Die Janus-Achse

Der doppelgesichtige Saturn und das römische Janus-Fest am 9. Januar

 

 

 

Im Julianischen Kalender, der nach der Reform des Julius Cäsar mit dem ersten Neumond des Jahres 45 v. Chr. nach der Wintersonnenwende begann, fällt der Übergang vom Zeichen Steinbock zum Wassermann in den Januar, den Monat des Jahresanfangs. So auch in der davon abgeleiteten, heute meistverwendeten Zählung, dem Gregorianischen Kalender. Schon um 153 v. Chr. hatte man in Rom den Jahresbeginn vom Frühlingsanfang im März auf den Januar verlegt.

Der Monat Januar ist nach Janus benannt, dem doppelgesichtigen Gott des Anfangs, der zugleich nach vorne und nach hinten schaut. Er wurde der Gott der Türen, Türangeln und Tore genannt, der Türöffner. Den einen galt er als Verwandter des Saturn, den anderen als dessen Widerspiel. Er wird als einer der ältesten römischen Götter betrachtet. Nicht nur der Jahresbeginn war dem Janus gewidmet, sondern auch die einzelnen Monatsanfänge, die Kalenden.

 

 

Traditionell dem lunisolaren babylonischen Kalender folgend, stimmten die Kalenden ursprünglich mit dem jeweiligen Neumond überein. Der lunisolare zehnte Monat, der Dezember, von decem - zehn, sollte, von Frühlingsanfang aus gezählt, mit dem zehnten Neumond beginnen und der Januar mit dem elften.

Da die Tierkreissphasen ursprünglich mit der Monatszählung übereinstimmten, entsprach der zehnte Monat dem zehnten Zeichen der Tierkreisreihe, dem Steinbock, der elfte Monat dem Wassermann. Und dem Zeichen Fische der zwölfte Monat, dessen Name Februar von februare = reinigen, kommt.

Die alte lunisolare Kalenderrechnung der Römer wie auch die neuere römische Zählung von 153 v. Chr. hatten sich jedoch im Laufe der Jahrhunderte verschoben, so dass die Monate nicht mehr mit den Mondphasen und Jahreszeiten übereinstimmten.

Der ägyptische Astrologe Sosigenes riet Cäsar zu der Regelung einer vom Mond unabhängigen, am Sonnenjahr orientierten Monatszählung. Diese Regelung legte einmalig den Beginn des Monats Januar als Jahresanfang auf den ersten Neumond des Jahres 45 v. Chr. fest. Fortan jedoch sollte die Monatszählung unabhängig vom Mondlauf sein.

 

"Zweiköpfiger Janus, Quelle des still gleitenden Jahres"  dichtet Ovid "Der einzige Gott, der hinter sich sehen kann;"  Als Festtag des Janus gibt er den 9. Januar an.

 

Ovid, der im Jahre 43 vor Chr. geboren wurde, bezieht sich in seinen Gesängen zu den Festtagen, den Fasti,  bereits auf den julianischen Kalender, der zwei Jahre vor seiner Geburt von Julius Cäsar eingeführt wurde.

Die Regelung, das Hochfest des Janus auf den 9. Januar zu legen, dürfte demnach auf Cäsar zurückgehen, der sich, mit Hilfe des Sosigenes, vermutlich an der ursprünglichen jahreszeitlichen Bedeutung der Feste und damit am Tierkreis orientiert hat. 

Anhand der Angaben zur Einführung des Kalenders lässt sich der  Tierkreisgrad des ersten Janusfestes der neuen Jahreszählung errechnen.

 

Cäsar hatte den 1. Januar seines neuen Kalenders, der im Jahre 45 v. Chr. inkrafttreten sollte, auf den ersten Neumond  nach dem Winter-Äquinoktikum gelegt. Diese Sonnenwende fand am 23. Dezember Jul. Kal. des Vorjahres um 15:15 Uhr statt. 

Der folgende Neumond war zweiundzwanzig Tage später, nach heutiger Zeitrechnung, am 12. Januar 45 v. Chr. Jul. Kal.,  um 22:08 Uhr mit einem Sonnenstand von 22,6° Steinbock.

