US-Verfassung, Trump und Locke

 

 

 

Die Wahl des Donald Trump zum Präsidenten der Vereingten Staaten im Dezember 2016 ist nicht der Sonderfall in der Geschichte eines Staatswesens, als der er gerne dargestellt wird. Vielmehr verdeutlicht er in einem Staat, in dem die Massenmedien eine bestimmende Rolle einnehmen, die Konsequenz des Internets.

Die vordem nur passiv als Empfänger an der medialen Verbreitung beteiligte soziale Masse wird mit dem digitalen Geflecht der sozialen Netzwerke zum aktiven Verbreiter und auch zum Ersteller von Nachrichten. (Eingeholt wird diese Entwicklung indes durch automatisierte Wortmeldungen. So kam, einer Studie zufolge, ein Fünftel der Debatte durch bots zustande. Der Wahlkampf 2016 sei hierin ein Wendepunkt gewesen)

So basiert Trumps Aufstieg nicht zuletzt auf dem Einsatz des Nachrichtenportals twitter, mit dem er die tradierten Medien vorführte und ihre Stellung als vierte Gewalt entmachten konnte. 

Seine demonstrative Missachtung der juristischen Institutionen, politischen Regelungen und Vereinbarungen sind zum eigentlichen Kennzeichen seiner bisherigen Präsidentschaft geworden. Sein engster Berater Bannon kündigte die Dekonstruktion des Staates an.

Ein amerikanischer Autor äußerte im Interview zur Lage, schon Trumps Kandidatur sei nicht ernst gemeint gewesen, sondern eher als PR-Gag gedacht. Zu den Motiven seiner Wählerschaft meint er: Und sie mögen sein Motto, dass er sich nicht um irgendjemanden oder irgendetwas schert. Ich glaube sogar, dass er nicht einmal Präsident sein wollte. Ich denke, es war eine Überraschung für ihn, dass er gewonnen hat, und jetzt langweilt es ihn. 19.12.2016 FAZ, T.C. Boyle

Mit 29° Löwe am Aufgang und der Sonne im Zeichen Zwillinge in Haus 10, dessen Planet in Haus 11 im Krebs steht, geht es bei Trump um den Konflikt des Lebens des Einzelnen mit den Regelungen der Gemeinschaft. Diese sollen mit dem Merkur in 11 aufgehoben und ad absurdum geführt werden.

Mit der Sonne-Uruanus-Konjunktion im Zeichen Zwillinge in Haus Zehn - als Staatspräsident im Bereich der Regelungen verbleibend -  wird sich mit pompöser, zugleich trotzig demonstrativer Gebärde über diese hinweggesetzt. 

 

Trumps Widerstand gegen staatliche Regelungen gibt, so T.C. Boyle, das Motiv seines Klientels wieder. Es ist der Grund, warum er gewählt wurde. Ähnlich wie schon zuvor der Ausstieg Englands aus der Europäischen Union, gleichermaßen von den Medien unerwartet und durchaus in Entsprechung zu Trumps Wahlerfolg wahrgenommen, vom Widerstand gegen eine euro-staatliche Bevormundung getragen war.

 

Das Zeichen Löwe beherrscht in Trumps Horoskop im Uhrzeigersinn das 12. und 11. Haus, Wassermann regiert Haus Sechs und Sieben.

Bei einem Aufgang im Löwen geht das Zeichen Fische ins 8. Haus. Damit ist eine Situation gegeben, in der die Lösung von vorgegebenen ideologischen Voraussetzungen gefordert ist, um mit dem Wassermann der nach Haus Sieben geht, die Unabhängigkeit des Einzelnen und die Ursprünglichkeit des Lebens Gegenwart werden zu lassen.

 

Beherrscht das Zeichen Löwe am Aszendenten zugleich noch das 12. Haus und damit die Bewegung von Haus Zwölf nach Elf so zeigt dies an, dass die vorgegebene Situation eines ungeschehenen verdrängten Lebens eine übergeordnete, zivilisatorische und gesamtgesellschaftliche Prägung darstellt. Das ungeschehene Leben in der Technokratie.

Im Gegenüber, mit dem Wassermann als Herrscher von Haus Sechs und Deszendent, ist es die verdrängte Ursprünglichkeit der Begegnung, die Gegenwart werden will, der Augenblick, die Gestalt, die durch die Umstände und Merkmale ersetzt wurde.

Mit den Herrschern von Haus eins und sieben in Konjuktion in Haus zehn soll dies bei Trump zur Bestimmung werden.

