Das Welken der Eschen

 

 

- Zu Anfang der 1990er Jahre begann in Europa das Welken der Eschen. Ein vermutlich aus Asien stammender Pilz, Chalara Fraxinea, lässt seither vielerorts den Eschenbaum verdorren.

 

- Der Pilz, so heißt es, sei eine ungeschlechtliche Nebenfruchtform des Falschen Weißen Stängelbecherchens, Hymenoscyphus pseudoalbidus. Das Falsche Weiße Stängelbecherchen wird es im Unterschied zum richtigen Weißen Stengelbecherchen genannt, das in harmloser Symbiose mit dem Baum lebt. Man hatte es zunächst verwechselt.

 

Chalara fraxinea lebt, nur aus Pilzfäden bestehend, parasitär in den Blättern, Trieben und im Holz der Eschen. Im Frühling treten an der Mittelrippe der Blätter bräunliche Stellen auf. Ab Mitte Juli beginnen die befallenen Eschen dann auffällig zu welken.

Der Pilz befällt junge wie alte Bäume. Man vermutet, dass er sich aufgrund der Klimaveränderung vom Baltikum aus verbreitete. Inzwischen hat er sich in zwei Dutzend Ländern Europas etabliert.

Der Baum welkt von der Krone her, dann vertrocknen die Zweige und Äste. Das Mycel besetzt die Bahnen der Wasserversorgung und der Baum stirbt von oben her ab. Als Eschenwelke oder Eschensterben wird die Krankheit seither in den Medien bezeichnet. Etwa 95 Prozent aller Eschen sollen bedroht sein, nur einige wenige erweisen sich als resistent. 

 

- Die Esche ist einer der höchsten Bäume des Waldes, souverän und unabhängig anmutend ragt ihre Krone hervor, ein lichtes Laubwerk von federartigen Blattwedeln, kleinen Blättern, die an grünen Stielen von den Zweigen ausgehen, silbrig grau die Rinde an Stamm und Ästen. Ihr Holz wird seit Jahrtausenden für Möbel, Werkzeuge und Waffen verwendet. Pfeil und Bogen wurden aus Eschenholz gemacht.

 

- In der germanischen Mythologie hat die Esche eine zentrale Rolle. Ihr Welken gibt zu denken. In der Edda ist es die immergrüne Esche Yggdrasil, die die Welt trägt. Das Motiv des Weltenbaums findet sich auch bei den schamanistischen Kulturen Sibiriens. Bei den Germanen ist es die Esche.

 

- Das Schicksal der Erde ist mit der immergrünen Weltesche Yggdrasil verbunden. Vier Hirsche knabbern fortwährend an ihren Knospen, Blüten und Zweigen. Dadurch den Gang der Stunden, Tage und Jahreszeiten aufrechterhaltend. 

Drei Wurzeln hat die Weltesche und neun unterschiedliche Welten trägt der Baum, jeweils in drei Ebenen aufgeteilt. Midgard, die Mittlere der Welten, ist Wohnort der Menschen.

Ein Drache nagt an einer der Wurzeln. In der Krone lebt der Adler, der ihn in bekämpft.  Ein Eichhörnchen klettert im Baum auf und ab und verbreitet üble Nachrede, um den Kampf nicht ermüden zu lassen. Wenn der Baum jemals welkt, wird die Welt untergehen.

 

- Der Name der germanischen Weltesche besteht aus den zwei Worten Ygg und Drasil. Letzteres enthält die Bedeutung von tragen, das Pferd Odins wurde so genannt. Das deutsche Verb tragen geht, ebenso wie das englische drag , auf drasil zurück. In diesem Sinne ein Träger oder Tragendes. Das Wort Ygg  hat die Bedeutung von Schrecken, es ist einer der Beinamen Odins. Rudolf Steiner ordnet es der Etymologie des Wortes Ich zu.  Er übersetzt Yggdrasil als Ich-Träger, das Wort, das den Menschen bezeichnet. Ähnlich im Hebräischen, wo das Wort für Personen oder Menschen Anaschim lautet, abgeleitet aus ani - ich. Die Menschen sind die Ich-Wesen.

 

- In der griechischen Antike erwähnt Hesiod den Mythos, nach dem Zeus das Menschengeschlecht des dritten Zeitalters aus Eschen schuf. Auch wohnen nach Hesiod in den Eschen jene Nymphen, die Meliaden, die aus den Blutstropfen entstanden sind, die zur Erde fielen, als Kronos seinem Vater Uranos das Glied abschlug.

