Textauszug

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schabachthani

 

 

eli, eli, lama schabachthani

 

 

Von den Sieben letzten Worten, die Jesus am Kreuz gesprochen hat, berichten die Evangelien. In der christlichen Tradition werden sie in eine der Passionsgeschichte gemäße Reihenfolge gestellt.

 

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Unter diesen sieben letzten Worten nimmt das vierte und mittlere eine besondere Stellung ein. So heißt es im Text des Markus 15,34 : Und in der neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: "Eloí, Eloí, lamá sabachtháni?", was übersetzt ist: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"

 

Ebenso bei Matthäus 27,46:  um die neunte Stunde aber schrie Jesus mit lauter Stimme auf und sagte: "Eli, Eli, lamá sabachtháni?" Das heißt: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"

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Das Besondere in der Schilderung des Ausspruchs am Kreuz besteht jedoch nicht allein in der Länge der Wiedergabe des Wortlauts der von Jesus gesprochenen Sprache mit einer beigefügten Übersetzung, sondern darin, dass diese in der griechisch überlieferten Form nicht dem Gesagten entspricht - das wiedergegebene, transkribierte Wort bedeutet etwas anderes, als die textinterne Übersetzung aussagt.

 

Die griechische Transkription - σαβαχθανιsabachthani gibt das hebräische Wort schabachthani – שבחתני wieder. Dieses stellt die Vergangenheitsform des Verbs schibach - שבח dar, für preisen, loben, erheben, auszeichnen.  So steht es auch für die Reifung des Weines.  Das entsprechende Substantiv lautet Schebach - שבח - Lob, Auszeichnung.  Das im Text wiedergegebene Wort bedeutet mithin erhöht, gepriesen, nicht jedoch verlassen.

 

Der hebräische Ausspruch lautet demnach übersetzt: Mein Gott, mein Gott, wie hast Du mich erhöht.

Auf diese Bedeutung des Ausspruchs weist auch Rudolf Steiner hin.

 

Insofern ist die Auskunft etlicher Bibel-Lexika und -Kommentare unzutreffend, schabachthani - ששבחתני sei ein aramäisches Wort und gleichbedeutend mit dem hebräischen asawthani - עזבתני, das verlassen bedeutet. **

Die Wurzel Schebach, geschrieben mit Schin – ש, Beth - ב und Chet - ח bedeutet im Hebräischen und im Aramäischen das Gleiche: erhöhen, preisen. So etwa im bekannten Totengebet des Judentums, dem aramäischen Kaddisch, wo es sich als erstes Wort der siebten Zeile findet.

Kaddisch, Vers 6-7: Sein großer Name sei gesegnet (...) und gepriesen, gerühmt und verherrlicht  - w'jischtabach - וישתבח - wegen der Verbform mit eingeschobenem Thaw

 

Tatsächlich hat Jesus dem Wortlaut des originalsprachlich transkribierten Zitats nach gesagt: Mein Gott, mein Gott, wie hast Du mich erhöht / erhoben.

 

 

 

Wie kommt es zu der anders lautenden Übersetzung des Ausspruchs im Evangelientext?

 

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