Trump hingegen ersetzt den verloren gegangenen Ursprung durch vermeintliche Rückbesinnung, durch die kollektiven Spiegelungen und Zerrbilder des Untergegangenen - make Amerika great again. 

Das ungeschehene Leben des 12. Hauses wird zum again, zum roll back. Es ist durch Zeichen ersetzt. 

In dem Falle hat der Wolf Rotkäppchens Großmutter gefressen und sich mit Haube und Brille in ihr Bett gelegt.

Die Häuserbesetzung gibt an, dass im Sinne der Lösung von der vorgegebenen Verdrängungssituation aus dem Nichts zu schöpfen ist und ein Neuanfang gefordert ist.

Trump bringt diesen Anfang nicht hervor, sondern verbleibt im System. Bei Sonne-Uranus im 10. Haus eines Staatspräsidenten ist es die Entscheidung zwischen schöpferisch und manisch..

 

 

Bezogen auf die Stellung des Zeichens Wassermann geht es bei einer derartigen Häuserstellung um die Wahrnehmung des Menschen als Gegenüber. 

So beispielhaft bei Edouard Manet Astrologisch definierbare Verhaltensweisen in der Malerei/W. Döbereiner, der mit der Sonne im Wassermann den gleichen Aszendenten hat. Manet, der als einer der Wegbereiter der neuen Malerei gilt, gab den Impuls, die Malerei aus den Vorgaben der klassizistischen Klischees zu lösen. In seinen Bildern geht es um die Gegenwart des Lebens.

 

Bei Trump macht sich der gemeinsame Herrscher von Haus Sechs und Sieben bemerkbar, indem er zwischen seinen finanziellen Belangen, familiären Bindungen und seinem Amt offenbar nicht zu trennen gewillt ist.

Ein weiterer Aspekt dieser Häuserstellung ist der Einschluss des Zeichens Steinbock im 5. Haus, der damit dem Schützen untertan ist. Der Saturn ist okkupiert. Im Sinne der Jupiter-Saturn-Verbindung ist das Thema der geforderten Trennung von den Vorgaben des Milieus, von derVorstellung der Mütter, um der Bestimmung willen, bereits in der Stellung der Häuser gegeben.

 

Unter der Auslösung des Jupiter im 2. Haus, im Quadrat zum Saturn in 11, wurde Trump 0,7 Jahre nach seinem 70. Geburtstag zum Präsidenten gekürt. Der Saturn ist mit 1,68 Jahren nach Phasenbeginn fällig. Das ist etwa ein  Jahr nach Amtsantritt. Er könnte dann, mit Venus-Saturn, entscheidend in die Pflicht genommen  und eingeschränkt, sogar entmachtet werden.

 

Als Fremdling im politischen Geschäft wahrgenommen und ohnehin als solcher von den Medien deklariert, läuft er in der gegenwärtigen 7-Jahres-Phase 3,8 Jahre nach Phasenbeginn über den Neptun in Haus 2, der im Quadrat zum Merkur in 11 steht.  Dieser löst sich mit  5,3 Jahren nach dem siebzigsten Geburtstag aus - im zeitlichen Orbis der nächsten anstehenden US-Wahlen. Für Trump steht spätestens dann ein Abschied vom staatlichen Kollektiv an.

 

Trumps Präsenz verdeutlicht eine grundsätzliche Problematik im Selbstverständnis der USA.

 

 

 

 

 

Die Wahrnehmung als Bestimmendes

in der US-amerikanischen Verfassung

 

 

Ein wesentlicher Einfluss auf die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika ging von der Staatstheorie des englischen Nominalisten John Locke aus.  

Locke postulierte die Annahme eines Naturrechts, dem universelle Gültigkeit zukomme. So habe jeder Mensch das Recht auf Leben, auf Freiheit sowie Besitz und körperliche Unversehrtheit. Die Aufgabe, dieses Recht der Individuen zu schaffen und zu erhalten, habe der Staat, der sich aus dieser Notwendigkeit  konstituiere.  

 

Lockes Staatstheorie trug zur Englischen Revolution von 1688/89 bei, der die Schreckensherrschaft des Oliver Cromwell folgte, auf den Locke eine Lobeshymne verfasste.

Auch die Vordenker der Französischen Revolution von 1789, an die sich die Terrorherrschaft des Wohlfahrtsausschusses anschloss, beriefen sich auf Lockes Naturrechtsdefinition. So Rousseau mit dem programmatischen Satz Der Mensch ist frei geboren und liegt in Ketten, der zur Parole wurde.

 

Im Unterschied zu Thomas Hobbes, der die absolute staatliche Zentralgewalt, den Leviathan, forderte, um den Frieden zu garantieren, entwickelte Locke den Gedanken der Gewaltenteilung in Form unabhängiger Gerichte, denen gegenüber sich auch die Führung des Staates zu verantworten habe.

