Kal.,  um 22:08 Uhr mit einem Sonnenstand von 22,6° Steinbock.

 

Beginn der julianischen Zählung 45 v. Chr.

nach dem ersten Neumond, 12.01. 46 v. Chr. Jul. Kal., 22:08h, 

nach dem Winteräquinoktikum 

Janusfest 

am 9. Januar des neuen Kalenders, 45 v. Chr, Jul.Kal.

Sonne wechselt von Steinbock zu Wassermann


 

 

Die zunehmende Mondsichel des Neulichts, mit dem der Monat begann, dürfte etwa einen Tag später sichtbar gewesen sein.

Auf diesen Tag dürfte Cäsars erster Januar des Jahres 45 v. Chr. und damit der Beginn des Julianischen Kalenders fallen. 

Das folgende Hochfest des Janus am 9. Januar fällt damit in Cäsars Monatszählung zusammen mit dem Wechsel der Sonne vom Zeichen Steinbock in das Zeichen Wassermann. 

 

Januskopf als Zepter des Pontius Pilatus auf einem Relief. Kreuzwegstation in der Krypta der Kirche St. Andreas in Köln

 

Die Scheidung von Wassermann und Steinbock wurde im Jahreskreis und damit auch im Tierkreis als Entfaltung der Zeit gesehen. Warum wurde der Jahresanfang nicht dem Kardinalpunkt von Null Grad Steinbock zugeordnet, dem Eintritt in die Zeit, wenn dieser doch maßgeblich für die Zählung des ersten Neumonds nach der Wintersonnenwende war?

Die Antwort liegt in der vom doppelgesichtigen Saturn der beiden Zeichen Wassermann und Steinbock ausgehenden Teilung des Tierkreises in die Morgen- und Abendhälfte. Die Janus-Achse teilt den Tierkreis in die Morgenzeichen Wassermann, Fische, Widder, Stier, Zwillinge und Krebs sowie in die Abendzeichen Steinbock, Schütze, Skorpion, Waage, Jungfrau und Löwe.

                                                                                    

 

Es ist die Reihe der Parallelzeichen der ursprünglichen sieben Planeten: Saturn für Steinbock und Wassermann, Jupiter für Fische und Schütze, Mars für Widder und Skorpion, Venus für Stier und Waage, Merkur für Zwillinge und Jungfrau. Die Scheidung von Krebs und Löwe  bildet das andere Ende der Janus-Achse. Diese haben beide ihren eigenen Planeten, den Mond und die Sonne. 

Hier erklärt sich, warum der Beginn des Jahres wie der Monatsanfänge mit Janus verbunden wurde und warum er als der Gott der Türen, Türangeln und Durchgänge gilt: Die Scheidung von Steinbock und Wassermann mit dem doppelgesichtigen Saturn erweist sich am anderen Ende der Achse als Verbindung von Sonne und Mond, deren Rhythmus Tag und Nacht bestimmen und deren Zusammenkunft bei Neumond und deren Opposition bei Vollmond jeweils für Anfang und Mitte jeglicher Monatszählung gestanden hatten. Und damit für Anfang und Vollendung überhaupt. 

Sonne und Mond sind in einer Kultur, deren Kalender auf der lunisolaren Zählung beruht, wie sie bis zu Cäsars Reform bei den meisten antiken Völkern üblich war, in elementarer Weise mit dem Erlebnis von Zeit -  von Anfang und Ende der Zyklen verbunden. 

 

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- Der doppelte Saturn, der des Wassermanns und der des Steinbocks. Entsprechend auch die Charakteristik der beiden Gesichter in vielen Darstellungen. Das eine heiter, mitunter spöttisch, oft bartlos - das andere gefasst bis streng. Die Teilung der Parallelzeichen in östliche des Morgens und westliche des Abends. Diese Trennung, mit der derselbe Planet zwei ausgehende Richtungen angibt, zwei aneinander grenzende Zeichen beherrscht, findet sich nur auf der Scheidung von Wassermann und Steinbock. Zwar trifft es zu, dass bei Wassermann-Eintritt im Jahreslauf der Jahreszeitenwechsel bereits erfolgt ist, im gegenläufigen Rhythmus, vom Ursprung zum Ur-Teil der Bestimmung, hat er sich hier jedoch vorbereitet.

 

- Sind es die sichtbaren Lichter Sonne und Mond, die Planeten der Zeichen Löwe und Krebs, die die Zeitläufe und Rhythmen anzeigen, so scheint es, als wirke am anderen Ende des Jahres, am Scheitelpunkt des Tierkreises zwischen Steinbock und Wassermann, das Verborgene, der langsam laufende und nur selten sichtbare Saturn. Als würde an der Peripherie des damals äußersten und langsamsten Planeten die aktuelle, alltägliche Zeit anbranden und ausatmen. Aus der Peripherie wirkt das Wirkende, entsteht die Polarität von Innen und Außen, Tag und Nacht. Daher gilt Janus als Herr der Türen und der Anfänge.

 

- Die Zeremonie der Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten fällt auf die Grenze Steinbock / Wassermann. Seit 1933 wird sie stets am 20. Januar abgehalten.

 

- Auch im chinesischen Jahreskreis fällt der Jahresanfang in die Zeit des Wassermanns. Dort allerdings nicht auf den ersten Neumond nach der Wintersonnenwende, wie in Cäsars einmaliger Regelung im Jahre 45 v. Chr.

Unter der Beratung des Jesuiten Schall von Bell hatte man in China im 17. Jahrhundert eine Reform durchgeführt, nach der die Wintersonnenwende stets in den elften Monat fallen sollte. Daraus ergibt sich ein lunisolarer Jahresanfang mit dem zweiten Neumond nach dem Winteranfang.

 

- Aber er ist nicht der Anfang des Tierkreises. Wie im westlichen Jahreskreis unterscheidet sich auch im chinesischen der Beginn des Jahres mit der Monatszählung vom Beginn des Tierkreises.

(...)

 

 

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(C)  Herbert Antonius Weiler, Januar 2021

 

 

 

 

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