 

Beginn der julianischen Zählung 45 v. Chr.

mit dem Neulicht nach dem ersten Neumond nach der Wintersonnenwende 12.01. 46 v. Chr. Jul. Kal., 22:08 Uhr.

Janusfest 

am 9. Januar des neuen Kalenders, 45 v. Chr, Jul.Kal.

Sonne wechselt von Steinbock zu Wassermann


 

 

Die zunehmende Mondsichel des Neulichts, mit dem der Monat begann, dürfte etwa einen Tag später sichtbar gewesen sein.

Auf diesen Tag dürfte Cäsars erster Januar des Jahres 45 v. Chr. und damit der Beginn des Julianischen Kalenders fallen. 

Das folgende Hochfest des Janus am 9. Januar fand damit in Cäsars Monatszählung neun Tage später am Tage des Wechsels der Sonne vom Zeichen Steinbock in das Zeichen Wassermann statt. 

 

Januskopf als Zepter des Pontius Pilatus auf einem Relief. Kreuzwegstation in der Krypta der Kirche St. Andreas in Köln

 

Die Scheidung von Wassermann und Steinbock wurde im Jahreskreis und damit auch im Tierkreis als Entfaltung der Zeit gesehen. Warum wurde der Jahresanfang nicht dem Kardinalpunkt von Null Grad Steinbock zugeordnet, dem Eintritt in die Zeit, wenn dieser doch maßgeblich für die Zählung des ersten Neumonds nach der Wintersonnenwende war?

Die Antwort liegt in der vom doppelgesichtigen Saturn der beiden Zeichen Wassermann und Steinbock ausgehenden Teilung des Tierkreises in die Morgen- und Abendhälfte. Die Janus-Achse teilt den Tierkreis in die Morgenzeichen Wassermann, Fische, Widder, Stier, Zwillinge und Krebs sowie in die Abendzeichen Steinbock, Schütze, Skorpion, Waage, Jungfrau und Löwe.

                                                                                    

 

Es ist die Reihe der Parallelzeichen der ursprünglich sieben Planeten: Saturn für Steinbock und Wassermann, Jupiter für Fische und Schütze, Mars für Widder und Skorpion, Venus für Stier und Waage, Merkur für Zwillinge und Jungfrau.

Die Scheidung von Krebs und Löwe  bildet das andere Ende der Janus-Achse. Diese haben beide ihren eigenen Planeten, den Mond und die Sonne. 

 

Hier erklärt sich, warum der Beginn des Jahres wie der Monatsanfänge mit Janus verbunden wurden und warum er als der Gott der Türen, Türangeln und Durchgänge gilt: Die Scheidung von Steinbock und Wassermann mit dem doppelgesichtigen Saturn erweist sich am anderen Ende der Achse als Verbindung von Sonne und Mond, deren Rhythmus Tag und Nacht bestimmen und deren Zusammenkunft bei Neumond und deren Opposition bei Vollmond jeweils für Anfang und Mitte jeglicher Monatszählung gestanden hatten.

Und damit für Anfang und Vollendung überhaupt. 

Sonne und Mond sind in einer Kultur, deren Kalender auf der lunisolaren Zählung beruht, wie sie bis zu Cäsars Reform bei den meisten antiken Völkern üblich war, in elementarer Weise mit dem Erlebnis von Zeit -  von Anfang und Ende der Zyklen verbunden.

Janus, das andere Ende dieser Achse, ist hingegen die Quelle des still gleitenden  Jahres, wie Ovid schreibt,

 

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- Der doppelte Saturn, der des Wassermanns und der des Steinbocks. Entsprechend auch die Charakteristik der beiden Gesichter in vielen Darstellungen. Das eine heiter, mitunter spöttisch, oft bartlos - das andere gefasst bis streng. Die Teilung der Parallelzeichen in östliche des Morgens und westliche des Abends. Diese Trennung, mit der derselbe Planet zwei ausgehende Richtungen angibt, zwei aneinander grenzende Zeichen beherrscht, findet sich nur auf der Scheidung von Wassermann und Steinbock. Zwar trifft es zu, dass bei Wassermann-Eintritt im Jahreslauf der Jahreszeitenwechsel bereits erfolgt ist, im gegenläufigen Rhythmus, vom Ursprung zum Ur-Teil der Bestimmung, hat er sich hier jedoch vorbereitet.