 

- Auch in der nordischen Schöpfungsgeschichte wird die Erschaffung des Menschen aus Eschenholz geschildert. Der Prosa-Edda zufolge fanden die Söhne des Urgottes Buri am Strand zwei Baumstämme. Dort heißt es: „Die hoben sie auf und erschufen daraus die Menschen. Der erste gab ihnen Seele und Leben, der zweite Verstand und Bewegungsfähigkeit, der dritte äußere Gestalt, Sprechvermögen, Gehör und die Fähigkeit zu sehen. Sie gaben ihnen Kleider und Namen; der Mann hieß Ask, die Frau Embla, und aus ihnen ging das Menschengeschlecht hervor, dem Midgard zur Heimat gegeben wurde.“

 

Der Name Ask bedeutet Esche. In der Lieder-Edda heißt es: „Sie fanden am Strand, kaum Kraft habend, Ask und Embla, schicksalslos. Seele besaßen sie nicht, Vernunft hatten sie nicht, weder Blut noch Bewegung noch gute Farbe; Seele gab Odin, Vernunft gab Hönir, Blut gab Lodurr und gute Farbe."

 

- Angesichts des Mythos ist bemerkenswert, dass die Esche dieselbe Anzahl von Chromosomen hat wie der Mensch, also 46 Chromosomen.

 

- Wer im rheinischen Dialekt zuhause ist, dem erscheint der Zusammenhang von Esche und Ich nicht allzu fernliegend, da hier Esche und das rheinische Ich - Esch nahezu gleichlautend sind.

 

- Wenn der Mythos von der Weltesche Yggdrasil spricht und diese als Ich-Träger verstanden werden kann und wenn zudem die Esche dieselbe Chromosomenzahl wie der Mensch aufweist, in der Edda der erste Mensch aus Eschenholz erschaffen wurde, erscheint dann das Eschensterben nicht als Entsprechung, als Bild, das für einen Angriff auf das Ich des Menschen, auf sein Person-Sein stehen könnte?

 

- Es stellt sich damit die Frage, welche grundlegende Veränderung sich in den 1990er Jahren, als das Eschensterben begann, im Leben der Menschen und der Menschheit vollzogen haben mag, wenn die Weltesche im Sinne ihres Mythos für die Basis der Menschheit steht.

 

- Das lässt sich mit einer gewissen Eindeutigkeit beantworten: Was seit Beginn der 1990er Jahre Einzug in das Leben des Menschen auf der ganzen Welt gehalten hat ist das Internet. Zwar war es schon einige Jahre zuvor entwickelt worden und zwischen den Forschungseinrichtungen in Gebrauch, aber im Jahre 1991 wurde es weltweit; das www entstand, das worldwideweb.

Zunächst auf nur wenige Schichten der Gesellschaft beschränkt und eher den Experten der digitalen Sphäre vorbehalten, entwickelte und verbreitete sich das Mycel des Internets binnen weniger Jahre, bis es schließlich im Jahre 1998 mit dem Aufkommen von Google für jedermann zugänglich wurde und fortan das menschliche Zusammenleben, jegliche Kommunikation und jede weitere technische Entwicklung in so gravierender Weise veränderte, dass der Terminus der Zweiten industriellen Revolution dem Ausmaß kaum gerecht wird. Das Internet hat sich, insbesondere seit der Einführung des internetfähigen Mobiltelefons, über nahezu jede menschliche Tätigkeit gelegt.

Die Vernetzung ist allgegenwärtig, ähnlich dem Pilz Chalara Fraxinea, der für das Eschensterben verantwortlich ist, indem er die Leitungsbahnen der Eschen befällt, besetzt das Internet die Leitungsbahnen der menschlichen Begegnung. Und damit die Gegenwart.

 

- Der Pilz steht für die Kollektivierung schlechthin. Die Welt als ein einziges, unterschiedsloses, homogenes Mycel. Kein Anfang, kein Ende. Kein Innen, kein Außen. Keine Blüte und keine Frucht. Ein sich stetig ausbreitendes Rhizom ohne Zeit und Raum.

 

- Die Teilung in ein Innen und ein Außen, ein Früher und ein Später der Gestalt vollzieht sich entsprechend der astrologischen Entwicklung in der Phase vom Ungeteilten des Zeichens Fische, hin zum Schöpferischen des Zeichens Wassermann. Münchner Rhythmenlehre

Im Wassermann entsteht die Polarität und damit die Identität der Gestalt. In der unteren, entgegengesetzten Bewegung ist dies der Weg vom Zeichen Widder, dem Aufscheinen, hin zu Stier,  zur Beständigkeit der Erscheinung in der Stetigkeit des Selben der Identität. 

Ist dieser Weg blockiert, kommt es zum gestaltlosen Wachstum ohne Zeit und Raum, ohne Innen und Außen, keine Frucht und keine Blüte. Das ist die Wucherung ohne ein Werden und Vergehen.

