Bei Spinnennetzen, gebaut unter dem Einfluß von LSD und Mescalin

wird ein Unterschied deutlich. Das Auffälligste ist die verbesserte

Exaktheit der Winkel  mit kleinen Dosen von LSD....

aus: d-Lysergsäuredietylamid (LSD 25) im Spinnentest, Peter Witt, August 1951, 

 

 

 

Leary sagt, ... "die Multimedia-Software organisiert das Hirn wie LSD... 

Die psychedelische Bewegung der sechziger Jahre und die Computer-Bewegung

sind innere und äussere Spiegelungen voneinander. ....»              NZZ, April 1992

 

Hohe,  aber weniger unfähig machende Dosen LSD hinterließen sehr komplexe dreidimensionale Netze,  die oft  auffallend psychedelisch erschienen .  Noch niedrigere LSD Dosen ließen Netze erzeugen, die zwanghaft regelmäßig waren, mit präzisem und konsistentem Abstand zwischen den Fäden

 

The Guardian, 4. 10 1971 zu den  Drogentests des Pharmakologen Peter Witt an Spinnen

 

Die Behauptung, dass  Grenzen sinnlos sind, wurde im Drogenrausch

des kalifornischen Hippietums geboren  und schuf sich mit dem Internet ein Vehikel.                                                                                          Th.Thiel, FAZ, 1. 10. 2016



               

 

LSD und Internet

 (Textauszug)

 

Das LSD wurde erfunden von dem Schweizer Chemiker Albert Hofmann.

Er hatte der Lysergsäure, dem Alkaloid des Mutterkornpilzes, eines Roggenparasiten, verschiedene synthetische Verbingungen angehängt. 

Eine davon ergab das Lysergsäurediethylamid - das LSD, welches 1938, neben einer Reihe anderer Derivate, erstmals hergestellt worden war. 

Seine Wirkung wurde jedoch erst 1943 erkannt, nachdem sich Hofmann unabsichtlich damit kontaminiert hatte und einige merkwürdige Wahrnehmungsveränderungen erfuhr. Am nächsten Tag unternahm er den ersten gezielten Selbstversuch zur psychogenen Wirkung des LSDs.

Dieser Zeitpunkt, der 19. April 1943, um 16:20 in Basel, kann damit als die Erfindung des LSDs gelten. Hofmann beschreibt in seinem Protokoll die Wahrnehmungsveränderungen und Haluzinationen, die durch das LSD hervorgerufen werden:

 

Meine Umgebung hatte sich nun in beängstigender Weise verwandelt....die vertrauten Gegenstände nahmen groteske, meist bedrohliche Formen an. Sie waren in dauernder Bewegung, wie belebt, wie von innerer Unruhe erfüllt.

Jetzt begann ich allmählich, das unerhörte Farben- und Formenspiel zu geniessen, das hinter meinen geschlossenen Augen andauerte. Kaleidoskopartig sich verändernd drangen bunte phantastische Gebilde auf mich ein, in Kreisen und Spiralen sich öffnend und wieder schliessend… das Fremdwerden der Umwelt und auch des eigenen Körpers, ebenso das Gefühl, daß ein fremdes Wesen, ein Dämon von einem Besitz ergreife, sind Merkmale des LSD-Rausches, die bei aller Verschiedenheit und Variabilität des sonstigen Erlebens in den meisten Versuchsprotokollen angeführt werden.

Schon in meinem ersten geplanten Selbstversuch habe ich ja die Besitzergreifung durch den LSD-Dämon als unheimliches Erlebnis geschildert. Angst und Schrecken packten mich dabei besonders stark, weil damals die Erfahrung, daß der Dämon sein Opfer wieder freigibt, noch nicht vorlag.

Albert Hofmann, LSD – mein Sorgenkind, dtv

 

Anwendungsmöglichkeiten der Droge, etwa in der Psychatrie, ergaben sich kaum, so dass die Entdeckung zunächst eher unspektakulär blieb.

Das änderte sich zweieinhalb Jahrzehnte später, gegen Ende der 1960er Jahre , als sich das LSD an der us-amerikanischen Westküste im Zuge der Hippie-Bewegung zur Kultdroge entwickelte,  die, mit quasireligiösem Habitus, als der Bewußtseinserweiterung dienlich, gefeiert wurde. Das LSD zählt seither zu den Mode-Drogen. (...)                        

 

                                                                                              ---                                                                                                                               

 

 

Bereits wenige Jahre nach der Entdeckung war es zu einem merkwürdigen Versuch gekommen, bei dem man LSD an Spinnen verabreicht hatte. 