 

- Sind es die sichtbaren Lichter Sonne und Mond, die Planeten der Zeichen Löwe und Krebs, die die Zeitläufe und Rhythmen anzeigen, so scheint es, als wirke am anderen Ende des Jahres, am Scheitelpunkt des Tierkreises zwischen Steinbock und Wassermann, das Verborgene, der langsam laufende und nur selten sichtbare Saturn. Als würde an der Peripherie des damals äußersten und langsamsten Planeten die aktuelle, alltägliche Zeit anbranden und ausatmen. Aus der Peripherie wirkt das Wirkende, entsteht die Polarität von Innen und Außen, Tag und Nacht. Daher gilt Janus als Herr der Türen und der Anfänge.

 

- Die Zeremonie der Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten fällt auf die Grenze Steinbock / Wassermann. Seit 1933 wird sie stets am 20. Januar abgehalten.

 

- Auch im chinesischen Jahreskreis fällt der Jahresanfang in die Zeit des Wassermanns. Dort allerdings nicht auf den ersten Neumond nach der Wintersonnenwende, wie in Cäsars einmaliger Regelung im Jahre 45 v. Chr.

Unter der Beratung des Jesuiten Schall von Bell hatte man in China im 17. Jahrhundert eine Reform durchgeführt, nach der die Wintersonnenwende stets in den elften Monat fallen sollte. Daraus ergibt sich ein lunisolarer Jahresanfang mit dem zweiten Neumond nach dem Winteranfang.

 

- Aber er ist nicht der Anfang des Tierkreises. Wie im westlichen Jahreskreis unterscheidet sich auch im chinesischen der Beginn des Jahres mit der Monatszählung vom Beginn des Tierkreises.

(...)

 

 

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(C)  Herbert Antonius Weiler, Januar 2021

 

 

 

 

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Eraserhead

 

- Von einem Mann. der ein Kind zu tragen hat und dieses als zunehmende Last empfindet, handelt auch der Film Eraserhead des US-amerikanischen Regisseurs David Lynch. 

Das Thema der Verbindung von Saturn und Uranus erscheint in Lynchs Geburtsbild zweifach angezeigt. Einmal, indem Lynchs Geburt auf den Tag des Übergangs der Sonne vom Zeichen Steinbock ins Zeichen Wassermann fällt. Bei seiner Geburtszeit, morgens um 3:08 Uhr, am 20. Januar 1946, befindet sich die Sonne noch im Steinbock. Mit dem Erreichen der Mittagshöhe ist sie jedoch bereits in den Wassermann eingetreten. Das  Mittags- und damit Tageshoroskop dieses 20. Januars enthält also bereits eine Wassermann-Charakteristik, während Lynchs Geburtshoroskop noch vom Zeichen Steinbock bestimmt ist.

 

 

 

Mittagshoroskop David Lynch, 20. Januar 1946, Missoula

 

Da das Mittagshoroskop die Bestimmung des jeweiligen Tages aufzeigt und so alle an jenem Tag Geborenen dieser Region in übergeordneter Weise betrifft, steht Lynch, mit seiner Sonne im Steinbock, als Person in einem Spannungsverhältnis zur Wassermann-Charakteristik des Tages. Ein Spannungsverhältnis, das der Saturn-Uranus-Verbindung entspricht, darauf hinweisend, dass ein ursprungsloser Saturn gegen das Schöpferische des Einzelnen steht und sich damit ein Konflikt mit dem vorgegebenen Milieu abzeichnet.

 

- Zusätzlich ergibt sich das Thema aus der Stellung der Planeten in Lynchs Horoskop: Saturn steht in Haus acht im Krebs im Spiegel zu Uranus in Haus sieben im Zeichen Zwillinge.

