Beschluss der Knesset zur Todesstrafe
- Im israelischen Parlament wurde am 30. März 2026 ein Gesetz verabschiedet, das nach Ansicht von Kritikern, falls es vor dem Obersten Gericht durchkommt, einen Sündenfall und eine Verabschiedung von der jüdischen Ethik darstellt.
- In der zivilen Rechtsprechung Israels ist die Todesstrafe praktisch abgeschafft. Im Falle von Adolf Eichmann, dem Ingenieur der Vernichtung der europäischen Juden, hatte man vor über sechzig Jahren eigens eine Ausnahme gemacht.
- Auch diese Hinrichtung am 31. Mai 1962 wurde seinerzeit von Martin Buber als „ein Fehler von historischer Tragweite“ bezeichnet. Buber hatte sich bereits in den 1920er Jahren grundsätzlich gegen die Todesstrafe ausgesprochen. Im Falle Eichmanns sah er eine Chance, in der die jüdische Ethik der Heiligkeit des Lebens sich hätte zeigen können. Ähnlich urteilte Gershom Scholem, der in der Hinrichtung Eichmanns eine Angleichung an die Methoden der Verfolger erblickte, die dem jüdischen Geist widerspreche.
- Tatsächlich wurde die Todesstrafe in der jüdischen Kultur schon in der Spätantike abgelehnt. Bereits im ersten Jahrhundert nach Christus beendete der Sanhedrin, der jüdische Gerichtshof, die Praxis des Todesurteils. Einige sagen, Grund sei die Zerstörung des Tempels im Jahre 70 gewesen, da entsprechende Urteile nur von dort aus verhängt werden durften. Tatsächlich war jedoch der Gerichtshof bereits Jahrzehnte zuvor aus dem Tempel ausgezogen und hatte sich damit selbst der Berechtigung enthoben, ein solches Urteil zu sprechen.
- In den folgenden Jahrzehnten entwickelte man in der rabbinischen Rechtsprechung juristische Anforderungen, die eine Verurteilung zum Tode immer mehr unmöglich machten. So mussten mindestens zwei Zeugen die Tat gesehen haben. Indizienbeweise waren unzulässig. Das führte zu einer grundsätzlichen Vermeidung der Todesstrafe, entsprechend der talmudischen Aussage, nach der ein Gericht, das in 70 Jahren auch nur einen Menschen hinrichten lässt, als 'mörderisch' zu bezeichnen ist. (Traktat Makkot 1:10)
- Das Ergebnis war, dass man vom 1. Jahrhundert nach Christus an in der jüdischen Rechtsprechung eine unvergleichlich große Zurückhaltung gegenüber der Todesstrafe walten ließ und ein Todesurteil faktisch ausgeschlossen war. Dies nahezu zwei Jahrtausende, bevor man in den – obwohl christlich geprägten – europäischen Staaten zu einer ähnlichen ethischen Einsicht gelang.
siehe Kategorischer Imperativ und Todesstrafe
So wurden die letzten Hinrichtungen im westlichen Europa vor weniger als fünfzig Jahren durchgeführt - 1975 wurden in Spanien fünf militante Separatisten hingerichtet, 1977 gab es die letzte Hinrichtung in Frankreich und in Deutschland, in der damaligen DDR, wurde noch 1981 ein Todesurteil vollstreckt.
- Sollte man vor diesem Hintergrund in Europa nicht etwas weniger selbstgerecht auftreten?
Zumal es wegen der massiven Todesstrafenjustiz im Iran und der kürzlichen Niedermetzelung von 30.000 Regimegegnern weder in Deutschland noch in anderen europäischen Ländern zu entsprechender Empörung kam?
- Das von der Regierung Netanjahu am 30. März verabschiedete Gesetz sieht die Todesstrafe für Terroristen vor, die israelische Staatsbürger mit der Absicht töten, den Staat Israel zu schädigen oder zu zerstören. Kritiker argumentieren, dass sich die Regelung durch diese Definition faktisch ausschließlich gegen Palästinenser richte und daher als de facto rassistisch einzustufen sei.
