Den hätte man als Prophet vorhersagen können. Man hätte sagen können, "Es kommt einer und der wird als der große Geist der Welt angesehen, der große Denker, der wird die Relativitätstheorie daherbringen, für alle Ortlosen"... Wolfgang Döbereiner
"Wenn wir uns Raumstationen vorstellen,
die im ansonsten leeren Weltraum aneinander
vorbeitreiben,..."
"Einstein für Einsteiger" , Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik .
Einsteins Ruhm
Es war ein Artikel in der New York Times, der den deutschen Physiker Albert Einstein schlagartig zur Berühmtheit werden ließ. Heute gilt er als das Genie der Moderne, als der Inbegriff des wissenschaftlichen Genies schlechthin. Die von ihm entwickelte Relativitätstheorie und das mit ihr verbundene Weltbild werden mit Eifer verteidigt. Es erscheint als etablierte Basis jeglichen kosmologischen Verständnisses und des menschlichen Ortes. Die Welt als ein schwarzer Raum mit darin treibenden Sonnen und Planeten - eine Raumschiffwelt. Sie wird bereits von Grundschülern rezipiert: wenn sie ein Bild von der Zukunft zu malen sollen, stellen sie sich in Raumschiffen dar.
- "Wenn wir uns Raumstationen vorstellen, die im ansonsten leeren Weltraum aneinander vorbeitreiben, ..." beginnt unter dem Titel "Einstein für Einsteiger " ein Einführungstext auf der Web-Seite des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik. Es ist die Vorstellung, dass man Bewegung, Zeit und Raum isolieren und auf einen Vorgang reduzieren könne, gestaltlos, ohne Weg und Werden. Eine Kritik, die als erster Henri Bergson formulierte.*
- Die Erklärungen zur Relativitätstheorie sind Manifeste der Ortlosigkeit. Die Welt wird längst schon als schwarzer Raum begriffen, in dem die Erde als Kugel ihre Bahn zieht, sich um die Sonne drehend, mit dieser wiederum in einem galaktischen System kreisend mit angenommenen 100 Milliarden ähnlicher Sonnen, das wiederum eines von 100 Milliarden beobachtbaren Galaxien sein soll.
- Der Name Albert Einsteins ist fast jedem bekannt. Ebenso der Begriff der von ihm entwickelten Relativitätstheorie. Sie heißt so, weil sie besagt, dass die Maßstäbe von Raum und Zeit nicht absolut existieren, sondern sich relativ zum Bewegungszustand des Beobachters verhalten, also von diesem abhängen. Einstein schloss dies aus der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit. Sie stellt das absolute Maß dar - die einzige Konstante.
- Daraus folgt unter anderem, dass die Zeit für ein mit hoher Geschwindigkeit bewegtes System langsamer vergeht in Relation zu einem ruhenden. So die Spezielle Relativitätstheorie. Die Allgemeine Relativitätstheorie erweitert diesen Gedanken und deutet die Gravitation nicht als eigenständige Kraft, sondern als identisch mit der Masseträgheit bei Beschleunigung – und in der Folge als eine Krümmung von Raum und Zeit. Das führt dazu, dass Uhren in Gravitationsfeldern langsamer laufen als in einer gravitationsfreien Umgebung und dass der Weg des Lichtes gekrümmt erscheint. So weit die Aussagen.
- Zwar werden heute die mathematischen Gleichungen der Relativitätstheorie bereits im Schulunterricht behandelt, jedoch sind ihre Sätze weder unmittelbar erfahrbar noch sinnlich nachvollziehbar. Der Naturphilosoph Jochen Kirchhoff bezeichnet dies als "Mathematischen Okkultismus".
