"Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben"
- Die sich so nennende Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben ist ein Verein, der Menschen beim Suizid unterstützen will. Zuletzt ins Blickfeld der Öffentlichkeit geriet dieses Institut im Zusammenhang mit den Suiziden der Kessler-Zwillinge am 17. November 2025.
- Das Wort human bedeutet eigentlich menschlich, Gesellschaft für humanes Sterben hört sich allerdings moderater und neutraler an, als „Gesellschaft für menschliches Sterben“, der Widerspruch käme in diesem Fall deutlicher zum Ausdruck. Gesellschaft für Humanes Sterben ist ein verschleiernder Begriff.
- Thomas von Aquin betrachtete die Selbsttötung als ein Vergehen gegen Gott, der das Leben gegeben hat. Daher sei die Entscheidung des Endes bei Gott, die Selbsttötung sei eine Anmaßung, die dem Menschen nicht zustehe. Josef Pieper, Thomas von Aquin/Leben und Werk
Ein autoritativer, damals sinnfälliger, heute schwer zu vermittelnder Gedanke. Aber an anderer Stelle begründete Thomas den Gedanken vom Menschen ausgehend: die Beendigung des eigenen Lebens könne natürlicherweise nie ein Akt des freien Willens sein, da der Wille des Menschen nicht gegen sich selbst und damit gegen den eigenen Lebenserhalt gerichtet sein kann.
Der Selbstmord ist demnach tatsächlich die Aufgabe des freien Willens und eigentlich ein Zwang, dem der Selbstmörder sich unterworfen hat.
- In besonderer Weise von diesem Thema betroffen war Ludwig Wittgenstein. Drei seiner Brüder hatten sich das Leben genommen, er selber litt zeitweise unter Depressionen. Er traf eine ähnliche Aussage wie Thomas. Er meinte, da der Selbstmord das Ende des Ich bedeute - von dem doch der Wille ausgeht, könne der Selbstmord unmöglich Ausdruck eines Willens sein.
- Wie aber kommt es dann zum Vollzug?
- In seinen Briefen spricht Wittgenstein von der Überrumpelung, er schreibt:"Denn seine eigene Vernichtung kann man gar nicht wollen und jeder, der sich einmal den Vorgang beim Selbstmord vorgestellt hat, weiß, dass der Selbstmord immer eine Überrumpelung seiner selbst ist. Nichts aber ist ärger als sich selbst überrumpeln zu müssen.“ Wittgenstein (Briefe, Frankfurt/M. 1980, S. 113)
- Wittgenstein hatte die Sonne im Zeichen Stier, für ihn stellte sich die Willensentledigung als Überrumpelung dar.
- In diesem Sinne übernehmen die Institute der Suizid-Assistenz letztlich die Rolle der Überrumpelung.
- Nicht nur. Solche Institute erzeugen auch einen Sog. Ähnlich wie Goethes Roman "Die Leiden des jungen Werthers", in dem der Protagonist sich aus unglücklicher Liebe das Leben nimmt. Danach kam es zu einer Suizidwelle. Der Werther-Effekt ist seither ein Begriff für die Zunahme an Suiziden, wie sie in Folge einer medialen Berichterstattung auftreten.
- Der Wille kann nicht gegen sich selbst gerichtet sein. Die angebliche Freiheit der Entscheidung zum Suizid ist in Wirklichkeit der Untergang der Freiheit. Diese aber aus der Freiheit heraus zu wollen ist unmöglich. Das ist die Essenz.
- Demnach, so wäre die Folgerung, kann der Suizid nur die Folge eines äußeren oder inneren Zwangs sein. Letzteres im Sinne einer Besetzung.
- Was hingegen das Institut betrifft, so geschieht dort ein Diebstahl am Schicksal, ein Raub am Leben der nicht mehr gelebten Zeit. Davon persistiert der Verein.
- Die Gesellschaft für Humanes Sterben wurde am 7. November 1980 gegründet.
Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben, 07.11.1980, Nürnberg, Tageshoroskop
- Der Sonnenstand befindet sich auf dem „kleinen Kardinalpunkt“ auf 15 Grad Skorpion, in der Mitte zwischen Herbstanfang und Wintersonnenwende. Er zeigt an, dass es hier um ein grundsätzliches Thema geht. Dies im Sinne der Zeichen des Herbstviertels, Schütze, Skorpion, Waage, das die Grenze und die Endlichkeit des Subjekts zum Inhalt hat.
Der Schütze, als Anfangszeichen des Verbundes, aus Haus zwölf und elf kommend hat mit seinem Herrscher Jupiter in Haus acht das Anliegen, die Grenze zur Gegenwart zu vereinheitlichen, bzw aufzuheben. Mit dem Pluto als Herrscher der Skorpion-Sonne in Haus neun, wo es zur Fügung in die Zeit kommen soll, wird dies bestätigt und geschieht, indem eine Entwicklung nicht zugelassen wird, sondern es zu einer gezwungenen Fügung kommt. Ein Ende wird vorweggenommen, so dass es nicht zum Ende kommen kann.
