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Essays und Betrachtungen 


 

Wie der Nibelungenhort 

zum Bayer-Konzern wurde

 

 

 

Der Name der Nibelungen verweist auf ihre Herkunft aus dem Nebel. Niflheim wurde in der germanischen Mythologie das Reich des Nebels und des Dunkels im Norden genannt.

Im Nebel sind die Grenzen der Elemente aufgelöst, Wasser und Luft nicht getrennt. Eine Teilung ist nicht vollzogen und steht noch bevor.  

In der mittelalterlichen Tafelmalerei bildete das Blattgold den Hintergrund, den Goldgrund. Es stand für den Himmel, geschaut als das Wirkende aller Erscheinung, strömendes Gold. Quelle des Lichts.  Das Licht strömt, es fließt. Im Rheinland nennt man eine spärliche Beleuchtung en drüh Leecht – ein trockenes Licht.

 

Der König der Nibelungen, Herrscher eines Reiches von Zwergen und Riesen, hinterlässt seinen beiden Söhnen den Nibelungenschatz.  

 

Was hat es mit der Teilung des Schatzes auf sich, die weder den beiden Söhnen noch Siegfried gelingt?

Warum war der Schatz, obschon als konkrete, zählbare Menge angegeben, nicht aufzuteilen? 

 

 

Der Nibelungenschatz befindet sich in einem Berg, er gehört dem Unsichtbaren an. Zugleich deutet der Umstand, dass die beiden Brüder ihn nicht zu teilen vermochten und Siegfried auch nicht, auf ein Geheimnis immaterieller Art hin, für das der Schatz steht oder das mit ihm verbunden ist. 

 

Das Gold, als Metall astrologisch der Sonne zugeordnet, ist festgewordenes Licht. Das hebräische Wort für Licht – Or    אור erscheint im lateinischen Aurum - Gold. Das deutsche Wort ist verwandt mit Glut.

Zu den Eigenschaften des Goldes gehört, dass es mit gewöhnlichen Mitteln chemisch nicht teilbar ist. Säuren können ihm nichts anhaben, anders als dem Eisen, das sich im Wetter zu Rost umwandelt, oder dem Kupfer, das zu Grünspan wird. Nur das Königswasser, eine Mischung aus drei Teilen Salzsäure und einem Teil Salpetersäure, vermag Gold aufzulösen. In der Alchemie wurde es als der Grüne Löwe dargestellt, der in die Sonne beißt. 

Wie mit dem Licht ist mit dem Gold ein Strahlen und Fließen verbunden. Im sakralen Bereich ließ es das Heilige erstrahlen und einst garantierte es Wert und Fluss des Geldes.

Im Horten liegt der Fluch des Goldes.

Das Gold im Fluss ist das Rheingold.  Der Rhein bereinigt, indem der gehortete Schatz dem Strom überantwortet wird.

Dies ist eines der Themen der Nibelungensage. 

Das Gold der Nibelungen, aus dem Nebelreich hervorgehend, ist das fließende Licht der goldenen Morgenröte, die den Nebel teilt. 

 

Die Söhne Nibelungs vermögen es nicht zu teilen, weil sie es horten wollen. Als Gehortetes aber kann es nicht fließen. (...)

 

 

 

 

Wie der Bayer-Konzern und sein Standort in Leverkusen mit dieser Thematik verknüpft ist, bildet den Gegenstand der titelgebenden Betrachtung.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die These, nach der es sich bei dem Fluß Duna, an dessen Rheinmündung die Nibelungen laut der Thidrek-Saga den Rhein überqueren, um die heutige Dhünn handelt, geht auf den Nibelungenforscher Heinz Ritter-Schaumburg zurück.

Er macht geltend, die Thidrek-Sage sei die authentischere, dem ursprünglichen Stoff der Sage näherstehende Schrift. Darin folgt er einem Hinweis Rudolf Steiners, wonach die altnordische Version erst den Hintergrund für das Verständnis des deutschen Nibelungenliedes liefert, vor allem hinsichtlich der unterschiedlichen Rolle und Bedeutung Brunhilds.