Dass Bewegung relativ sein kann, hat vermutlich jeder schon einmal erlebt – etwa wenn im Bahnhof der Zug auf dem Nebengleis anfuhr und man dachte, der eigene Zug habe sich in Bewegung gesetzt. Auch von der Zeitdilatation hat man womöglich schon gehört, allein ist sie nicht anschaulich denkbar. Wie Einstein zu diesen Thesen kam, ist mittlerweile in einer Vielzahl von Youtube-Clips dargelegt – ebenso die Gleichsetzung von Beschleunigung und Gravitation und die damit verbundene Raumkrümmung.
- Das Fahrstuhlexperiment war der Ausgangspunkt der Theorie. Ein gedankliches Konstrukt, anhand dessen Einstein die Vorstellung entwickelte, dass sich Gravitation und Beschleunigung fundamental nicht unterscheiden: Ein Mensch in einem stehenden Aufzug auf der Erde würde die Anziehungskraft in Richtung des Kabinenbodens nicht anders erfahren als ein Mensch in einem Aufzug, der im schwerelosen Weltraum nach in Richtung Aufzugdecke beschleunigt wird. Er würde genau so in Richtung Boden gedrückt wie im Schwerefeld der Erde. Dann stellte sich Einstein vor, ein Schuss - oder Lichtstrahl - würde quer durch die Sperrholzwand des sich beschleunigenden Fahrstuhls gehen und an der gegenüberliegenden Wand wieder austreten. Ein außenstehender, ruhender Beobachter würde die Bahn der Kugel aufgrund seiner Position im Raum als gerade wahrnehmen.
Der Insasse des Fahrstuhls hingegen, dessen Boden sich der Schussbahn beschleunigt nähert, müsste die Bahn des Geschosses als gekrümmt wahrnehmen – vorausgesetzt, er könnte so scharf sehen.
- Einstein übertrug diesen Gedanken auf das Licht und schloss daraus, dass der Raum selbst durch das Schwerefeld von Körpern gekrümmt sei.
- Eine weitere Überlegung ergab sich aus der Frage, was während der Beschleunigung mit einem Geschoss geschehen würde, das vertikal vom Boden zur Decke fliegt. Da der Aufzug nach oben beschleunigt, weicht die Decke dem Geschoss permanent aus – der Weg erscheint gedehnt.
- Nun hatte es sich seit dem Michelson-Morley-Experiment als physikalisches Dogma ergeben, dass die Lichtgeschwindigkeit von nahezu 300.000 km/sec stets konstant sei, unabhängig von der Bewegung der Objekte. Ein Lichtstrahl vom Scheinwerfer einer Rakete, die mit 10 km/sec fliegt, träfe auf den Lichtstrahl einer entgegenkommenden Rakete, die dieselbe Geschwindigkeit hat, wiederum nur mit 300.000 km/sec ein – und nicht etwa addiert mit 300.020 km/sec.
- Einstein zog daraus die mathematische Konsequenz, dass die Lichtgeschwindigkeit die absolute Konstante sei und Raum und Zeit sich relativ zu ihr verhalten. Nicht die Lichtgeschwindigkeit würde sich ändern, sondern Raum und Zeit würden sich verzerren. Im Falle des Aufzugs würde also nicht der Lichtstrahl langsamer, sondern die Zeit im Bereich des Bodens würde für den Beobachter an der Decke langsamer vergehen. Dies führte zum Gedanken der Zeitdilatation, nach der die Zeit selber in beschleunigten Systemen sowie in Gravitationsfeldern langsamer vergeht.
- In Schulbüchern wird dies gern anhand des Zwillingsparadoxons veranschaulicht: Ein Zwillingsbruder bleibt auf der Erde, während der andere einige Jahrzehnte mit einem schnellen Raumschiff unterwegs ist. Als er zurückkommt, ist sein Bruder mittlerweile 80 Jahre alt geworden, während für ihn selbst nur zehn Jahre vergangen sind – oder ähnlich.