- Der Tod als Fügung und Begegnung wird nicht zugelassen. Tatsächlich stellt sich der Suizid als eine Verdrängung des Todes dar.
- Dies entspricht einer Aussage Rudolf Steiners, nach der ein durch Suizid umgekommener Mensch unmittelbar nach dem Tod nicht mehr weiß, dass er durch eigene Hand gestorben ist. Er wähnt sich weiterhin unter den Lebenden. "Beim natürlichen Tode", so Steiner, gehe mit "dem Verfall des Leibes" auch eine Ablösung der an ihm haftenden Gefühle einher. Nicht so bei denen, die durch Suizid ihr Leben beendet haben: "Sie verlassen auf künstlichem Wege ihren physischen Leib, während doch alle Gefühle, die mit diesem zusammenhängen, unverändert bleiben." Rudolf Steiner GA 9, S. 105
- Sein Tod war keine Fügung und nicht das wirkliche Ende einer Entwicklung. Dieser Inhalt findet sich im Horoskop der Gesellschaft für Humanes Sterben wieder.
- Das Institut ist nicht das einzige seiner Art, ähnliche Vereine sind in etlichen Ländern entstanden. Fälle von Missbrauch, indem kranke oder alte Menschen zum Suizid gedrängt, einige sogar gegen ihren erklärten Willen vergiftet wurden, sind, etwa aus Kanada oder Belgien, bekannt geworden. Jedoch ist unabhängig von derartigen Vorkommnissen mit der zunehmenden, teils romantisierenden Verharmlosung des Suizids und der Entwertung des Lebens und seiner letzten Augenblicke, begleitet von der verlogenen Phrase eines "würdevollen, selbstbestimmten Endes", ein moralischer Druck entstanden, der Älteren und Kranken vermittelt, in einer sozialen Schuld zu stehen.
Hinterzimmerkonzepte der globalen Wirtschaftsgremien, wie einer Überalterung der Gesellschaft entgegenzuwirken wäre, spielen in der medialen Präsenz und ihrem Tonfall nicht etwa keine Rolle.
- Das Thema wirft ein grundsätzliches Dilemma des Industriestaates und der technokratischen Regelungsmanie auf. Entscheidend ist das Merkmal des Zwangs: es gibt den Zwang zur Verzögerung des Todes, indem der Mensch mittels Apparaten zwangsweise am Leben gehalten wird, obwohl es sich eigentlich schon verabschiedet hat. Und es gibt den Zwang zur vorzeitigen Beendigung des Lebens, sei es durch eigene oder fremde Hand, obwohl die Zeit noch nicht gekommen ist. Beides eine Verdrängung der Endlichkeit.
"Der Tod wird im Himmel entschieden" (Wolfgang Döbereiner)
- Zwar sind die genauen Geburtsdaten der Kessler-Zwillinge laut Astrocom bekannt, 20.08.1936, Alice Kessler um 0:40 GMT, mit dem AC auf 19° Krebs und Ellen Kessler um 01:08 GMT, mit dem AC auf 24° Krebs, jedoch bietet sich aufgrund der öffentlichen Bekanntheit des Zwillingspaares und der unterschwelligen allgemeinen medialen Befürwortung des Suizids auch hier das Tageshoroskop als Mittel der astrologischen Anschauung an.
Alice & Ellen Kessler, 20.08.1936, Nerchau, Tageshoroskop
Im Rhythmus der sieben Jahre pro Phase wurde das Tageshoroskop der Kessler-Zwillinge mit 84 Jahren einmal durchlaufen und der wandernde Aszendent befindet sich nunmehr, mit 89, 3 Jahren wieder im zwölften Haus. Phasenherrscher ist das Zeichen Skorpion, dessen Vertreter Pluto in Haus neun sich zum Zeitpunkt des Suizids der Kessler-Zwillinge auslöst.
- Wie im Falle des Instituts für Humanes Sterben steht der Pluto in Haus neun für eine verdrängte Zeit und für die Verweigerung der Flusses des Schicksals.
Sein Stand auf dem Punkt von 28 Grad Krebs - bei beiden im ersten Haus -, der nach der Münchner Rhythmenlehre einer Mars-Pluto-Charakteristik entspricht, zeigt den Zwang der Unterwerfung unter das Kollektiv an - die Kessler-Zwillinge waren zeitlebens Stars, das heißt, dass ihr Leben davon besetzt war, puppenhaft als Projektionsfläche der Spiegelung des Kollektivs zu dienen.
Ihre Rolle wurde dabei im wesentlichen durch ihr Auftreten als tanzendes Zwillingspaar geprägt.
Die jüngere der Schwestern litt seit einiger Zeit unter den Folgen eines Schlaganfalls, während die ältere gesundheitlich stabil war. Im Abschiedsbrief findet sich die Aussage "Wir sind zusammen auf die Welt gekommen und wir werden sie auch gemeinsam verlassen.“ , der Text schließt mit den klischeehaften Worten: "Wir sehen uns wieder auf Wolke 7".
Der doppelte Suizid erscheint auf diese Weise wie unter dem Zwang ihrer Rolle im Kollektiv.
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(C) Herbert Antonius Weiler, November 2025
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