 

 David Lynch, Geburtshoroskop,

20.01.1946, 03:09 Uhr, Missoula,

 

- Es ist davon auszugehen, dass Haus zwölf im Skorpion eingeschlossen ist, da in Lynchs Filmen die Inhalte des Verdrängten mit der Sonne im dritten Haus unmittelbar als Vorgänge des Ungelösten erscheinen. Daher ist die geläufige Angabe einer Geburtszeit Lynchs von 3:00 Uhr auf frühestens 3:08 zu korrigieren, was zudem  einem Aszendenten von 20 Grad Skorpion, mit der Charakteristik einer Mond-Pluto-Verbindung, entspricht.

 

- Als David Lynch den Film Eraserhead 1977 auf dem Los-Angeles-Fimfestival zeigt, macht ihn dies berühmt. Zu diesem Zeitpunkt ist er knapp 31 Jahre alt. Er hatte schon ein Jahr zuvor versucht, das Werk 1976 in Cannes einzureichen, sodass von einer Fertigstellung des Films im Alter von etwa 29 bis 30 Jahren ausgegangen werden kann. Zu diesem Zeitpunkt wird im Rhythmus der sieben Jahre pro Haus, etwa ein bis zwei Jahre nach dem achtundzwanzigsten Lebensjahr, der Saturn durch Überlauf ausgelöst und wenig später der Uranus.

 

- Im Mittagshoroskop löst sich dieselbe Saturn-Uranus-Verbindung ein Jahr später aus, mit etwa dreißig Jahren, über Steinbock in Haus acht und dem Uranus in Haus eins, der zwei Jahre nach dem achtundzwanzigsten Lebensjahr akut wird.

 

- Die Aussage des Mittagshoroskops im Unterschied zum Geburtshoroskop wird hier anhand der zeitlichen Verschiebung deutlich: Im Geburtshoroskop löst sich die Saturn-Uranus-Verbindung mit der Arbeit am Film bzw. seiner Fertigstellung aus, sich damit auf das Leben Lynchs beziehend. Im Mittagshoroskop ist die Auslösung hingegen ein Jahr später fällig, nämlich mit der endgültigen Veröffentlichung des Films, durch den Lynch als Person berühmt wurde und sich eine allgemeine Anerkennung einstellte.

 

- Damit ist das Christophorus-Thema der  Uranus-Saturn-Verbindung gegeben, das in Lynchs Werk allerdings einen fatalen Ausgang nimmt: Die Geschichte des Films erzählt in surrealistischen und alptraumhaft bedrückenden Bildern von dem Geschick eines Mannes, dessen Partnerin ein missgebildetes Baby zur Welt bringt. Von der Last überfordert, verlässt sie ihn. So ist er genötigt, sich alleine um das monströs dargestellte Kind zu kümmern. Eine Bürde, die ihm immer schwerer wird. Im Unterschied zur Geschichte des Christophorus scheitert Lynchs Figur des Mannes, der ein Kind trägt.

 

 - Der Protagonist - dargestellt von dem Schauspieler  Jack Nance, der am 21. Dezember 1943, also auf Null Grad Steinbock geboren wurde und damit passend für den Saturn steht - tötet am Ende das Kind. Daraufhin löst sich auch seine Existenz auf. 

 

- Die Sonne, die bei Lynch auf den Übergang von Steinbock zu Wassermann steht, fällt im Horoskop auf den Übergang von Haus zwei zu drei. Das Thema des Saturn-Uranus-Konflikt und des verhinderten Ursprungs bezieht sich damit auf das Bestimmende der Gemeinschaft sowie ihrer Vorgänge und Verrichtungen. Da der Verbund mit dem Zeichen Fische aus Haus vier kommt, dessen Vertreter Neptun sich in Haus elf befindet, soll das Prinzip der eigenen seelischen Bewegung des Individuums schöpferisch zur Darstellung gebracht und zur sozialen Maßstäblichkeit gemacht werden.

Mit dem Zeichen Fische im vierten Haus, wie bei Skorpion-Aszendent häufig, liegt der Anfang der Person in der Entwicklung der seelischen Unabhängigkeit, die mit einer fundamentalen Ablösung vom angestammten, die Eigenentwicklung überlagernden Milieu verbunden ist.