- Als eine Bestätigung der Relativitätstheorie gilt heute das Satellitennavigationssystem GPS. Da die Satelliten weiter entfernt vom Gravitationszentrum der Erde kreisen, müssen ihre Uhren die dort nach relativistischer Berechnung schneller vergehende Zeit ausgleichen. Jedoch wenden Kritiker ein, dass die Satellitenuhren ohnehin fortlaufend nachjustiert werden müssten.
- Ohnehin ist ein relativistisch nachjustiertes GPS-System keine Bestätigung der ontologischen Wirklichkeit der Relativitätstheorie - ebensowenig wie die geozentrische Nautik, weil sie seit Jahrtausenden funktioniert, als ein Beweis für die Gültigkeit des geozentrischen Weltbildes gewertet werden kann.
- In der Tat zeigten sich über die Jahrzehnte immer wieder einmal unterschiedliche Ergebnisse bei den Messungen der Lichtgeschwindigkeit. So ergaben in den 1920er Jahren eine Reihe von Messungen weltweit eine langsamere Lichtgeschwindigkeit, als sie noch zu Beginn des Jahrhunderts festgestellt worden war, was seitens der Verteidiger der Relativitätstheorie ignoriert oder auf Messfehler zurückgeführt wird. Mit den heutigen präzisen Messmethoden, so heißt es, sei die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit zweifelsfrei festgestellt.
- Einen echten Zirkelschluss stellt indes die Tatsache dar, dass man seit dem 20. Oktober 1983 den Meter anhand der Lichtgeschwindigkeit definiert. Das Dogma kann seitdem gleichsam durch sich selbst bewiesen werden. Es ist seither nicht mehr möglich, eine Schwankung der Lichtgeschwindigkeit nachzuweisen. Zumindest nicht in Metern.
"Die Unselbstverständlichkeit des Jetzt"
- Ein zentrales Resümee das man aus der Relativitätstheorie zog, war, neben der Kalenderweisheit, dass alles irgendwie relativ sei, die Aussage, dass es keine Gleichzeitigkeit gebe, diese sei im Grunde eine Täuschung. Denn da die Zeit im unteren Teil von Einsteins Aufzugs langsamer vergeht, ist es auf der Uhr an der Decke bereits zwölf Uhr, während die Uhr auf dem Boden erst fünf vor Zwölf anzeigt - obwohl beim Start beide Uhren übereinstimmten.
"Die Zerstörung des Jetzt" oder "Warum es im Universum keine allgemeine Gegenwart gibt" oder ähnlich lauten einige Titel von Texten, die Einsteins Wirken auf einen Nenner bringen wollen.
- Das "während" setzt doch wieder eine umfassendere, also absolute Zeit voraus, von der aus gesehen die Unterschiedlichkeit der beiden Uhren im Aufzug überhaupt feststellbar ist.
Das Wort "während" bedeutet: "zum gleichen Zeitpunkt". Aber genau das bestritt man ja gerade mit der Relativitätstheorie . Wer aber so spricht, setzt einen übergeordneten "Jetzt-Zeitpunkt" voraus, von dem aus er beide Uhren vergleicht.
- Das Beispiel mit den unterschiedlichen Uhrzeiten im beschleunigten Aufzug bezieht sich bereits auf die Allgemeine Relativitätstheorie, nach der Beschleunigung und Gravitation als Raumkrümmung identisch sind und dementsprechend die Zeit langsamer vergeht, je mehr eine Uhr einer Beschleunigung oder der Schwerkraft ausgesetzt ist.
Die Relativität der Gleichzeitigkeit wurde jedoch schon zuvor, in der Speziellen Relativitätstheorie angesprochen. Einstein illustrierte es anhand des Zug-Beispiels: Zwei Blitze schlagen in die Enden eines fahrenden Zuges ein. Für einen Beobachter auf dem Bahndamm, der sich genau in der Mitte zwischen beiden Einschlagstellen befindet, erfolgen die Einschläge gleichzeitig, da das Licht beider Blitze gleichzeitig bei ihm eintrifft.