- Fällt hier der Rassismusvorwurf nicht auf die Kritiker selbst zurück? Er setzt implizit voraus, dass terroristische Angriffe mit diesem Motiv ausnahmslos von Palästinensern verübt würden. Die Geschichte der Terrorakte zeigt jedoch, dass sie ebenso vom Iran, der Hisbollah oder sogar von japanischen Attentätern ausgingen – wie beim Massaker am Flughafen Lod 1972. Zudem sind Palästinenser nicht per se Terroristen, und das Gesetz schließt ausdrücklich auch tödliche Angriffe auf israelische Araber sowie auf andere Palästinenser mit ein.
- Darüber hinaus muss die besondere Situation eines seit Jahrzehnten andauernden „Quasi-Krieges“ berücksichtigt werden. In diesem Konflikt werden israelische Geiseln immer wieder als Druckmittel entführt, um inhaftierte Terroristen freizupressen. Zuletzt waren am 7. Oktober 2023 beim Massaker der Hamas im Süden Israels, bei dem über 1.200 Menschen ermordet wurden, auch 251 Personen entführt worden. Nur 168 von ihnen überlebten die Geiselhaft; sie wurden schließlich gegen mehr als 2.000 palästinensische Häftlinge ausgetauscht, unter denen sich hunderte Schwerverbrecher befanden.
- Bei einer früheren Erpressung war einst der Schlächter von Gaza frei gekommen, Yahya Sinwar, der im israelischen Gefängnis inhaftiert war, weil er wegen der Ermordung zahlreicher Israelis sowie wegen Massakern an der eigenen Bevölkerung in Gaza verurteilt worden war. In der Haft erkrankte er an einem Hirntumor, der von den israelischen Ärzten erfolgreich entfernt wurde. Im Jahre 2011 kam er im Tausch gegen den entführten Gilad Schalit, zusammen mit 1027 weiteren Inhaftierten, frei und avancierte später zum eigentlichen Organisator des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023.
- Das sind strategische und sicherheitspolitische Kategorien.
Bei dem Beschluss geht es jedoch um die offizielle strafrechtliche Verankerung der Todesstrafe und nicht um eine militärische oder geheimdienstliche Strategie. Das ist etwas anderes. Auch die palästinensische Taktik der Freipressung gefangener Terroristen durch Entführung kann diesen fundamentalen Angriff auf die Menschenwürde nicht relativieren, da in diesem Falle das Leben eines Menschen einem Zweck geopfert würde.
- Wie immer der beschlossene Wortlaut auch auszulegen sein mag, stellt die Verabschiedung des Gesetzes für Israel eine unvergleichliche Zäsur dar. Zwar sagen Vertreter der Opposition, das Gesetz würde durch das oberste israelische Gericht aller Wahrscheinlichkeit nach abgelehnt, aber allein die Tatsache, dass ein israelisches Parlament einen Beschluss zur Einführung der Todesstrafe verabschiedet, ist ein Bruch mit der humanistischen Tradition des Landes und des Judentums, wie sie in der jüdischen Kultur seit der Antike bewahrt und geachtet wurde.
- Verabschiedet wurde der Entscheid der Knesset mit einer Mehrheit von 62 zu 48 Stimmen am Abend des 30. März kurz nach 21 Uhr. So nennt die palästinensische Nachrichtenagentur wafa>> in ihrem Liveticker die Uhrzeit von 21:06, während die Times of Israel>> in ihrem Liveticker eine Uhrzeit von 21:12 angibt. Auszugehen ist damit von einem Zeitpunkt kurz vor der Meldung der wafa.
Beschluss zum Todesstrafengesetz in der Knesset,
30. März 2026, Jerusalem, 21:03:30 IST, GMT + 3 Stunden
- Die Uhrzeit wird bestätigt durch den Aszendenten von 7,2 Grad Skorpion, der in der Münchner Rhythmenlehre einer Verbindung von Saturn und Mondknoten entspricht, die als indirekte Begegnung mit dem Tode definiert ist.