Ein Zoologe hatte den Plan gefasst, Kreuzspinnen beim Netzbau zu beobachten. Schwierigkeiten machte es ihm dabei, sein Schlafbedürfnis und die Gewohnheit der Spinnen, sich nur nachts dem Netzbau zu widmen, in Übereinstimmung zu bringen.

 

Bei einem Freund, dem Pharmakologen Peter Witt, fragte er an, ob er nicht ein Mittel zur Hand habe, um die Spinnen anzuregen, ihre Bautätigkeit auf den Tag auszudehnen.

Der verabreichte den Arachniden daraufhin Koffein. Die Wirkung war unerwartet fatal, die Spinnen verloren jegliche Disziplin und Kontrolle beim Netzbau. Sie produzierten völlig chaotische, zusammenhanglose Gebilde.  

Diese frappierende Wirkung, der beim Menschen eher harmlosen Droge, verleitete den Pharmakologen nunmehr eine Reihe weiterer Drogen an den Spinnen auszuprobieren. Alle hatten mehr oder weniger eine Störung der Netzbaufähigkeit zur Folge, bis auf eine - das LSD.

 

Im Unterschied zu allen anderen Drogen, die man, in Zuckerwasser gelöst, den Spinnen gab, hatte LSD die Wirkung einer erstaunlich gesteigerten Präzision beim Netzbau, bis hin zu einem Perfektionszwang, der die Netze schließlich nicht mehr fertig werden ließ.

In einem Resümee seiner Versuche von 1948 hob Peter Witt im Guardian dreiundzwanzig Jahre später die Ähnlichkeit dieser Netze mit psychedelischen Mustern hervor.

  

Denn ein daran erinnernder, durchaus ähnlich versponnener Perfektionszwang hatte sich mittlerweile in der Psychedlischen Kunst entwickelt, einer neuen, auf halluzinogene Drogen zurückgreifende Kunstrichtung, die im Zuge des LSD-Kults an der us-amerikanischen Westküste entstanden war. Mit ihren detailistisch-ornamentalen, teils kaleidoskopartigen Strukuren wurde sie stilprägend für die nachfolgenden Jahre. 

 

Strukturell ähnlich auch der digitalen Eroberung und Vernetzung, 

die ebenfalls von der US-amerikanischen Westküste aus und zur gleichen Zeit ihre entscheidenden Impulse erfuhr,  die sich teils aus den Reihen der Hippie-Bewegung entwickelte hatte und die von einem der Protagonisten des LSD-Kults, Timothy Leary, als  neues, besseres LSD  bezeichnet wurde. 

Eine Entsprechung zum Perfektionszwang der Kreuzspinnen unter der Einwirkung des halb-synthetischen Mutterkorn-Derivats ist unverkennbar.

 

 

Der Aszendent des Zeitpunkts der LSD-Erfindung befindet sich auf 26° Jungfrau und der MC auf 25° Zwillinge.

Der Aufgang  auf liegt damit auf einem  Venus-Neptun-Punkt  und gibt insofern, im Sinne des homöopathischen Bildes des Secale Cornutums, das Mutterkorn als Ausgangs-Material wieder.

 

 

Der MC auf 25° Zwillinge mit der Merkur-Neptun-Charakteristik, entspricht damit dem Ergebnis einer Wahrnehmungsbetäubung und -veränderung verbunden mit einer nicht fassbaren Befremdung, entsprechend dem Erfahrungsprotokoll des Entdeckers.

(Punkte nach der Münchener Rhythmenlehre)

 

Die Sonne steht im achten Haus auf 29,5°  Widder im Ausgangszeichen des Verbundes. Der Tierkreisbeginn mit 0° Widder im siebten Haus deutet einen Wechsel, eine Veränderung im (öffentlichen) Bewußtsein an. 

 

Mars auf 1,5° Fischen im 6. Haus gibt dabei an, dass es um eine Einwirkung auf die Wahr-nehmung geht. Der Herrscher Neptun auf dem Kardinalpunkt 0° Waage im ersten Haus macht fest, dass es um die Wahrnehmung der Gegenwart als konkrete Erscheinung geht (...)

 

(...) Venus-Uranus gibt an, dass die Entstehung von Peripherie und Mitte, von Innen und Aussen, zurückgenommen  ist. Es kann weder Zeit noch Raum entstehen.

Das Aussen ist kein wirkliches Aussen, kein Gegenüber, keine Gegenwart, es ist ein Film, oder eine Sinnestäuschung.

