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Das  Larvenstadium  des   Internets

 

 

Das Arpanet, das  Advanced-Research-Project-Agency-Net,  war ein Projekt des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums 

zur digitalen Vernetzung von Universitäten und Forschungsinstituten gegen Ende der 1960er Jahre. Im Jahr 1990 als überholt betrachtet und stillgelegt, gilt es als erste Form jener Kommunikation von Computern, die heute das Internet darstellt.

 

Die erste derartige Verbindung zweier Rechner wurde am  2.9.1969 an der Universität von Los Angeles geschaffen. Der Zeitangabe des Forschungsleiters zufolge kam, geschätzt um etwa 10 Uhr  vormittags, die erste derartige Korrespondenz zustande.  

 

Die rundgeschätzte  Uhrzeit kann  auf 10:07 h  korrigiert werden. Damit liegt die  Mittagshöhe auf  28° Krebs, dem Punkt, der eine  Merkur-Pluto-Verbindung enthält (Münchner Rhyzthmenlehre), die für Programmierung und Funktionszwänge und in diesem Sinne für Fremdbestimmtheit zuständige Konstellation. Sie ist im Horoskop zusätzlich als Spiegelkonjunktion gegeben. 

Weil die nicht-lokale Ausgangslage des Ereignisses dafür spricht,  dass Haus 12 noch vom Aszendentenzeichen Waage mitbeherrscht wird, dürfte die Zwölf-Haus-Achse bis auf 0° Waage vorgerückt sein.

 

Der MC mit dem Verbundsherrscher Mond in Haus 8  im Stier  gibt damit eine Okkupation des Empfindens durch eine ritualisierte, kollektive Öffentlichkeit und eine damit verbundene seelische Isolation an, die von der digitalen Vernetzung ausgehen.

So wird vom Mond mitgeführt die Venus in Haus 10, die, bei Waage am Aufgang, die Begegnung regelbar machen soll, und sie damit, entsprechend dem Saturn im Quadrat in Haus 7, verhindert. Die Isolation bestätigend.

 

Die Vermittlung wird sich gleichsam zum Selbstzweck.

Entsprechend der Merkur als Ziel des Verbundes auf 7° Waage im  12. Haus, der die Inhalte ins Nichts führt.

Dies in Konjunktion mit Uranus und Jupiter, das Dazwischen, den Weg verdrängend. Alles soll gleichzeitig wahrnehmbar und präsent sein. Der Löwe aus Haus 10 mit der Sonne in 11 bestätigt, dass hier, in diesem Sinne, etwas Neues, zuvor nicht Dagewesenes geschaffen wird.

 

Fast zweieinhalb Jahrzehnte verblieb das Internet im Larvenstadium, als ein ausschließlich auf Universitäten und Forschungseinrichtungen beschränktes  Geflecht.

Zu Beginn der 1990er Jahre begann es den Kokon zu verlassen.

Mit dem html-Code wurde  1991 die Bedingung für international kommunizierbare Webseiten geschaffen, die nun von allen Netzen und allen Computern rezipiert werden konnten.

Das Internet hatte damit den Bereich der Universitäten verlassen und  wurde zum eigentlichen  www - zum world-wide-web.

 

Für jederman ohne Schwierigkeiten zugänglich war es freilich noch nicht. Das änderte sich im Jahre 1998, als die Suchmaschine Google aufkam, die jedem, auch  ohne Vorkenntnisse ermöglichte, durch einfache Suchanfragen triftige Ergebnisse zu erhalten. 

Erst damit wurde das Internet in rasanter Weise raumeinnehmend für das tägliche Leben.

(Zuvor hatte es noch, heute kaum nachvollziehbar, so etwas wie das staatlich geförderte Berufsangebot des Internetbrokers gegeben. Dieser sollte für Internet-Unkundige Informationen als Dienstleistung vermitteln, ähnlich wie der Börsenbroker für börsenunkundige Börsengeschäfte)

 

Im gleichen Jahr wurde in den USA die ICANN  gegründet, die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers, die alle Namen und Adressen des Netzverkehrs verwaltet. Die globale Vernetzung wurde damit institutionalisiert und standardisiert, sie wurde zum Staat. 

Das Institut wird auch als Weltregierung  des Internets bezeichnet (NZZ, 30.6.2000).

 

Im Horoskop des Arpa-Nets ist das Aufkommen von Google wie auch die Gründung der ICANN  als Auslösung von Merkur-Pluto-Jupiter-Uranus in Haus 12 sichtbar, die im Jahre 1998 nach 29-30 Jahren  im Siebener-Rhythmus über Zwillinge im achten Haus angesprochen sind.

Der Anspruch des Allwissens  und der Ortlosigkeit, des Überall- und Nirgends-Seins wird realisiert.

 

Dies ist der Grund für die zunehmende Häufigkeit der Wendung vor Ort, der man  heute bei kaum einer Nachrichtensendung in Radio oder Fernsehen entgehen kann, die zum Teil mehrere Male im selben Satz fällt. Die Wendung stammt ursprünglich aus der Bergmannssprache und bildete seine Arbeit tief unten, vor dem Ort des Kohleabbaues wieder. Das Gemeinschaftsgefühl der Menschen an der Erdoberfläche nahm sich selber als oben wahr - der Bergmann unten vor Ort.