Der Frühlingsverbund mit der Sonne auf 10 Grad Widder im fünften Haus, dem Feld des unmittelbaren Lebens, ragt vom zweiten in den dritten Quadranten - die Belange des Subjekts sollen im Sinne des Erhalts der Gemeinschaft formuliert, strukturiert und reglementiert werden.
Der Mars steht als Anführer des Frühlingsviertels auch im fünften Haus und zeigt damit eine Aggression gegen das Leben an.
Er befindet hier jedoch noch auf 22 Grad im Zeichen Fische - und das Zeichen Fische steht im Tierkreis für das Prinzip der Gestalt.
Der Angriff auf das Leben bezieht sich damit nicht auf einen Einzelfall sondern er richtet sich gegen das Prinzip des Lebens.
Das ist das Wesentliche dieses Bildes, das wiederum nur zur Aussage werden kann, weil es vor dem Hintergrund der Tradition der Lebensheiligkeit im Judentum (Gunnar Heinsohn) und der Ablehnung der Todesstrafe steht, wie sie sich dort seit der Spätantike etabliert hatte. Eine Zäsur.
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- Der Beschluss in der Knesset fällt in eine Zeit, da Israel sich bereits seit über einem Monat im Krieg mit dem Iran befindet. Auch die USA sind beteiligt. Eine Eskalation.
- Das islamistische Regime im Iran steuert seit Jahrzehnten mit durchschnittlich 80 bis 100 abgefeuerten Raketen pro Tag die Angriffe seiner Proxy-Armeen, der libanesischen Hisbollah sowie der Huthis im Jemen, gegen Israel. Auch das Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 war vom Iran maßgeblich unterstützt worden. Das Regime proklamiert öffentlich die Auslöschung Israels und ist im Begriff, Atomsprengköpfe zu entwickeln.
Gleichwohl stellt der Angriff Israels auf den Iran ein Novum dar, da er zwar in Anbetracht der mehr oder weniger indirekten permanenten iranischen Attacken der vergangenen Jahrzehnte begründbar ist, ein darüber hinausgehender konkreter Anlass, außer dem wiederholten Hinweis auf eine kurz vor der Vollendung stehende iranische Atomwaffe, schien jedoch nicht gegeben.
- Der Blick auf das Horoskop des offiziellen Endes des Völkerbundmandats der Briten am 15. Mai 1948 zeigt, dass die gesamte ehemals von den Briten verwaltete Region seit Ende Februar 2026 unter der Auslösung des Neptun steht.
Zu dieser Region gehörten nicht nur das heutige Israel sowie die Gebiete Gaza und Westjordanland, sondern auch das heutige Jordanien (bis März 1946) und Teile des Sinai. Das Ende des Mandats am 15. Mai 1948 markiert somit den endgültigen Rückzug Großbritanniens aus seinem gesamten einstigen Herrschaftsbereich im Nahen Osten.
Ende des britischen Mandats am 15. Mai 1948, 00:00 Uhr, (GMT +3), Tel Aviv
Neptun-Auslösung rechtsläufig über Fische am 13.03.2026
- Die derzeitige letzte sieben Jahres-Phase des Horoskops wird vom Zeichen Fische beherrscht. Sie begann im Mai 2025 und endet 2032.
Der Neptun steht im Quadrat zur Venus in Haus sechs und im Spiegel zum Uranus in Haus fünf, was auf eine umfassende Auflösung der Reviergrenzen und auf eine Schrecklähmung für das Leben in der Region hindeutet. Die Auslösung fällt zusammen mit dem Beginn des Iran-Kriegs und der im Zuge der Eskalation entstandenen Bedrohung für die gesamte Region. Der Neptun wurde nicht angenommen.