Für einen Beobachter in der Mitte des Zuges trifft das Licht des vorderen Blitzes früher ein, weil er sich darauf zubewegt. Das Licht des hinteren Blitzes erreicht ihn später, weil er sich davon entfernt. Da die Lichtgeschwindigkeit in beiden Bezugssystemen konstant ist, sind die beiden Blitze für ihn nicht gleichzeitig. Der vordere Blitz hat in seinem Bezugssystem früher eingeschlagen als der hintere.
Es gibt kein universelles Jetzt im Universum. Das war die Schlussfolgerung gegenüber dem Zeitbegriff Newtons, der Zeit und Raum als absolut voraussetzte.
- Das "universelle Jetzt" ist ein Strohmann. Niemand vor Einstein hat ernsthaft behauptet, es gäbe ein im Raum "eingefrorenes Jetzt", das wie eine Scheibe durchs Universum schneidet und alle Uhren gleichzeitig abliest. Das Leben hat ein "Jetzt". Wenn jemand sagt, das jetzt der Sommer da ist, hat dies eine Selbstverständlichkeit und niemand, einschließlich Newton hat diese Feststellung je zu einem universellen "Jetzt" überhöht. Eine Unterstellung, um Einstein als Revolutionär feiern zu können.
- Na ja, die Vorstellung eines für das gesamte Universum gültigen Moments, der gleichsam wie ein Ruf durch eine Halle schallt, ergab sich aus dem Konzept Newtons, nach dem Raum und Zeit Behälter sind, die den physikalischen Vorgängen - denn Bewegung kann dann nur noch als Vorgang verstanden werden - vorausgesetzt seien. Zeit wurde nicht als mehr Fluss begriffen, sich aus dem Ereignis ergebend sondern das Ereignis wurde als Vorgang verstanden, isoliert in der vorausgesetzten Zeit. Zwar mag das universelle Jetzt, das von der Relativitätstheorie nun infragestellt wurde, ein Strohmann gewesen sein, dennoch war es eine Folgerung der Vorstellung von Raum und Zeit als vorausgesetzte statische Behälter.
- Die Folge dieses zum Apodiktum erhobenen Befundes ist die Zerstörung des Erlebens der Gegenwart und damit die Zerstörung der Gewissheit und der persönlichen Vergewisserung des Einzelnen.
Die Relativitätstheorie suggeriert letztlich, dass es kein gültiges sinnliches Erfahren gibt, nur die Absolutheit der Lichtgeschwindigkeit und die aus ihr abgeleiteten mathematischen Folgerungen. Die wiederum nur Experten zugänglich sind. Nur sie wissen um die Natur der Wirklichkeit, der Rest der Menschheit taumelt unsicher im Nebel. Letztlich eine geforderte Autoritätshörigkeit gegenüber einer Diktatur der Experten.
- Ein Prozess, der bereits mit Galilei begann. Hannah Arendt wies darauf hin, der eigentliche Grund für den Streit mit der Kirche, sei seine Aufforderung gewesen, man müsse nur durchs Fernrohr schauen um sich von der Wahrheit der heliozentrischen Planetenbewegung zu überzeugen. Damit sei dem Menschen erstmals vermittelte worden, dass seine Sinne untauglich seien, die Wahrheit der Natur zu erfassen. Arendt zitiert dazu Heisenberg "Das Naturbild der modernen Physik, dessen Anfänge man bis auf Galilei zurückverfolgen kann, und das dadurch entstand, daß das Vermögen des menschlichen Sinnesapparats, Wirklichkeit zu vermitteln, in Frage gestellt wurde, zeigt uns schließlich ein Universum, von dem wir nicht mehr wissen, als daß es in bestimmter Weise unsere Meßinstrumente affiziert; und das, was wir von unseren Apparaten ablesen können, sagt über die wirklichen Eigenschaften, nicht mehr aus, als eine Telephonnummer von dem aussagt, der sich meldet, wenn wir sie wählen." (Hannah Arendt,Vita activa)
- Die Relativitätstheorie hat die Souveränität der Erkenntnisfähigkeit des Einzelnen endgültig entrechtet. Die fundamentale Natur der Wirklichkeit, so die Suggestion, ist der Erkenntniskraft des einzelnen Menschen entzogen. Sie wird von einer technokratischen, mathematischen Elite verwaltet.