 

Die Ritualisierung dessen geschieht im Siebener-Rhythmus bei der Auslösung von Merkur-Uranus-Saturn im neunten Haus, 24 bis 25 Jahren nach dem Ereignis.

 

Das war, als um das Jahr 1967 das LSD zur quasireligiösen Kultdroge der Flower-Power-Bewegung avancierte - es ging das Schlagwort vom LSD-Sakrament -   und es damit, am Schwingungsknoten einer Epoche, gleichsam öffentlich bestimmend wurde. 

(1967 - Epochenwechsel, Übergang  0°Krebs / Münchner Rhythmenlehre)

 

Verstärkt wird die Aussage durch den Neptun im ersten Haus auf  0° Waage. Als im Horoskop nicht zugelassener Neptun wird er konkrete Erscheinung, indem er, als Herrscher von Haus 7 und Haus 6 die Gegenwart der Begegnung auflöst - einschließlich der Wahrnehmung.

 

Damit empfängt die  Wahrnehmung Bilder, die nicht nur keine Gegenwart haben, wie etwa beim Betrachten eines Films (W. Döbereiner, Seminare Band 19, S. 401),  sondern die Wahrnehmung selber ist gegenwartlos geworden, sie wird selber zum Film - als Ganzes überlagert von gegenwarts-losen Eindrücken, indem das zeitlos Gebliebene  ohne Gestalt an die Stelle der Gegenwart tritt.

 

Die kultivierte Halluzination, wie sie sich in der LSD-Kultur entwickelte,  relativiert die Wahrnehmung der Gegenwart in grundlegender Weise. Und damit auch die Wirklichkeit der Begegnung.

Die Folge des nicht zum Ursprung gebrachten Neptun  auf 0° Waage ist die Auflösung der Begegnung, die Isolation des Einzelnen im vernetzten Kollektiv, sich in Scheinbegegnungen spiegelnd. 

                                                                                                ...

 

Im Horoskop der LSD-Entdeckung findet sich die Etablierung des Internets als Auslösung des Neptuns auf dem Kardinalpunkt 0° Waage, herrschend über Haus sechs und sieben . 

Das ist die Auflösung der Gegenwart der Begegnung einschließlich der Wahrnehmung durch eine illusionistische Scheinwahrnehmung und Scheinbegegnung.

Da Neptun Herrscher von sechs und sieben ist, sind es nicht nur gegenwartslose Bilder, sondern die gesamte Wahrnehmung wird gegenwartslos, was die drogenbewirkte Halluzination anzeigt, aber auch die Entwicklung der gesteuerten, digitalen, virtuellen Halluzination -  die Simulation (...)

Dementsprechend entwickelte sich in jüngster Zeit das microdosing, die Einnahme geringer Mengen  von LSD den Tag über zur Stimulation, etwa anstelle von Kaffee, in der Startup-Szene des Silicon Valleys.

 

 

 

(...) Der Neptun wird zweimal im Abstand von sieben Jahren ausgelöst, jeweils sechs Jahre nach Phasenbeginn. Einmal  48 Jahre nach der LSD-Entdeckung, beim Durchgang des sechsten Hauses,  und ein zweites Mal 55 Jahren nach dem Ereignis, beim Durchlauf des fünften Hauses.

Bei der ersten Auslösung, 1991, aus dem Haus Sechs heraus, und damit die Bedingungen betreffend, wurde das World-Wide-Web begründet. 

(das www. - durch den Informatiker Tim Berners-Lee am 6. August 1991 am CERN in Genf,  der mit dem html-Code die Bedingungen für international kommunizierbare Webseiten geschaffen hatte. Ein erstes Netz war  bereits 1969 an der Westküste entstanden, das ARPA-Net,  welches vier Universitäten verband und aus dem sich später das Internet, in einer zunächst auf Universitäten begrenzten Form, entwickelte, im Horoskop der LSD-Erfindung ebenfalls unter Auslösung von Merkur-Uranus-Saturn im neunten Hause.)

 

Bei der zweiten Auslösung des Neptun im Jahre 1998, also 55 Jahre nach dem Ereignis, kam es dann zum (privaten) Durchbruch des Internets in seiner Zuständigkeit für das  Leben des Einzelnen, entsprechend der Auslösung aus dem fünften Haus: 

Im Herbst des Jahres 1998  wurde die ICANN  gegründet (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers), die, ebenfalls mit Sitz an der us-amerikanischen Westküste, nahe bei Los Angeles, die Namen und Adressen des Netzverkehrs verwaltet. Die globale Vernetzung wurde erst in Form der ICANN  institutionalisiert und standardisiert. Das Institut wird auch als Weltregierung des Internets bezeichnet (NZZ, 30.6.2000).