- Dies zeigt sich bereits darin, dass der Krieg im Zeichen Fische, nämlich am 28. Februar 2026, begonnen wurde. Auch der russische Angriff auf die Ukraine 24. Februar 2022 begann in den Fischen.
- Wird nicht im chinesischen Buch des Sunzi zur Kunst der Kriegsführung ausdrücklich davor gewarnt einen Krieg im Winter zu beginnen? Die Dauer eines solchen Krieges und eine klare Entscheidung seien nicht absehbar. Sowohl der Ukraine-Krieg als auch der Iran-Krieg scheinen diese Regel zu bestätigen.
- Sunzi sprach generell vom Winter. Die Fische-Phase entspricht in der chinesischen Astrologie ohnehin der Zeit des Hasen - dem exemplarischen Fluchttier.
- Demnach würde auch der Knesset-Beschluss zur Todesstrafe, der am 30. März zwar im Widder stattfand aber mit dem Mars in den Fischen, nicht unbedingt durchgreifen. Jedoch stellt er als verabschiedeter Parlamentsentscheid auch ohne Erfolg eine innere Infragestellung und Bedrohung des israelischen Gemeinwesens dar, wie es sie in der Geschichte des Landes bisher noch nicht gab.
Ausrufung des Staates Israel am 14. Mai 1948, 16:33 Uhr, (GMT +3), Tel Aviv
Saturn-Pluto-Auslösung rechtsläufig über Skorpion am 15.05.2026
Im Horoskop der Staatsgründung Israels wird die aktuelle Sieben-Jahres-Phase rechtsläufig durch das Zeichen Skorpion im ersten Haus bestimmt. Die damit verbundene, gegenwärtige Auslösung der Pluto-Saturn-Konjunktion im zehnten Haus zeigt an, dass die Bestimmung des Einzelnen zunehmend durch den Zwang kollektiver Reglementierung verdrängt wird – die Maßstäbe des Gemeinwesens, repräsentiert durch den Saturn, sind besetzt.
Die Konstellation spiegelt die akute politische Lage wider. Sie offenbart die spezifische Dynamik der Regierung Netanjahu, die es ermöglicht, dass das Parlament seit Jahren von einer Koalition kleiner, rigider Parteien dominiert wird, deren Politik eigentlich von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird. Im Mai 2026 dürfte sich die Situation im Auge der akuten Auslösung zuspitzen.
- Wie konnte es zu dieser Entwicklung kommen?
- Leah Rabin, die Witwe des ermordeten Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin, erläuterte bereits nach dem Tod ihres Mannes, wie die unverhältnismäßige Macht dieser Kreise zustande kommt. Laut Rabin werden diese Gruppen massiv von jüdischen, teils auch von evangelikalen Geldgebern aus den USA finanziert. Es handelt sich um Akteure, die sich damit ein moralisches Alibi verschaffen, während sie selbst in Sicherheit leben und die unmittelbaren Konflikte sowie die Lasten des Lebens in Israel nicht tragen müssen. Durch diese Unterstützung von außen erhalten diese Gruppierungen einen Einfluss, der ihrer tatsächlichen Verankerung in der israelischen Gesellschaft und Wirtschaft nicht entspricht. Es entsteht ein permanentes Ungleichgewicht zum Nachteil der parlamentarischen Demokratie.
- Die Weichen hierfür wurden jedoch bereits im Vorfeld der Staatsgründung gestellt. Ursprünglich existierten zwei sich unterscheidende zionistische Strömungen. Der Volkszionismus, verbunden mit Theodor Herzl – und der Kulturzionismus, unter anderen vertreten durch Martin Buber.
