Fahrradhelm 

Helm auf und keine Diskussion mehr!

 Überschrift auf Zeitonline, 12.08.2017

 

 

 

 

 

Zur Helmpflicht

Helm auf...!

 

 

 

- Unter dem Titel Helm auf und keine Diskussion mehr erschien in einem bekannten deutschen Online-Magazin ein volkserzieherischer Artikel, der die Radfahrer davon überzeugen soll, einen Helm zu tragen. Dazu wird mit etlichen wissenschaftlichen Stellungnahmen, Statistiken und Spekulationen aufgewartet. So sei unter den schwerverletzten Fahrradfahrern bei 70% der Kopf betroffen.

Ein Fahrradhelm hätte, so die Behauptung, die Mehrzahl der schweren Kopfverletzungen verhindert. 

 

- Gleichwohl empfehlen die Experten nicht etwa eine behördlich verordnete Helmpflicht. Damit habe man schlechte Erfahrungen gemacht.

In Australien sei nach Einführung einer Helmpflicht die Anzahl der Fahrradbenutzer rapide geschwunden. Die Leute ließen das Rad unter den Bedingungen lieber stehen. Da Radfahren als körperliche Bewegung und damit als vorbeugend gegen Herz-und Kreislauferkrankungen gilt, habe es gesamtgesellschaftlich einen gegenteiligen Effekt auf die Volksgesundheit, wenn weniger Fahrrad gefahren wird. 

 

- Allein brachte die australische Einführung der Helmpflicht noch ein anderes überraschendes Ergebnis als den drastischen Rückgang der Radfahrer: Unter den verbliebenen behelmten Radfahrern stieg 

die Unfallhäufigkeit erheblich an.

 

- Für dieses Phänomen werden Erklärungen angeboten. So sollen Autofahrer durch die seltenere Begegnung mit Fahrradfahrern den Umgang mit  ihnen verlernt haben. Die verbliebenen Radfahrer seien damit ungeübterem und rücksichtsloserem Verhalten ausgesetzt.

 

- Diese Plausibilität lässt sich freilich genauso beliebig umkehren: Je seltener Radfahrer werden, umso weniger lästig erscheinen sie Autofahreren und umso rücksichtsvoller begegnet man ihnen.

 

- Indes ist auch hierzulande, wo die Autofahrer der Begegnung mit Radfahrerern nicht entwöhnt sind, der Anteil der Helmträger bei Unfällen höher. Warum?

 

- Einige gehen von einer höheren Risikobereitschaft der behelmten Radfahrer aus, andere von größerer Skrupellosigkeit der Autofahrer, da diesen behelmte Radfahrer robuster und weniger fragil erscheinen könnten. Wieder andere behaupten, behelmte Radfahrer seien mehr unterwegs.

 

 - Das Beispiel macht anschaulich, wie der Versuch, den Einzelnen unter der Vorgabe der Sicherheit in eine Regelung zu nötigen und ihn gleichsam zu einer Funktion des Verkehrs zu machen, die eigentliche Gefährdung schafft, indem ihm das Maß der Eigenbewegung genommen wird.

 

- Das Gehen bedarf keines Geräts. Wer geht ist noch Herr seiner Bewegung, sie ist die seinige und ist nicht bestimmt von einer Funktion der Fortbewegung.

Beim Radfahren ist der Mensch schon Teil einer Maschine, er kurbelt mit seinen Beinen anstatt zu gehen. Diese Strampelei steht nicht mehr in Beziehung zum Weg, sie ist ein geschlossenenes System. Ohne Kette und Zahnrad träte sie auf der Stelle. Der Schritt korrespondiert mit dem Weg, mit Anfang und Ziel, die Kurbelei nicht. Sie ist nicht wirkliche Be-wegung. 

Zwar ermöglicht sie ein schnelleres Erreichen des Ziels, aber der Weg wird nicht mehr so erlebt wie beim Gehen.

Zudem kann der schnellere Radfahrer auch heftiger stürzen oder kollidieren. 

Dennoch ist seine Bewegung immer noch eine von ihm selber körperlich hervorgebrachte.

