Gustave Flaubert und Deniz Yücel über Eisenbahn und Internet

 

 

Ich bin gegen die Einführung der Eisenbahn,

weil sie nur noch mehr Menschen erlaubt zusammenkommen,

um zusammen dumm zu sein.

Gustave Flaubert

Er lehne das Internet ab, hat Flaubert einmal gesagt,weil es

nur noch mehr Leuten erlaube, zusammenzukommen,

um zusammen dumm zu sein.

Okay, Flaubert hat das über etwas anderes, nämlich über die Eisenbahn gesagt.

Aber wer um die Mechanismen von Onlinedebatten weiß, wird nicht völlig bestreiten,

dass man diesen Befund aufs Internet übertragen kann.

Deniz Yücel, taz, 22.12.2012

 

 

 

 

 

Die Cyberarmee

 

Der Vergleich von Internet und Verkehrs- bzw. Schienennetz liegt nahe. Gerne wird in Medien und Politik vom Ausbau der Datenautobahn gesprochen.

Flaubert, der in den von Wissenschaft und Industrie geschaffenen neuen Zuständen keine großen Errungenschaften erblicken konnte -Vielleicht wird eines schönen Tages die ganze moderne Wissenschaft zusammenbrechen und man wird sich über uns lustig machen. Ich wünsche es -  hat noch weitere Auswirkungen des Eisenbahnbaus erleben dürfen.

Denn der Ausbau des Schienennetzes  wurde nicht unwesentlich von den Militärs forciert, die darin die Möglichkeit schneller Truppenbewegungen und Aufmärsche wahrnahmen. So etwa beim Projekt der Preußischen Ostbahn, bei dem strategische Erwägungen mit Blick auf Russland die entscheidende Rolle spielten

Nicht anders im Westen der deutschen Länder, in der Preußischen Rheinprovinz, deren industriellen Kern das Ruhrgebiet mit seiner Stahlproduktion bildete. Hier entstand ein Schienennetz an der Westgrenze und über sie hinaus, das später im Jahre 1870 im Krieg gegen Frankreich zu weidlicher Nutzung kam.

Die gegenüber Frankreich wesentlich schnellere, dezidiert geplante Mobilisierung und Zusammenziehung der Truppen - entscheidend für den deutschen Sieg - konnte mithilfe der Eisenbahnen und des perfekt ausgebauten deutschen Schienennetzes durchgeführt werden.

 

- Auch das Internet basiert in Form seines Vorläufers, dem Advanced-Research-Project-Agency-Net, auf militärischen Interessen.

Das ARPA-Net war ein Projekt des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums, unter dem  

Universitäten und Forschungsinstitute gegen Ende der 1960er Jahre digital vernetzt werden sollten.

Es stellt die erste Form jener Kommunikation von Computern dar, aus der später das Internet enstand.

 

Das Arpa-Net >>

 

Die neue Cyberarmee der Bundeswehr nahm am 1. Juli 2017 in Bonn ihren Dienst auf. >>

 

Im Mittagshoroskop des Dienstantritts der Cybertruppe fällt die Mars-Merkur-Pluto-Verbindung auf.

Merkur-Pluto, die Konstellation der Programmierung und der Fremdbestimmtheit bezieht den Mars als Herrscher des Entgegenkommenden mit ein, in Konjunktion mit Merkur in Haus Zehn auf 17,5° Krebs stehend.

Pluto befindet sich gegenüber im Steinbock in Haus Vier, gleichsam im Staatsdienst für die Heimat. 

Der Verbundsanführer Mond auf 14° Waage in Haus Eins bringt die tastaturhackende

Progammiertätigkeit als Waffe zur Erscheinung.

Das Schott der Mond-Jupiter- Verbindung Wolfgang Döbereiner soll dabei der Abschottung gegen feindliche Infiltration dienen. Es wird ins Nichts gehorcht, wie Jungfrau als Verbundsziel und Herrscher von Haus Zwölf bestätigt. Mit Neptun in den Fischen in Haus Sechs handelt es sich um eine eher diffuse Bedrohungserwartung. Wir verteidigen Deutschland im Cyber- und Informationsraum, proklamiert der erste Inspekteur der Cyber-Truppe.

Wobei nicht nur Verteidigung im Netz, sondern auch Angriffe in gegnerische Datennetze eingeplant sind. Angeworben wird für die Truppe nicht nur mit speziellen Studiengängen und Stipendien, sondern auch durch LAN-Partys für die Rekrutierung von Talenten aus der Gamer-/E-Sport-Szene.  >>  

Es ist die Indienstnahme der Obsession.

 

 

Mit der Sonne im Krebs am MC und Mars-Merkur in Haus Zehn geht es darum, dass das Leben gegen eine Fremdbestimmtheit steht. Diese wird hier als Bedrohung von außen wahrgenommen und nicht als eine systemische Eigenschaft des Staates, in dem der Einzelne als Funktion der Gemeinschaft betrachtet wird. Die Bedrohung soll mit den Mitteln bekämpft werden, die sie erzeugen.

 

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In einem Gespräch, welches Konrad Adenauer mit einem der Hochkommissare der britischen Besatzungszone nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges führte, wurde er gefragt, was die Briten gegenüber Deutschland in den vergangenen anderthalb Jahrhunderten hätten besser machen können,  wie sie sich hätten anders verhalten können, damit es nicht zur Katastrophe der beiden Weltkriege gekommen wäre. Adenauer soll geantwortet haben, der größte Fehler der Briten sei es gewesen, den Preußen nach dem gemeinsamen Sieg über Napoleon die spätere Rheinprovinz zuzueignen. Damit habe man dem preußischen Militarismus die Bodenschätze und industriellen Möglichkeiten des Ruhrgebietes zugänglich gemacht. Und ihm damit die Mittel zur militärisch-industriellen Aufrüstung und zur Hegemonie in die Hand gegeben,  mit den bekannten fatalen Folgen.

 

Ähnlich der Historiker Thomas Nipperdey: Die Versetzung Preußens an den Rhein ist eine der fundamentalen Tatsachen der deutschen Geschichte, eine der Grundlagen der Reichsgründung von 1866/1871. Mit der Rheinprovinz war die künstliche Existenz Preußens, die Spaltung in eine Ost- und Westhälfte, neu befestigt und schärfer als je zuvor ausgeprägt. Das wurde zur stärksten Antriebskraft preußischer Machtpolitik; letzten Endes ging es darum, diese Spaltung zu überwinden. Preußens Rolle als Schutzmacht Deutschlands an der Westgrenze – in Verbindung mit der Zweiteilung – führte dazu, dass seine eigene Sicherheit unzertrennlich mit seiner Stellung in Deutschland verbunden war; sein Streben nach einer hegemonialen Stellung jedenfalls im Norden war von daher fast eine Notwendigkeit. (...) die Verteidigungsaufgabe hat den preußischen Militarismus neu stabilisiert und legitimiert; zugleich hat gerade die Rheinprovinz Preußen zur stärksten deutschen Wirtschaftsmacht gemacht und seine eigentümliche Modernität weiter ausgeprägt.

 

Anschaulich im Sinne des Verhältnisses der Rheinländer zu Preußen, respektive der Position Adenauers, ist der Dienstbericht eines preußischen Polizeidirektors von 1816 über den Rheinländer: Außer dem zur Gewohnheit gewordenen Oppositionsgeist sind als Grundlage seines Charakters nicht zu verkennen: große Anlage zur Jovialität, ein Freiheitssinn. Gleichgültigkeit gegen sonst übliche Anstandsformen, starker Hang zum Witz und zum Spott.

zitiert aus Deutschlandfunk >>

 

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