- Der moderne Zionismus nahm seinen Anfang in Russland, wo die zunehmenden Pogrome den Wunsch nach einer jüdischen Enklave entstehen ließen. Die erste zionistische Konferenz wurde schließlich von Theodor Herzl einberufen. Maßgeblich beeinflusst durch die Dreyfus-Affäre – den antisemitisch motivierten Prozess gegen den jüdischen Offizier Alfred Dreyfus –, setzte sich Herzl für einen jüdischen Nationalstaat ein. Seine pragmatische Argumentation: In einem eigenen Land fänden Juden Schutz vor Verfolgung, während die anderen Nationen „die ungeliebten Juden“ los würden. Die Priorität dieses Volkszionismus lag in der Bildung einer nationalen Schutzgemeinschaft.
Davon unterschied sich der von Martin Buber angestrebte Kulturzionismus. Die Vertreter dieser Richtung lehnten einen Nationalstaat ab und strebten stattdessen ein föderatives Gemeinwesen an, erwachsen aus einem gemeinsamen geistigen Hintergrund. Buber sah im Dialogischen Prinzip der „Ich-Du-Beziehung“ die Essenz des Judentums. Er propagierte einen lockeren, nicht staatlich organisierten „Verband von Verbänden“ eine Föderation in Konföderation mit der arabischen Bevölkerung Palästinas.
- In diesen Konzepten lässt sich der Unterschied der Tierkreisphasen Stier und Wassermann erkennen. Herzl war im Stier geboren, Buber im Wassermann. Während von 0° Widder/30° Fische aus im Wassermann, als zweite Phase der oberen Bewegung, die Identität entsteht, wird im Stier, der zweiten Phase der unteren Bewegung, die Stetigkeit der Identität des Selben zur Stetigkeit der Erscheinung und zur Abgrenzung. Die Entstehung der Identität im Wassermann bestimmt das Bestehende im Stier.
- Liegt hingegen die Priorität beim Stier, so spricht das für eine Gemeinschaftsbildung die nicht organisch gewachsen ist, sondern im Selbstzweck zu erstarren droht.
Martin Buber und Theodor Herzl
- Da sich Herzls Volkszionismus durchsetzte, suchte der neue, säkulare Staat nach einer legitimierenden jüdischen Identität in der Tradition des orthodoxen Judentums. Deren Vertretern wurden Sonderrechte eingeräumt – etwa die Befreiung vom Militärdienst oder das Monopol auf Eheschließungen. So wurde der orthodoxe Klerus zum Garanten der nationalen Identität und erhielt eine besondere Machtposition.
Gleichzeitig blieb die Entwicklung einer jüdischen Philosophie in Israel und einer lebendigen, essentiellen Auslegung des Judentums, wie Buber sie anstrebte, weitgehend verwehrt.
- Martin Buber sprach hierbei hinsichtlich des religiösen Formalismus von den "Affen des Absoluten".
- So entstand in Israel zwar eine liberale, zu weiten Teilen säkulare Gesellschaft, während jene bestimmten Gruppen, von denen Leah Rabin spricht, eine ihnen eigentlich, aus der Dynamik der israelischen Gesellschaft, nicht zukommende Machtposition innehaben.
(...)
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(C) Herbert Antonius Weiler, April, 2026
Hinweis:
In gängigen digitalen Zeitzonen-Datenbanken und den darauf basierenden astrologischen Verzeichnissen wird für die Staatsgründung Israels im Mai 1948 üblicherweise die osteuropäische Standardzeit (GMT+2) angeführt.
Bei dem historisch dokumentiertenVersammlungsbeginn um 16:00 Uhr und der Ausrufung des Staates um 16:32 Uhr führt dies rechnerisch zu einer Weltzeit von 14:00 bzw. 14:32 Uhr Greenwich.
Im Unterschied dazu legte Wolfgang Döbereiner vor Jahren ein Horoskop der Proklamation vor, das – wie auch andere ältere Berechnungen – de facto auf 13:00 Uhr GMT basiert. (wenngleich dort die unzutreffende Lokalzeit von 15:00 Uhr vermerkt ist)
Die astrologische Anschaulichkeit spricht indes deutlich für die frühere Weltzeit. Das Horoskop mit Neptun am Aszendenten auf 10° Waage gibt die damalige Ausgangslage der existenziellen Bedrohung und der territorialen Unsicherheit unmissverständlich wider.