Wird dieser Gang durchs Wasser nicht vollzogen,  kommt es anstelle einer eigenen Bewegung zur Wiedergabe der Zeichen des Verdrängten.

 

- Bei Lynch wurde die geforderte Ablösung vom Milieu und vom Bestimmenden der Vorgänge und Methoden nicht vollzogen. Davon zeugt seine Rolle in der Esoterik, namentlich als Vertreter einer indischen Meditationsmethode, für die er weltweit wirbt und die er mit einer Stiftung fördert. Eine von den Vertretern als "Geistige Technik" bezeichnete Verrichtung, bei der in Wirklichkeit der Uranus, das Schöpferische, in eine Methode und damit in eine kollektive Vereinheitlichung gezwungen werden soll.

 

 

- Lynchs Rolle in der Esoterik, namentlich als Vertreter einer indischen Meditationsmethode, für die er weltweit wirbt und die er mit einer Stiftung fördert, - eine von den Vertretern als "Geistige Technik" bezeichnete Verrichtung, bei der in Wirklichkeit der Uranus, das Schöpferische, in eine Methode und damit in eine kollektive Vereinheitlichung gezwungen werden soll -  zeugt indes von einer Haltung, in der Vorgänge und Methodisches als bestimmend erachtet werden. 

 

- Laut eigener Auskunft wurde Lynch im Jahre 1973, mit siebenundzwanzig Jahren, zum Anhänger der indischen Meditationslehre. Im Rhythmus der sieben Jahre pro Phase geschieht dies unter der Auslösung des Pluto in Haus neun, im Zeichen Löwe, damit eine Unterwerfung des Lebens unter eine vereinheitlichende Ideologie anzeigend.

Im gegenläufigen Rhythmus löst sich über das Zeichen Fische in Haus vier, der Mars als Rückseite des Neptun exakt mit siebenundzwanzig Jahren aus. Mars in Haus acht, in Konjunktion mit Saturn und  in Opposition zu Merkur in Haus zwei bringt in dieser Stellung das Thema zur Entscheidung, ob man sich den gestaltlosen Vorgängen und Verrichtungen des sozialen Milieus unterwirft oder, um der Durchsetzung der seelischen Eigenbewegung willen, ausgestoßen wird. Beim Verbleib in einer Haltung, die das Methodische als bestimmend auffasst,  muss sich die Aggression gegen das Leben richten.  Lynchs Filme sind ein Ergebnis dessen.

 

- Die Absurdität der Filme Lynchs wie auch der Bedrückung oder Beklemmung, die von ihnen ausgeht, entspricht der Verbindung von Saturn in Haus acht im Zeichen Krebs und Uranus im Zeichen Zwillinge  in Haus sieben: Der Uranus ist in mechanistischen Abläufen und Vorgängen gefangen, die von einem falschen Saturn bestimmt sind, einem Zwang der Vorgänge, der das Leben des Einzelnen bedroht. Davon sind Lynchs Geschichten geprägt.

 

- "Geistige Technik" ist ein Nonsens-Begriff, der sich selber aufhebt. Indem die Technik die Bewegung des Geistes zum Vorgang macht, schließt sie ihn aus. Der Geist ist wie ein Vogel.

 

- Lynchs Filme verbleiben dementsprechend im surreal Zeichenhaften, in der Verstellung der Zeichen. Sie sind kurzgeschlossene Erscheinungen des Sogs und des Zwangs des Verdrängten, ohne Begreifen und ohne Gestalt.

 

- Es spricht für sich, wenn das Kind in Lynchs Film als missgebildet erscheint und schließlich vom Protagonisten getötet wird, woraufhin dessen Existenz sich ebenfalls auflöst.

 

- Die Saturn-Uranus-Verbindung mit dem Uranus im Zeichen Zwillinge in Haus sieben steht hierbei gleichsam für die aufgehobene Folgerichtigkeit, das Verstellte, als auch für die davon ausgehende Beklemmung, mit dem Lynchs Werk in der Öffentlichkeit verbunden wird.