- Tatsächlich war genau dies der Tenor der Zeitungsmeldung vom 10. November 1919, die Einstein schlagartig berühmt machte und ihn zum Genie des Jahrhunderts werden ließ: Nur zwölf weise Männer auf der Welt würden die Relativitätstheorie überhaupt verstehen, hieß es da. Eine quasi-religiöse Hymne, mit der Einstein gleichsam als Jesus erschien.
- Der Artikel trug den Titel: "Lichter am Himmel alle verstellt / Sterne nicht dort, wo sie zu sein scheinen oder berechnet wurde, aber niemand muss sich Sorgen machen / Einsteins Theorie triumphiert / Ein Buch für zwölf weise Männer"
Titelzeile des Artikels in der New York Times vom 10. November 1919, PDF des Originals
- Anlass waren die Fotos die der britische Astro-Physiker Arthur Eddington von der Sonnenfinsternis am 29. Mai 1919 gemacht hatte. Ein Teil der Aufnahmen entstand auf der westafrikanischen Insel Principe, ein anderer Teil in der Stadt Sobral in Brasilien. Die Finsternis war die Gelegenheit, das Licht von Sternen gleichsam an der Sonne vorbei fotografieren zu können.
Der Allgemeinen Relativitätstheorie nach musste das Licht dieser Sterne durch die von der Sonne verursachte Raumkrümmung abgelenkt werden und ihre Position anders erscheinen, als sonst. Einige Monate später machte man daher Fotos von den gleichen Sternen bei nächtlichem Himmel.
Eddington nahm die Aufnahmen mit nach England, wertete sie dort aus und veröffentlichte die Ergebnisse am 6. November. Einige schienen die Theorie Einsteins zu bestätigen, ein anderer Teil der Aufnahmen hingegen nicht. Da Eddington nur die bestätigenden Fotos vorlegte, warfen Kritiker ihm vor, ein willkürliches, offenbar gewünschtes Ergebnis zu zeigen. Eine Kritik, die bis heute anhält.
- Für die Meldung in der New York Times war der nähere Sachverhalt unbedeutend - es ging um die mehr oder weniger marktschreierische Proklamation, dass die Sinnesorgane ungeeignet seien, Wirklichkeit zu erfassen - nichts ist wie es scheint. Nur Einstein und seine zwölf Experten wissen um die Wahrheit der Welt. Raum und Zeit sind nicht wirklich erfahrbar. Und es gibt keine Gegenwart.
"Die Unselbstverständlichkeit des Jetzt" heißt es auf der webseite "einstein-online".
- Der Satz stellt die Vorstellung eines "universalen Jetzt" anheim, dem widersprochen wird, weil es aufgrund der Relativität der Zeit infolge der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit tatsächlich nicht bestehe.
Jedoch kommt eine solche Annahme eines "universalen Jetzt" in der Erlebniswelt des Menschen und seiner Gegenwart gar nicht vor.
Der Satz stellt vielmehr ein Kernbeispiel dar, für die seit Einstein eingeleitete Erkenntnishaltung, in der ein sinnlich unmögliches und niemals erfahrbares, ohnehin fragliches Gedankenexperiment zu einer ontologischen Aussage über das alltägliche Erleben des Menschen verkehrt wird -
mit der Folge, dass dem Erleben des Augenblicks die Selbstverständlichkeit abgesprochen wird.