In der astrologischen Entwicklung entspricht das Pilzwachstum der Venus-Neptun-Verbindung, bei der die Phase des Wassermanns, bzw, seines Vertreters Uranus, als der Anfang der Polarität und damit des Individuums nicht zugelassen ist und die Verhinderung des Ursprungs der Gestalt in der unteren Bewegung der Venus, als Mycel Erscheinung wird. Chronisch wird die Verhinderung dann in der Venus-Pluto-Verbindung.

 

- Zwar wird das Internet web - Spinnennetz genannt. Die Ähnlichkeit der Struktur des Internets mit dem Mycel eines Pilzes wird jedoch auch gelegentlich zur Sprache gebracht. Das Netz der Fäden breitet sich rhizomartig über Knotenpunkte aus. Das Wachstum seiner Verflechtungen erinnert an das unterirdische Wuchern des Halimasch, dessen Mycel sich über Kilometer ausbreiten kann. So in Oregon, wo vor einigen Jahren ein über neun Kilometer großer Halimasch entdeckt wurde. Dieses Mycel soll 2400 Jahre alt sein. Dieser Halimasch bildet, so betrachtet, das größte und älteste bekannte Gewächs der Erde.

 

- Dennoch stellt das Internet zugleich ein durchaus strukturiertes Netz dar. Suchmaschinen werden Spider oder Webcrawler genannt. Die Assoziation zum Spinnennetz ist hier gleichermaßen gegeben.

 

- Spinnen weben präzisere Netze, wenn man ihn das Roggen-Pilz-Derivat LSD verabreicht.

Die Droge wird aus dem Mutterkorn gewonnen. Spinnen, denen man LSD in Zuckerwasser gegeben hatte, begannen Netze von zuvor nie beobachteter Präzision zu weben. Keine andere Droge hatte diese Wirkung. Die Gabe von Kaffee, Cannabis, Amphetaminen oder Meskalin ließ die Spinnen nachlässige oder, insbesondere bei Kaffee, völlig chaotische Netze bauen.  Nur das Roggen-Pilz-Derivat regte bei den Tieren die Bildung hochpräziser, teilweise derart differenzierter Netze an, dass sich der Versuchsleiter an die Exponate psychedelischer Kunst erinnert fühlte.

Diese Kunstrichtung war an der amerikanischen Westküste im Zuge des von dort ausgehenden LSD-Kults der späten 1960er Jahre entstanden.   LSD und Internet >>

 

- Auch bei der digitalen Revolution und der Entstehung des Internets spielte der Roggen-Pilz eine wesentliche Rolle: Die LSD-Kultur der amerikanischen Westküste bildete auch das Biotop, aus dem die digitale Revolution erwuchs. Die digitalen Innovationen und die daraus entstandenen Konzerne starteten fast ausnahmslos an der kalifornischen Westküste. Etliche der Protagonisten hatten dem von dort ausgehenden Drogen-Kult der 68er Jahre gehuldigt und beriefen sich explizit darauf – andererseits bezeichneten Szene-Gurus wie Timothy Leary die digitale Welt und das Internet als das bessere LSD. Seit einigen Jahren wird die Droge von Teilen der Computer- und Entwicklerszene in Mikrodosierung konsumiert: Winzige Dosen von LSD werden den Tag über wie Kaffee eingenommen Diese als microdosing  bezeichnete Verwendung zielt nicht auf einen Trip, sondern auf eine permanente niederschwellige Anregung durch das LSD, um unorthodoxe Einfälle und Assoziationen zu produzieren.

 

- Es scheint fast, als suche die Mycelstruktur Wege, sich zu verbreiten.

 

- So wie der Pilz die Eschen befällt und ihnen das Wasser raubt, kann die Besetzung der Kommunikation durch das Internet betrachtet werden. Die Begegnung, das Ich-Du, wie Martin Buber es nennt, wird aufgelöst. Und damit das Ich des Menschen.

 

- Das Rhizom wurde bereits von den französischen Poststrukturalisten Deleuze und Guattari als Idol einer künftigen Orientierung entworfen. Ein philosophischer Vorentwurf des Internets. Das Arpa-Net >>

 

- Mittlerweile schlägt sich das Bild des Mycels in den Erzählungen der Unterhaltungsmedien nieder, etwa wenn sich in einer Neuauflage der Star-Trek-Serie die Geschichte um die Vorstellung von einem unsichtbaren Mycel rankt, das das ganze Universum ausfüllt, und dessen Stränge und Verflechtungen ein zeitloses Reisen über lichtjahreweite Distanzen erlauben.  Die Präzision, mit der unabsichtlich die Zeit- und Raumlosigkeit des Pilzmycels im Sinne der Deutung von Venus-Neptun in diesem Zusammenhang erfasst wurde, ist erstaunlich. >>  

 

- Zurückgegriffen haben die Autoren der Serie dabei auf die Arbeiten des kalifornischen Pilzexperten Paul Stamets, der herausgefunden hatte, wie Bäume über unterirdische Mycelien kommunizieren und sogar Nährstoffe austauschen. Wood Wide Web hatte er seine  Entdeckung genannt. >>

Eine Symbiose, wie sie häufig zwischen Pflanzen und Pilzen vorkommt. Anders im Falle des Eschenwelkens, wo der Pilz zum Parasit wurde, der den Baum schließlich tötet.  