 

- Anders der Autofahrer. Seine Bewegung ist bestimmt von einer weitverzweigten Verflechtung. Sie hat das Maß der Eigenbewegung verlassen. 

Umfassende Regelungen und Methoden sind notwendig, er ist eingebunden in ein System von Bedingungen, Straßen und Kraftstoffversorgung. Kollisionen führen zu schweren Verletzungen oder sind tödlich.

Auch gehört zum Auto notwendigerweise die Karosserie. Dass Dinge einer Verkleidung bedürfen und dasjenige, wozu sie dienen, nicht unmittelbar ihre Form bestimmt, stellt eine Zäsur des täglichen Lebens dar, die mit der industriellen Revolution aufkam.

 

- Das Auto vernichtet die Gegend des Weges. Die Landschaft kann nicht mehr zugegen sein, daher ist sie keine Gegend mehr. Sie wird zur eintönigen Wüste.

 

- Es gibt keine Gegend mehr. In Dantes Purgatorium  könnten einsame Leute im grauen Trenchcoat bei Saxophonmusik auf endlosen Betonstrassen unterwegs sein.  Dort schreiten sie all die Strecken ab, die sie achtlos auf Autobahnen vorbeistreichen ließen, die Öde gegenwärtigend, die sie geschaffen haben.

 

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- Der Artikel Helm auf... wurde am 12.08.2017 um 13:03 eingestellt, Redaktionsort ist Hamburg.

 

- Der Sonne im zehnten Haus auf 20° Löwe geht es um die Bestimmung des Lebens des Einzelnen und seiner Bewegung. Mit dem Mond im Widder im sechsten Haus, als Verbundsführer des Sommerviertels, und Uranus an der Spitze zum siebten soll diese Bewegung vor plötzlichen Begegnungen, vor Gefahren und Unfällen geschützt werden. Mars, der Herrscher des Hauses, steht auf dem MC.

 

- Ein Widerspruch zur Freiheit der Bewegung des Einzelnen, da damit in aggressiver Weise die Bedingungen bestimmend gemacht werden sollen. Dies lässt letztlich die Unfallgefährdung bestimmend werden.

Die Bedrohung wird institutionalisiert.

Der Merkur, als Herrscher von Haus Elf in Zehn stehend, im Spiegel zu Pluto im Steinbock in Drei, bestätigt, dass hier ein Funktionszwang als Regelung bestimmend werden soll.

 

- Nun hat ein Sonnenstand im Löwen im zehnten Haus stets den Merkur als Verbundsziel in Haus Neun, Zehn oder Elf.

 

- Das ist das Thema. Beim Merkur in Haus Zehn soll das Leben des Einzelnen geregelt werden. Bei Merkur in Elf wäre es eine Unabhängigkeit. Hier soll eine Unabhängigkeit gemaßregelt werden. Ohnehin steht die Sonne auf dem Punkt des Gemeinschaftszwangs. 

Astrologische Systematik und Punkte nach der Münchner Rhythmenlehre von Wolfgang Döbereiner

 

- Der Helm vermittelt dem Radfahrer, Teil einer Funktion zu sein. Er führt in die Fremdsteuerung. Diese ist unfallträchtig. Der Mars als Herrscher von Haus Sechs am MC, den Uranus mitführend, ist hierfür ein Bild.

 

- Nicht nur dafür. Es zeigt eigentlich, dass Fahrradfahren eines Königs unwürdig ist. Ein strampelnder König?

 

- Zumindest sollte er es wissen. 

 

- Josef Roth schrieb einen Roman über Einen aus dem wilden Osten, in den Jahren nach der russischen Revolution, der in einer deutschen Kleinstadt zu Besuch ist. Dort sieht er merkwürdige Dinge - Männer mit Hut auf dem Fahrrad. Tarabas - ein Gast auf dieser Erde, Josef Roth, 1934

 

- So etwa. Beim Auto ist es dann schon nicht mehr offensichtlich. Tretautos wären ohnehin nicht autobahntauglich.  

 

 

 

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(C) Herbert Antonius Weiler 2017