Das Rechtskonstrukt, geboren aus der Vereinbarung allen Menschen die gleichen Rechte zuzugestehen, wird auf diese Weise zu einer abstrakten, höchsten Instanz des Gemeinwesens. Weder Cromwell, noch die Jakobiner hielten sich daran und auch die Verlautbarer der amerikanischen Verfassung sahen keinen Widerspruch darin, Indianer, Farbige und zunächst auch Frauen und Besitzlose von der Zusicherung dieser grundlegenden Rechte auszunehmen.

 

Bei Locke ist der Leviathan entpersonalisiert. Eine Erklärung zum Verhältnis von Lockes liberalistisch anmutender Staatstheorie und der gesellschaftlichen Wirklichkeit ihrer Anwendung lässt sich in seiner Erkenntnistheorie finden, die den anderen wesentlichen Teil seines Werks darstellt.

Ähnlich seinen nominalistischen Vordenkern lehnte Locke eine Wirklichkeit der Ideen ab. Die Wahrnehmung sei der Ideenbildung vorausgesetzt: Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen gewesen ist. Damit formulierte er den Kern der nominalistischen Philosophie, der zufolge die Begriffsbildung lediglich menschliche Namensgebung ist. Zwar seien darin wesentliche Merkmale der Dinge erfasst, allein sei dieses Wesentliche menschliches Dazutun, das nicht in  den Dingen enthalten sei. 

Mit dieser Sicht ersetzt der Nominalismus die Gestalt durch ihre Merkmale, deren Wahrnehmung als das Bestimmende der Gestalt betrachtet wird.

 

Ein Wesen der Dinge, welches im Erkennen des Menschen anwesend wird, sei nicht vorauszusetzen. Vielmehr sei die Seele ein weißes Blatt Papier Locke, auf dem die Wahrnehmungen zu Begriffen geordnet und zugeordnet werden. 

Die wahrzunehmenden Merkmale einer Rose würden der Rose zugeordnet und die des Tisches dem Tisch. Auf diese Weise entstünde eine Idee der Rose oder des Tisches. 

 

Die Entstehung eines Begriffsbildes der Rose, hervorgehend aus einem angenommenen Chaos der Sinneseindrücke, setzt jedoch schon ein bewirkendes Urbild der Rose voraus, das der Zuordnung zugrunde liegt. Zordnung setzt bereits Systematik voraus, nach der zugeordnet wird.

Bei Locke soll das System erst das Ergebnis seiner kognitiven Organisation sein: Die Wahrnehmungseindrücke sollen sich auf ein System hin ordnen, das zugleich aus ihnen hervorgehen soll. 

Ein teleologischer Zirkelschluß ähnlich dem, der späteren These von der Chemischen Evolution: die Annahme, bestimmte Molekülketten hätten sich zu einem selbsterhaltenden System organisiert - das wiederum die Folge seiner eigenen Organisation sein soll, ein moleküle-organisierendes Subjekt oder System als Bewirkendes - bevor es entstanden sein soll.   (Urknall >>)

Auch Locke ignoriert, dass bei einer kognitiven Organisation der Sinneindrücke, die zur Wahrnehmung der Dinge führen soll, diese bereits als orientierendes System vorausgesetzt ist.

 

Der im Zeichen Jungfrau, am 29. August 1632 geborene Locke deklariert damit die Wahrnehmung als das Bestimmende.

Die Gestalt als in der Wahrnehmung Erscheinendes ist ausgeschlossen.

Das Subjekt bleibt ungeöffnet, in sich selbst kreisend, indem die Wahrnehmung, gleichsam auf sich selbst bezogen, bestimmend wird. Schon bei Bacon angelegt, der die Erkenntnis als Erkenntnis des Nutzens definierte, gerät hier die Erhaltung des Subjekts zur Regelung, ohne Gegenüber, ohne Beziehung zum Nächsten, ohne dass der Andere als Person erkannt und zugelassen ist.

Tatsächlich entwickelt sich hier der Utilitarismus zum Maßstab. 

Dies ist es, was in der Häuserstellung des Donald Trump, mit dem Wassermann als Herrscher von Haus Sieben und Sechs, zur Krise drängt.

 

 

In einem Staat, der nach Lockes Staatstheorie eine Funktion der Vernunft darstellt, ist die Freiheit des Einzelnen definiert durch die Einsicht in die Notwendigkeit, wie es der ebenfalls im Zeichen Jungfrau geborene Hegel artikulierte. 