Die Wahrnehmung der modernen Kommunikationswolke, in der sich die Medien wähnen, nicht umsonst auch Äther genannt, ist ähnlich. Man wähnt sich im Äther schwebend in der allgegenwärtigen Vernetzung - der Einzelne ist unten, jeweils nur da oder dort vor Ort.  Die Begriffe download und upload für die Datenübertragung aus dem Internet und ins Internet geben das wieder.

Die mediale Präsenz ist ortlos. Die Manie, dass ihre Organe vor Ort sind, man selber aber im Äther, muß sich stetig bestätigen.

 

Zugleich wird im Zehner-Rhythmus der MC mit der Merkur-Pluto-Charakteristik überschritten. Das Internet wurde erwachsen.

  

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Ebenfalls unter  Auslösung von  Merkur-Pluto-Jupiter-Uranus,  über Wassermann im 4. Haus, wurde, im gleichen Sinne, 26 Jahre vor dem Arpanet, im April 1943, das LSD erfunden, welches in den Jahren 1967-1970 zeitgleich mit der Entstehung des neuen Netzes und der digitalen Revolution und vom  selben Ort ausgehend, nämlich von der US-amerikanischen Westküste,  zum LSD-Kult avancierte.

Die  wechselseitige Beeinflussung, etwa von Psychedelischer Kunst und  Computerkunst sowie im digitalen Präzisionszwang, vor allem in dem Impetus, Zeit und Raum aufzulösen, ist in einschlägigen Statements, etwa von Timothy Leary und anderen Cyberaktivisten, bezeugt.

 

Es scheint, als korrespondiere im Falle des Mutterkornpilz-Derivats LSD die Signatur der geflechtartigen Ausbreitung der Pilze, die Mycel-Bildung, mit dem technologischen Impuls der digitalen Vernetzung.

 

Pilze breiten sich rhizomartig aus. Das Mycel kann strukturlose Geflechte bilden, die sich,  etwa im Falle der Halimasche, unterirdisch über Kilometer erstrecken und dabei das Aussehen von Wurzeln annehmen, Scheinwurzeln, Rhizome ohne Zentrum und ohne Richtung, Stränge bildend, sich nach allen Seiten ausbreitend. Eher wuchernd, denn wachsend.

Die Bezeichnung Netz  oder Web  für das Internet ist bildhaft. Tatsächlich stellt es aber eine Mischung dar aus einer stringenten netzbildenden Systematik einerseits und einer unstrukturierten mycel-artigen Ausbreitung andererseits.

 

Hier dürfte  die Erklärung zu finden sein, warum Spinnen unter dem Einfluß geringer LSD-Dosen einen Netzbauzwang entwickeln. Sie bauen dann Spinnennetze von nie gekannter Präzision.

So das Ergebnis des  Drogentests des Pharmakologen Peter Witt an Spinnen. 

Andere Drogen, auch das ebenfalls halizinogene Mescalin, bewirken  bei ihnen das Gegenteil. Die Netze geraten chaotisch. Mit Koffein ist die Neigung zum Chaos beim Netzbau am auffälligsten. 

 

Dies war der Grund, warum die NASA ihre Drogentest an Spinnen wieder  aufgab. Auf Menschen waren sie nicht übertragbar.

  

Es fällt auf, dass das Bild des  Rhizoms  zu Beginn der 1970er Jahre im Zuge des französischen Dekonstruktivismus zur kulturellen Metapher ausgerufen wurde.

Es sollte als Gegenmodell zu einer von den Dekonstruktivisten als hierarchisch bezeichneten Baumstruktur dienen, die sie dem tradierten Kultur-Modell attestierten.  

Die Vorstellung der Kultur als ein Rhizom stellt gleichsam die philosophische Parallele, vielleicht sogar die geistige Grundlage des Internets dar.  

Ein seltsam fatalistischer Satz findet sich dazu in dem  betreffenden Manifest der Dekonstruktivisten Deleuze und Guattari :  Der Baum und die Wurzel zeichnen ein trauriges Bild des Denkens, ... unaufhörlich, ausgehend von einer höheren Einheit .... Hydren und Medusen können wir nicht entkommen ...  (Deleuze/Guattari, Rhizom,  Merve-Verlag). 

 

Begriffe wie Urheberschaft, Einziges, Authentizität, Wahrheit  oder Identität sollten von nun an der Dekonstruktion unterzogen werden.

Das Rhizom der nachfolgenden Postmoderne blieb nicht das Einzige. Das  Internet kam auf.  

 

Mit der Einführung der Fotografie wurde die Entwicklung einer geistigen Gegenwart  verdrängt, ersetzt durch die Scheingegenwart des Schattenbildes eines Augenblicks.

Mit der Einführung des Kinos hatte die Scheingegenwart Bewegung angenommen.

Das Internet und vor allem das mobile Internet verdrängt den Augenblick und die Intuition in einem anderen, weit ausgreifenderen Ausmaß. 

 

 

                                                                                     

 

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 (C) Herbert Antonius Weiler, August 2016