Ebenso das Horoskop der eigentlichen Ausrufung zum Ende der Versammlung, etwa 32 Minuten später, mit einem Aszendenten von 17,5° Waage; nach der Münchner Rhythmenlehre ein Saturn-Uranus-Grad, der jene Unvereinbarkeit aufzeigt, wie sie der inneren und äußeren Lage entsprach.
Die Sinnfälligkeit dieser Gründungshoroskope legt nahe, dass die Zeitangabe von 16:00 Uhr einer Weltzeit von 13:00 Uhr entsprochen haben dürfte – was eine Berechnung auf Basis von GMT+3 voraussetzt.
Tatsächlich ist die heute verbreitete Angabe von GMT+2 fragwürdig und bildet die damaligen Verhältnisse nur unzureichend ab. Die zeitgenössischen Quellen sind oft widersprüchlich, weil britische Greenwich‑Bezüge mit lokalen Sommerzeitregelungen kollidierten.
In der Palestine Gazette vom 23. Mai 1940 verfügte der britische Hochkommissar mit der Time Determination Ordinance eine teils ganzjährige Abweichung von der osteuropäischen Zeit auf GMT+3. Diese Regelung endete mit einer Verlautbarung in der Palestine Post vom 30. März 1947, nach der fortan wieder wieder GMT+2 gelten sollte.
Auf diese Meldung beziehen sich heutige Datenbanken.
Jedoch spricht wesentliches dafür, dass am 14. Mai 1948 faktisch GMT+3 verwendet wurde. Verwaltungen hielten in der Übergangsphase an der gewohnten Zeitregelung fest, und eine frühe Proklamation mit 13.00 Uhr Weltzeit passt besser zum bevorstehenden Schabbatbeginn bei Sonnenuntergang. Zudem benutzte die, mit den jüdischen Behörden eng zusammenarbeitende Haganah militärisch bedingt die „War Time“ (GMT+3).
Entsprechend deutet auch die formale Einführung von GMT+3 unmittelbar nach der Staatsgründung darauf hin, dass diese bereits vor dem 14. Mai gängige Praxis war, schließlich gab es in dieser Situation andere Prioritäten als die relativ nebensächliche Einführung einer neuen Sommerzeit. Wahrscheinlicher ist, dass eine Zeitregelung, nach der man sich ohnehin gerichtet hatte, mit der Staatsgründung offiziell wurde.
Bestätigt wird dies durch eine Verlautbarung des israelischen Innenministers drei Wochen später, am 3. Juni 1948, wonach die Landeszeit der Greenwich‑Zeit „nicht notwendigerweise um drei Stunden“ voraus sein soll.
Ein weiterer Hinweis geht aus dem Zeitpunkt der de-fakto-Anerkennung Israels durch die USA noch am 14. Mai 1948 hervor. Präsident Truman unterzeichnete das Dokument laut Vermerk um 18:11 Uhr .
Da die Washingtoner Sommer-Zeit, EST, auf GMT-4 basiert, vier Stunden hinter der Greenwichzeit, entspricht 18:00 Uhr in Washington 22:00 Uhr in Greenwich. Ben Gurion berichtet in seinen Tagebuchaufzeichnungen, man habe ihn gegen 1 Uhr in der Nacht zum 15. Mai geweckt, um ihm telefonisch aus Washington mitzuteilen, Truman habe gerade die Anerkennung Israels unterzeichnet. Der Anruf in Tel Aviv etwa eine Stunde nach Mitternacht erfolgte demnach um 22:00 Greenwich plus drei Stunden.
Deshalb dürfte der Versammlungsbeginn zur Unabhängigkeit und israelischen Staatsgründung nach GMT+3 , mit einer Greenwichzeit von 13:00 Uhr und 16:00 Uhr Lokalzeit erfolgt sein.
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© H e r b e r t A n t o n i u s W e i l e r