Wesentlicher noch ist allerdings das Aufkommen von  Google, ebenfalls mit Firmensitz an der Westküste und ebenfalls im Herbst des Jahres 1998.

Erst mit der Suchmaschine Google, die schneller und einfacher, und von jedem zu handhaben war,  wurde das Netz tatsächlich alltagszuständig.

Der Konzern stellt heute die technokratische Weltmacht schlechthin dar (...) 

  

(...) Die von gegenwartslosen Bildern okkupierte Begegnung und Wahrnehmung führt zum Verlust der Gewissheit der Begegnung und Wahrnehmung schlechthin. Das wird zum Thema. 

 

So in Fassbinders Welt am Draht, ein Film über ein Computerprogramm mit simulierten Identitäten in einer simulierten Welt. Der  Programmierer findet heraus, dass auch er und seine Welt nur Simulationen sind.  Durch einen Austausch erwacht er zum Schluß im Körper seines Programmierers, der die Simulation seiner Existenz erschaffen hatte.  Am Ende bleibt die Frage, ob dies nun die wirkliche Welt sei oder nicht.

Der Film  wurde gedreht  im Frühjahr 1973, mit der Merkur-Auslösung im 8. Haus als Herrscher des MCs im LSD-Horoskop  (...)

                                                                               

                                                                                 

 

Das Rhizom

 

Zwar wird das Internet als Netz bezeichnet oder Web genannt und auch die Assoziation zum Spinnennetz ist präsent,  etwa wenn Suchmaschinen Spider oderWebcrawler heißen, aber in der Erscheinung seiner Ausbreitung ähnelt das digitale Netz dem Mycel der Pilze, dem rhizomartigen Geflecht, durch das sich Pilze hauptsächlich verbreiten. (tatsächlich war die Dezentralität und Asymetrie die Intention des ARPA-Nets von 1969, weil Kommunikationssysteme auf diese Weise gegen Ausfälle immunisiert werden sollten)

 

Der parasitäre Pilz, wie auch das Mycel des Pilzes schlechthin, steht in seiner Signatur für das Geflecht. Im Unterschied zum gewachsenen Baum als Gestalt.

Ähnlich wie im somatischen Bereich das annähernd zur gleichen Zeit entdeckte, aus einem Schimmelpilz entwickelte Antibiotikum Penicillin vor den Ursprung verdrängt (Wolfgang Döbereiner), wirkt das aus dem Mutterkorngewonnene LSD auf psychischer Ebene, in dem es die Zeit und den Raum neutralisiert.

 

Möglicherweise ist es der Trieb, sich über Rhizome und Geflechte zu verbreiten,  die dem  Pilz innewohnt,  der bei der Verabreichung  von LSD an Spinnen den eigenartigen Netzbauzwang bewirkt. Unter den Drogen, die man den Spinnen verabreichte, entstammte nur das LSD einem Pilz-Parasiten.

Tatsächlich korrespondieren beim Internet eine stringente Netz-Systematik mit einer wuchernden, mycel-artigen Ausbreitung.

 

Kennzeichnenderweise wurde das Bild des Rhizoms zu Beginn der 1970er Jahre von den französischen Dekonstruktivisten als kulturelle Gegenmetapher ausgerufen, zu einer, von ihnen als hierarchisch bezeichneten Baumstruktur.  

 

Diese, die Postmoderne einleitende Vorstellung stellt gleichsam die philosophische Parallele, vielleicht sogar die geistige Grundlage des Internets dar.  

Bemerkenswert ist in diesem Sinne ein seltsam fatalistischer Satz aus dem betreffenden Manifest von Deleuze und Guattari:  

Der Baum und die Wurzel zeichnen ein trauriges Bild des Denkens, ... unaufhörlich, ausgehend von einer höheren Einheit .... Hydren und Medusen können wir nicht entkommen ...  

Deleuze/Guattari, Rhizom,  Merve-Verlag

 

Urheberschaft, Einzigkeit, Anfang, Authentizität, Wahrheit oder Lüge haben im kulturellen Rhizom der Postmoderne keine Bedeutung  mehr. Alles soll stetig wuchernd  von allem abzweigen

(...)

Textauszug

 

 

 (C) Herbert Antonius Weiler  2016

 


 

Der gesamte Essay findet sich in dem Buch: 

Sterndeuter aus dem Osten

Essays und astrologische Betrachtungen

 

 

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