 

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Die zwei Brüder

 

- In der Sammlung der Gebrüder Grimm findet sich ein Märchen, das zwar im Hergang nicht der Geschichte des Christophorus noch der des Sindbad gleicht, das aber eine wesentliche Wendung enthält, die an Sindbads Geschick mit dem Alten des Meeres erinnert, dem er eine Hilfe zuteil werden lässt, die für Sindbad fatale Folgen hat.

Zwei Brüder werden von einem Jäger aufgezogen, nachdem ihr Vater sie verstoßen hatte. Sie lernen das Jägerhandwerk ihres Ziehvaters und als sie alt genug sind, ziehen sie in die Welt. In einem großen Wald laufen ihnen nacheinander ein Hase, ein Fuchs, ein Wolf, ein Bär und ein Löwe über den Weg. Die Tiere bitten um Schonung und übergeben dafür ein jedes zwei ihrer Jungen den Brüdern. Nach einer Weile kommen diese überein, sich zu trennen. Der eine geht nach Osten, der andere nach Westen. Die Tiere teilen sie sich, so das jeder einen Hasen, einen Fuchs, einen Wolf, einen Bären und einen Löwen im Gefolge hat.

Jener, der sich nach Westen gewandt hat, kommt in ein Königreich, das von einem Drachen mit sieben Köpfen bedroht wird, der jedes Jahr ein Menschenopfer fordert, zuletzt die Königstochter. Mit Hilfe seiner Tiere gelingt es ihm, den Drachen zu erschlagen. Nach einigen Komplikationen, indem zunächst ein betrügerischer Marschall sich für den Drachentöter ausgibt, erhält er schließlich die Königstochter zur Frau und lebt fortan mit ihr im Schloss des Vaters.

Bei einer Jagd gerät er mit seinen fünf Tieren in einen tiefen Wald. Als er am Abend ein Feuer macht, spricht ihn aus dem Wipfel eines Baumes eine alte Frau an, ob sie sich auch am Feuer wärmen könne. Nachdem der Jäger sie bereitwillig einlädt, beklagt sie jedoch, sich vor seinen Tieren zu ängstigen und fordert, er möge diese zuvor mit einer Gerte berühren, die sie ihm hinunterreicht, damit sie ihr nichts tun. Der Jäger geht darauf ein, aber nachdem er seine Tiere alle mit der Gerte berührt hat, werden sie zu Stein. Die Hexe springt nun lachend vom Baum herab und berührt auch ihn mit der Gerte, worauf auch er zu Stein erstarrt. Sie wirft ihn mit den Tieren in einen Graben, wo noch Dutzende andere Versteinerte liegen.

Sein Bruder, der nach Osten gewandert war, erfährt jedoch durch ein zuvor vereinbartes Zeichen vom Unglück des anderen. Er macht sich auf, ihn zu suchen.

 

- Ihr Ziehvater hatte ihnen ein Messer mitgegeben. Falls sie sich trennten, sollten sie es am Scheideweg in einen Baum stoßen.

Wenn es rostig würde auf der Seite in deren Richtung der eine gegangen war, so wisse der andere, dass sein Bruder gestorben sei.

 

- Aber er war ja nicht gestorben, sondern zu Stein erstarrt.

 

- Als der nach Osten gewanderte Bruder an die Stelle des Scheidewegs kommt, findet er das Messer auf der Seite seines Bruders rostig, jedoch nur zur Hälfte, die andere Hälfte war noch blank. Daher weiß er, dass seinem Buder etwas zugestoßen ist, er ihn aber vielleicht noch retten kann.

Er findet nach einiger Zeit den verzauberten Wald und auch er wird, als er sich abends mit seinen Tieren am Rastplatz ein Feuer gemacht hat, von der Hexe im Baum angesprochen, ob sie wohl herunterkommen könne und sich am Feuer wärmen. Auch er lädt sie bereitwillig ein, als sie ihn aber auffordert, seine Tiere mit der Gerte zu schlagen, damit sie vor ihnen sicher sein könne, traut er ihr nicht mehr und antwortet, seine Tiere schlage er nicht und sie möge sofort herunterkommen, sonst schieße er sie herunter.