Das Gemeinwesen wird nicht von der Beziehung der Individuen getragen, sondern von der Notwendigkeit der pragmatischen Übereinkunft.

Wird diese zu Instituition erklärt, muß sie zum Selbstläufer werden. 

 

 

Im Horoskop der Vollendung der Verfassung der USA, die von Lockes Staatstheorie beeinflusst ist, steht das Zeichen Jungfrau auf der Mittagshöhe.(Quelle >> )

Die Wahrnehmung soll bestimmend sein. Der Merkur  im 9. Haus, als Mitherrscher von Haus 7, kennzeichnet, mit Schütze am Aufgang und Jupiter-Mars im 7. Haus, die Expansion nach Westen, die offenbar eine Grundlage des Selbstverständnisses bildet. Neben der Ablehnung der Besteuerung soll ein nicht unwichtiges Motiv der Amerikanischen Revolution gegen die britische Krone die Aufhebung der Beschränkung der kolonialen Grenz-verschiebung nach Westen gewesen sein, die der englische König zum Schutz der Urbevölkerung festgeschrieben hatte.

Freilich bleibt das Selbstverständnis der Expansion auch nach Erreichen der pazifischen Küste erhalten. 

 

Der Aszendent auf 2° Schütze, mit der Charakteristik von Merkur-Saturn /Merkur-Pluto (MRL) bestätigt die Aussage der Wahrnehmung die als Bestimmendes gilt.

So auch das, in seiner Saturn-Merkur-Charakteristik bemerkenswerte Resümee Benjamin Franklins:  

Es gibt mehrere Teile dieser Verfassung, die ich derzeit nicht billige, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich sie niemals genehmigen werde ... ich erwarte keine bessere und weil ich nicht sicher bin, dass sie nicht das Beste ist.

 

Der Mond am Aszendenten im Schützen, vom Verbundsführer Krebs aus Haus 8 kommend, gibt dem ersten Satz der Verkündung wieder: Wir, das Volk der Vereinigten Staaten, von der Absicht geleitet, unseren Bund zu vervollkommnen, ...

 

Seit 1983 ist im Fügungsrhythmus der Münchner Rhythmenlehre mit 49 Jahren pro Haus das achte Haus unter der Herrschaft des Zeichens Löwe aktuell. Derzeit, im Jahre 2017 sind mit 34 Jahren etwas mehr als zwei Drittel (0,69) der Phase vergangen. Die Unvereinbarkeit, wie sie in der Präsidenschaft Trumps zum Ausdruck kommt, zeichnet sich anhand der Auslösung des Saturn über den Uranus ab, als Rückseite von Venus-Merkur am MC. 

 

Einer der Kritiker Lockes, wie auch der Franzöischen Aufklärung und Revolution, Joseph de Maistre, den jüngst der Autor Michel Houellebecq zitierte > glaubte nicht an die Freiheit des Einzelnen in einem Staat, der auf der Grundlage eines subjektivistischen Pragmatismus basiert. Er prognostizierte einen Zwang dem der Einzelne ausgesetzt sei, wenn der Rationalismus zum Imperativ des Kollektivs würde, nicht geringer als in der von ihm verteidigten Monarchie, sondern letztlich rigider; einen Sachzwang der Verwaltungsorgane und eine Herrschaft der Meinungsmedien,

 

Demokratie hielt er nur in Verbänden für möglich, in denen mehr oder weniger jeder einen jeden persönlich kennt und daher weiß, mit wem er es zu tun hat. Politisch-ideologische Heilsverkünder und Charismatiker können hierbei kaum gedeihen.  

Ein gewachsenes, föderalistisches Gemeinwesen, ein Verband aus Verbänden,  wie er bei der Entstehung der Demokratie in der griechischen Polis bestand, könnte dies eher gewährleisten. 

 

Möglicherweise ist dies der Grund, warum das isländische Althing das älteste bestehende Parlament darstellt: bei einer Landesbevölkerung deren Zahl heute die einer kleineren deutschen Großstadt nicht übersteigt, ist das politische Geschehen weitgehend von der persönlichen Bekanntschaft getragen. 

 

Der österreichische Schriftsteller Josph Roth setzte sich in den 1930er Jahren aus ähnlichen Gründen für die Wiedereinführung der Monarchie unter Otto von Habsburg ein. Eine Monarchie erschien ihm eher als eine Republik immun gegen den Nationalsozialismus zu sein und in der Lage, den gefürchteten Anschluß Österreichs an den deutschen NS-Staat abzuwenden.

 

 

 

 

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(C) Herbert Antonius Weiler,  Februar 2017