Albert Einstein, 14. März 1879, Ulm 11:07 Uhr GMT
- Die Relativierung und damit die Verhinderung der Gegenwart ist in Einsteins Horoskop gekennzeichnet durch den Mars im Steinbock in Haus sieben, der vom Saturn in Konjunktion mit Merkur in Haus zehn beherrscht wird.
Eigentlich hat der Mars in sieben die Begegnung zu öffnen, hier ist er von Saturn-Merkur in Haus 10 bestimmt und holt zugleich diese Konstellation, da sie im Widder steht, in die Öffentlichkeit des siebten Hauses: die Begegnung wird relativiert.
Die Relativierung der Bestimmung der Gegenwart wird gemeinschaftlich verbindlich und zur öffentlichen Orientierung. Das ist die Hinterlassenschaft.
- Einstein war 40,6 Jahre alt, als der Artikel erschien, der ihn weltberühmt machte. Dies unter der Auslösung der Jupiter-Uranus-Verbindung über den Wassermann, der im Uhrzeigersinn die Sieben-Jahres-Phase des siebten Hauses beherrscht.
"Lichter am Himmel alle verstellt", Artikel vom 10. November 1919 in der New York Times, Mittagshoroskop
- Im Mittagshoroskop der betreffenden Zeitungsmeldung ist der Jupiter in Haus sieben der Herrscher des Herbstverbundes. Er kommt aus dem Schützen im elften Haus und bringt daher eine neue Weltanschauung in die Öffentlichkeit. Jupiter steht in Konjunktion mit Neptun im Löwen, was im siebten Haus darauf hindeutet, dass die durch das persönliche Erleben des Einzelnen entstehende Gegenwart öffentlich als nur scheinbar erklärt wird.
- In diesem Sinne schrieb Einstein 1955 in einem Kondolenzbrief an die Familie seines verstorbenen Freundes Michele Besso: „Für uns gläubige Physiker hat die Unterscheidung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nur die Bedeutung einer, wenn auch hartnäckigen, Illusion.“
- Die Formulierung erklärt letztlich das Erlebnis des Verlustes zur Täuschung . Der Schmerz wird nicht mehr zugelassen und es vermittelt sich eine Lähmung des Empfindens.
- Es zeigt sich darin die Schwüle der Verbindung von Jupiter und Neptun. Die Konstellation enthält nach der Münchner Rhythmenlehre die Lücke von Saturn und Uranus und ist die Folge eines nicht zugelassenen Bruchs, einer verweigerten Unvereinbarkeit, eines Schmerzes, der hier durch die Auflösung der Zeit schwärmerisch wegerklärt wird.
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- Eine grundlegende Unstimmigkeit der Relativitätstheorie besteht darin, dass sie Zeit und Raum im Unterschied zu Newtons Behälter- oder Bühnen-Modell zwar relativiert, aber nach wie vor voraussetzt. Der starre Raum Newtons wird lediglich anhand der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit verbogen, er wird elastisch. Ein Kaugummi-Universum, Rudolf Steiner bezeichnete in diesem Sinne Einsteins Kontinuum als ein "schleimig molluskenhaftes". Raum und Zeit werden weiterhin als absolut vorausgesetzt, nur eben als biegsame Größen.
- Ein den Körpern und Ereignissen vorausgesetzter Raum impliziert jedoch einen Raum ohne Körper und eine Zeit ohne Ereignisse. Der Raum als Ausdehnung wäre dann die Ausdehnung einer Ausdehnung, was sich begrifflich aufhebt. Ein solcher Raum ist nicht denkbar. Ebenso ist eine Zeit ohne Ereignisse nicht denkbar – diese wäre die Dauer einer Dauer.
- Daher auch Einsteins Problem mit der Quantenmechanik - er konnte sich Raum, Zeit und Ereignisse nicht als Relationen, bestimmt von der Beziehung zum Betrachter vorstellen.