Die Alte aber lacht nur über seine Worte. Darauf nimmt er seine Büchse und schießt. Sie aber lacht noch ärger und ruft, seine Kugeln könnten ihr nichts anhaben. Er weiß nun wohl mit wem er es zu tun hat und reißt sich, so das Märchen, drei silberne Knöpfe von der Jacke, lädt damit sein Gewehr und drückt ab, worauf die Alte getroffen vom Baum fällt. Darauf zwingt er sie, seinen Bruder und dessen Tiere mit der Gerte zu berühren, worauf alle wieder zum Leben erweckt werden.

   

- Die Zwillingsbrüder, von denen der eine nach Osten und der andere nach Westen zieht, ein jeder mit seinen fünf Tieren, stehen für den doppelten Saturn von Wassermann und Steinbock, von wo aus der Tierkreis sich in die Parallelzeichenhälften mit je fünf weiteren Zeichen zu beiden Seiten teilt.

 

- Schütze, Skorpion, Waage, Jungfrau und Löwe im Westen, das Haus des Abends, wie es in der alten Astrologie genannt wird. Und Fische, Widder, Stier, Zwillinge und Krebs im Osten, das Haus des Morgens.

 

- Die fünf Tierpaare sind die Parallelzeichen. Aber welche Tiere sind welchem Zeichen zuzuordnen?

 

- Auch in der Geschichte von den zwei Brüdern bittet das Alte um Hilfe. Bei Sindbad endet die Hilfe für den Helfenden in der Versklavung. Im Märchen von den zwei Brüdern führt sie für den, der sich nach Westen gewandt hatte, dem Abendhaus des Tierkreises auf der Seite des Steinbocks, in die Versteinerung. Aus der Versteinerung erlöst ihn sein Bruder, der sich der Wassermann-Seite der

Janus-Achse zugewandt hatte, dem östlichen Haus des Morgens.

 

 

 

 

Von Johannes-Wassersprung und Caspar-Wassersprung

 

- In einer anderen Version der Geschichte, einem ganz ähnlichen Märchen, trinkt eine Königstochter von einer wundersamen Quelle. Darauf bringt sie Zwillingsbrüder zur Welt. Sie erhalten die Namen Johannes Wassersprung und Caspar Wassersprung. Auch ihnen schließen sich Tierpaare an, bevor sie, jeder mit seinen Tieren, in unterschiedliche Richtungen wandern.

 

- Sind es die gleichen Tiere, denen auch die zwei Brüder im Wald begegnen?

 

- Nein, ihr Großvater, der König, hatte, bevor sie sich aufmachten, noch jedem einen silbernen Stern, ein Pferd und einen Hund mit auf die Reise gegeben. Später im Wald laufen ihnen noch zwei Hasen und zwei Bären über den Weg. Diese bitten um Schonung und folgen fortan den beiden. Jeder hat also einen silbernen Stern und vier Tiere dabei.

 

-  Es ist Johannes-Wassersprung, der auf der Jagd an eine alte Frau gerät, die ihn und seine Tiere zu Stein verwandelt. Auch hier erfährt der andere Bruder, Caspar- Wassersprung, anhand eines rostigen Messers vom Unglück seines Bruders und macht sich auf den Weg. Auch er kann ihn aus der Erstarrung erlösen.

 

-  Zwar ist in dem Märchen nicht von Osten und Westen die Rede, jedoch enthält der Name des Caspar-Wassersprung einen östlichen Bezug. Nach der Überlieferung trägt einer der Astrologen aus dem Osten, von deren Besuch an der Krippe im Stall zu Bethlehem das Matthäus-Evangelium berichtet, diesen Namen. Die Heiligen Drei Könige, die nach der katholischen Überlieferung Caspar, Melchior und Balthasar heißen.

 

- Anhand des Namens Wassersprung wird die Natur der beiden Brüder deutlich: Es sind die beiden Saturnzeichen Wassermann und Steinbock, deren Scheideweg die Janus- Achse bildet. Es sind die beiden Richtungen der Zwillingsgesichter des Janus. Den Ovid Die Quelle des still dahingleitenden Jahres nennt.