 

- Würde sich ein Horoskop des Eschenwelkens erstellen lassen, so muss sich im Sinne der mythologischen Bedeutung der Esche für den Menschen die Entstehung des Internets darin abbilden.

 

- Ein Horoskop des Themas lässt sich anhand einer Sendung des Bayrischen Rundfunks vom 23. 3. 2018 erstellen. 

 

Die Moderation der Sendung begann um 19 Uhr, nach etwa 2 Minuten folgte der Start des Filmberichts mit dem Titel "Tödlicher Pilz – In ganz Bayern sterben die Eschen".

Nachdem Motorsägen zu sehen sind, die den kranken Bäumen zu Leibe rücken, kommt man auf den Pilz zu sprechen, Weiße kleine Schirmhüte auf faulendem Holz geraten ins Bild. Aus Asien soll er gekommen sein und sich wegen des wärmeren Klimas in Europa verbreitet haben.

 

Im Horoskop der Sendung zeigt sich das Thema mit Widder als Beginn des Frühlingsverbundes am Deszendenten. Die Sonne steht in Quadrat zu Mars – und  Saturn am IC im Steinbock.

Der Saturn im Steinbock auf der IC-MC-Achse gibt hier eine mundane Vertikale an, der Stamm des Weltenbaums. Mars-Sonne Saturn bezeugen den Angriff auf den Weltenbaum, auf die Bestimmung, Im siebten Haus stehen Merkur und Venus in Konjunktion im Spiegel zu Neptun und in Quadrat zu Pluto, Venus-Neptun und Venus-Pluto geben den Pilz an, das Geflecht des Mycels, das hier mit Merkur-Pluto zugleich Rhizom und Spinnennetz ist. So wie das Internet. Merkur-Pluto stehen in diesem Zusammenhang für die Übertragung der Zeichen des Kollektivs, in denen das Bildhafte der Gestalten verdrängt ist. In Verbindung mit Venus-Neptun ist es das Informationsnetz des Internet, das Mycel des Geflechts einer weltumspannenden Kollektivierung.

 

Vom Zeitpunkt der Sendung an zurückgerechnet im Siebener-Rhythmus wird 21 Jahre zuvor, im März 1997 das IC überschritten: Mars-Saturn lösen sich exakt mit dem Aufkommen der Suchmaschine Google im Herbst des Jahres 1997 aus. Mit Google wurde das Internet, das zuvor mehr oder weniger Experten vorbehalten war, endgültig für jedermann zugänglich und konnte Einzug in jedermanns tägliches Leben halten.

Die digitale Verflechtung wurde allgemein präsent, der Pilz des Internets hatte die Leitungsbahnen der menschlichen Kommunikation besetzt. So wie Chalara Fraxinea die Leitungsbahnen der Wasserversorgung der Eschen befällt.  Zwar war das Internet schon in den 1980er Jahren entstanden, aber das WorldWideWeb, die hauptsächliche Anwendung des Netzes und für viele das Internet schlechthin, wurde erst zu Beginn der 1990er Jahre am CERN in Genf entwickelt und am 30. April 1993 zur öffentlichen Nutzung freigegeben. Die Erfinder des html-codes, der zum worldwideweb,  zur Hauptanwendung des Internets wurde, hatten für ihre Entwicklung zunächst den Namen Geflecht – Mesh, gewählt, erst später zogen sie die heute etablierte Bezeichnung des worldwideweb vor.

Der Sonnenstand des Tages der Herausgabe des www liegt auf 10 Grad Stier. Das entspricht nach der Münchner Rhythmenlehre der Venus-Pluto-Verbindung und steht für die Kollektivierung. Es ist das Datum des 1. Mai, des Tags der Massenaufmärsche.

Im Horoskop der Sendung löst sich mit der Einführung des www, bzw. des html-Codes vier Jahre vor Erreichen des IC die Venus-Neptun-Konjunktion über Pluto im Quadrat in Haus vier aus.

Der Pilz, der die Eschen befällt, erweist sich auf diese Weise als direkte Entsprechung des Internets.

  

- Homöopathisch könnte Chalara Fraxinea möglicherweise als therapeutisches Mittel einsetzbar sein. Bei Eschen und beim Menschen.

 

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(C) Herbert Antonius Weiler, 2019