Stattdessen hing er, aufgrund der Relativierung von früher und später, die sich aus der Relativitätstheorie und der Aufhebung einer messbaren Gleichzeitigkeit ergab, der Vorstellung eines vierdimensionalen Raum-Zeit-Blocks an, eines "Block-Universums" **, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichsam nebeneinander als Block existieren und in dem der Fluss der Zeit nur als menschliche Täuschung erscheint. In diesem Sinne ist die Formulierung in dem Kondolenz-Brief an die Familie Michele Bessos zu verstehen.
- Die Anschauung taucht schon bei den Griechen auf. Anaxagoras hatte vom "Allbeisammensein" der Dinge im Urchaos gesprochen,
Aristoteles setzte dem entgegen "besser als ‚alles war beisammen‘ ... ist es zu sagen: alles war der Möglichkeit nach beisammen, nicht der Wirklichkeit nach.“ (Metaphysik)
Dies ist die Phase des elften Hauses, bzw. die, des Zeichens Wassermann, wo die Dinge aus dem Ungeteilten geschöpft sind, aber noch ohne räumliche und zeitliche Distanz, zeitlos, noch ohne zugegen zu sein.
- So zu sehen auf den Bildern der Wassermann-Maler, etwa bei Sigmar Polke oder Francis Picabia, wo die Umrisse der Gegenstände und Personen ineinander übergehen, ohne sich auszuschließen. (Astrologische Verhaltensweisen in der Malerei, Wolfgang Döbereiner)
Bei Einstein wird dieser Zustand physikalisch räumlich. Er wird zur Mechanik.
- Das Mögliche, aus dem Ungeteilten Geschöpfte, noch nicht Wirkliche, wird in der Relativitätstheorie zu einer mechanisch faktischen Realität, in der Zeitlosigkeit erstarrt.
- Astrologisch entspricht die Vorstellung eines Block-Universums, in dem der Fluss der Zeit nur als Illusion gewertet wird, der Neptun-Pluto-Verbindung bei Einstein im Zeichen Stier in Haus elf.
Der Ursprung der Gestalt zur Vereinzelung ist hier blockiert. Wie gehalten in einer durchsichtigen viskosen Masse, so auch Steiners Bemerkung des "molluskenhaften" Universums der Relativitätstheorie.
Ein vierdimensionaler Raum-Zeit-Block mutet auf diese Weise wie eine Gefangenschaft an.
***
(C) Herbert Antonius Weiler, Juni 2026
* Henri Bergson beschrieb die Vorstellung vom "Vierdimensionalen Raum-Zeit-Block" bereits 1922:
"Die Relativitätstheorie liefert uns eine Zeit, die sich nicht mehr verringert oder vermehrt, eine Zeit, die nicht mehr fließt. Sie ist eine fixierte Zeit, ein fertiges Universum, in dem die Vergangenheit und die Zukunft wie in einem Raum nebeneinanderliegen. Aber das ist nicht die Zeit, die wir leben; das ist die tote Zeit der Geometrie.“
aus: "Dauer und Gleichzeitigkeit", Henri Bergson, 1922)
Bergson argumentiert, dass das, was die Relativitätstheorie als „Zeit“ misst, in Wahrheit eine Räumlichmachung der Zeit ist. Die echte, gelebte Gegenwart – die reine Dauer (durée\ pure) – wird in Einsteins mathematischem System für ungültig erklärt.
** Die Formulierung eines Block-Universums wurde nicht von Einstein selber geprägt, sondern im Zuge der Rezeption der Relativitätstheorie auf die kosmologische Vorstellung übertragen – eine Sichtweise, wie sie auch aus den Sätzen seines Kondolenzbriefes von 1955 hervorgeht. In den 1950er und 1960er Jahren wurde der Ausdruck ‚vierdimensionaler Raum-Zeit-Block‘ schließlich durch Philosophen wie J. J. C. Smart und Donald C. Williams als Begriff etabliert, um die Konsequenzen der Relativitätstheorie zusammenzufassen.
© H e r b e r t A n t o n i u s W e i l e r
