Auch der kleinste technische Arbeitsvorgang verbraucht mehr an Kraft, als er hervorbringt ... Die Technik schafft keinen neuen Reichtum, sie baut den vorhandenen ab ... Jenem Gefühl eines metaphysischen Hungers, das uns beim Anblick der Maschine ergreift, entspricht der physische Hunger: Die Nahrung wird knapper.

aus: 

Die Perfektion der Technik /  Friedrich Georg Jünger



Der Raum der Technik

 

-  Der Gedanke eines vorausgesetzten Raum und einer  vorausgesetzten Zeit bildet eine grundlegende Vorstellung der modernen Naturwissenschaft. Dies auch, wenn Raum und Zeit im Zuge der Relativitätstheorie keine absolute Bezugsgröße mehr haben. Die Annahme impliziert letztlich einen Raum und eine Zeit, die vor den Dingen und Ereignissen existieren. Ein solcher Raum- und Zeitbegriff hebt sich jedoch auf, da ein Raum ohne Inhalt nicht denkbar ist. Es wäre die Ausdehnung einer Ausdehnung. Ebenso eine Zeit ohne Ereignisse. Es wäre die Dauer einer Dauer.

Der Raum ist nicht voraussetzbar. Er ergibt sich aus der Urdistanz Martin Buber von Ich und Du. Aus der Beziehung zum Gegenüber und damit, ebenso wie die Zeit, aus der Gestalt des Gewachsenen, 

 

- Es stellt sich die Frage, wie es sich mit den Dingen verhält, die nicht gewachsen sind, nicht als Gegenüber begriffen, vielmehr allein zweckbestimmt sind? Die keine Zeit haben und doch andauern und Raum  einnehmen?

 

- Sie müssen vom Raum und der Zeit der anderen, der gewachsenen Dinge existieren, diese verbrauchend.

 

- Das ist der Hunger, von dem Friedrich Georg Jünger schreibt, den die Technik hinterlässt. Sie schafft Enge.

 

- Tatsächlich wird der Raum enger, die Zeit knapper.

Waschmaschinen werden hergestellt, um Zeit zu sparen. Aber die Zeit, die mit oder vielmehr für das Waschen verbracht wird, und die Menge der Wäsche und der Kleidung, die produziert wird, scheinen zuzunehmen, seit es Waschmaschinen gibt. Der Hunger ist nicht zu sättigen.

 

- Ein Zimmer, in dem ein gutes Möbelstück steht, wird größer. Die Gestalt schafft den Raum des Gegenübers. Auch ein Hof, in dem ein Baum steht, wirkt größer und weiter. Jeder kennt die Erfahrung beim Umzug, wenn man sich wundert, wie klein die leergeräumte Wohnung erscheint, obwohl doch wegen der fehlenden Möbel mehr Platz sein sollte.

 

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(C) Herbert Antonius Weiler, Juli, 2015