 

- Die Geschichte erzählt hauptsächlich von den Erlebnissen des einen Bruders, der nach Westen gewandert ist, der Seite des Steinbock-Saturns. Er besiegt den Drachen, heiratet die Königstochter wird das Königreich erben. Aber er erliegt der Versteinerung durch die Alte im Baum. Sein Saturn sklerotisiert und zeigt damit an, dass der Ursprung nicht mehr zugelassen wurde, der Wassermann- Saturn. Die Seite des anderen Bruders. Dieser wiederum war, soweit bekannt, keinem Drachen begegnet und hatte ihn besiegt.

Aber als er vom Unglück des einen erfährt, kann er ihn aus der Erstarrung erlösen. Der Strom des Lebens vom Ursprung über die Bestimmung zur Gestalt der Gegenwart kann wieder fließen.

 

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- Was hat es mit den neu entdeckten Planeten, Uranus, Neptun und Pluto auf sich, die in der Astrologie für drei der Parallelzeichen als zuständig erachtet werden? 

 

- Ihre Entdeckung ist bedingt durch den technischen Fortschritt, das Fernrohr, mit dem der Uranus und Neptun geortet werden konnte und des weiteren die modernen Teleskope, die die Entdeckung von Pluto und weiteren Himmelskörpern weit jenseits der Bahn des Saturns ermöglichten, Des Saturns, der doch seit Jahrtausenden als der langsamste Planet und als Grenze galt. 

 

- Wenn die technischen Prothesen erst ihre Entdeckung ermöglichen, so bedeutet dies umgekehrt, dass die  Perfektion der Technik erst die Zuständigkeit der durch sie entdeckten Himmelskörper erschafft.

 

- Betrachtet man die Reihenfolge der Entdeckung der Planeten, so stellt sich der Saturn als Grenze dar, über die sich die Zuständigkeit der neuen Himmelskörper für die Parallelzeichen  spiegelt:

Der Saturn steht füt Wassermann und Steinbock, deren Grenze die Jauns-Achse bildet

Der äusserste Planet und langsamste Läufer. Betrachtet man diese Grenze als Spiegelachse, so spiegelt der erste Transsaturnier, der Uranus, den Saturn selber -  er  steht für den bisherigen Wassermann- Saturn.  Der nächste Transsaturnier steht dann für den nächstlangsameren Planeten diesseits des Saturns, der Neptun. Er ersetzt den Fische-Jupiter.  Der nun nächste Transsaturnier Pluto  wiederum steht für den nächst inneren Planeten, den Mars, er ersetzt den Skorpion-Mars.

 

- Wobei sich die Zeichen Wassermann und Fische links der Janus-Achse befinden, bzw. in der Osthälfte, Skorpion aber wieder in der Westhälfte rechts der Achse. In diesem Zusammenhang steht womöglich die hauptsächlich von amerikanischen Astrologen behauptete Zuordnung des Pluto zum Zeichen Widder.

 

- Was ist mit den noch weiter entfernten Transsaturniern, die seit Pluto entdeckt wurden? Eris, Sedna, Orcus und wie sie alle heißen? Müsste der Reihenfolge der Parallelzeichen nach nicht das Pendant der Zuständigkeit für die Stier- oder Waage-Venus kommen? Und dann ein Pendant für den Merkur?

 

- Der Mars stellt innerhalb der Planeten-Rhythmen auch eine Grenze dar. Er ist der erste der obersonnigen Planeten, also der erste von dreien, die langsamer laufen als die Sonne, in der Folge von Mars, Jupiter und Saturn. Auf der anderen Seite die untersonnigen Planeten Venus, Merkur und Mond, die schneller laufen als die Sonne. Es ist die chaldäische Reihe mit der Sonne in der Mitte. Ein nächster Transsaturnier  als Pendant zur Sonne ist angesichts der inflationären Menge neuentdeckter Himmelskörper jenseits des Pluto-Rhythmus  nicht nur astronomisch  kaum denkbar, er widerspräche auch der Struktur der chaldäischen Reihe mit der Sonne in der Mitte.

 

- Heliozentrisch betrachtet wäre der nächst innere Planet nach Mars die Erde.

 

 

 

 

 

Herbst, 2022