Textauszug, der Essay findet sich in dem Buch:                                                                                                                        Warum Moses das versprochene Land nicht betreten durfte

Essays und Betrachtungen >> 


 ידגו  Sie sollen sein wie die Fische

Raschi-Commentare, 1. Buch Moses, 48:16,

 

 

                                                              

                                             

 

 

Sie sollen sein wie die Fische

 

Peripherie und Mitte

 

(Textauszug)

 

Am Ende seines Lebens erteilt Jakob den beiden Söhnen seines Sohnes Josef einen Segen Gen. 48:16.  Der Segensspruch enthält einen vieldeutigen  Satz. 

In der Regel wird er aus dem hebräischen Urtext übersetzt als: sie sollen sein wie die Fische - zur Fülle - in der Mitte - des Landes,  -  jidgu larow b'kerew haarez.

 

Die Aufforderung zu Beginn des Satzes,   jidgu - ידגו, enthält das hebräische Wort für Fisch, dag  -  דג. 

Das Wort erscheint hier ungewöhnlicherweise als ein Verb, vergleichbar etwa mit sie sollen fischeln.  

In der rabbinischen Tradition wird die Weisung, den Fischen zu gleichen, im Sinne einer Vermehrung gedeutet.

 

Dementsprechend übersetzen Martin Buber und Franz Rosenzweig: 

fischgleich sollen sie anwachsen - zur Menge  - im Innern - des Landes.

 

In einigen Übersetzungen sucht man die Erwähnung der Fische vergebens, sie mögen sich mehren auf Erden oder im Lande, heißt es dort lediglich.

Das betreffende Wort wird in dem Fall nur als Andeutung der Vermehrung zur großen Menge verstanden, die Fische selber nicht mehr genannt.

Ihre Erwähnung scheint man dabei für unwesentlich zu halten. 

 

So vor allem in den christlichen Übersetzungen dieser Stelle, obwohl doch das Bild des Fisches und des Fischfangs im Christentum eine hervorgehobene Bedeutung hat.

Auch im Judentum nehmen die Fische eine besondere Stellung ein. Die Thora wird mit dem Wasser verglichen, Moses ist, so heißt es, im Monat des Zeichen Fische geboren, der als besonders segensreicher Monat gilt.

Die Erwähnung der Fische im Segensspruch des Jakob lässt noch eine andere Bedeutung als allein die der Vermehrung erkennen.

 

Auch die Mitte, die eigens angesprochen ist, bildet als drittes der vier Elemente des Satzes, Fische - Fülle - Mitte – Land,  einen prägnanten Teil der Aussage.

Wird der Spruch als Weisung zur Vermehrung gedeutet, stellt die Mitte eine nicht notwendige Ergänzung dar.

Denn ob es heißt, ein Anwachsen zur Fülle möge im Lande oder in der Mitte des Landes geschehen, ist letztlich nicht ausschlaggebend. Indes scheint ihre Erwähnung aber einen eigenen, nicht unwesentlichen Sinn zu enthalten.

                                                                                                         ---

 

 

- Das Element mit dem die Fische verbunden sind, das Wasser, ist noch ungeteilt. Es hat keine Mitte. Wenn die Fische im Wasser sich auf eine Mitte beziehen, so ist damit gesagt, dass sie es sind, die erst die Entstehung von Mitte und Peripherie bewirken. 

 

- In der Folge der Satzelemente - Fische - Fülle - Mitte – Land  wäre dann die Entstehung von Mitte und Peripherie ausgedrückt. Indem das Wasser sich zur Peripherie zurückzieht und das Trockene in der Mitte entsteht.

 

- Und dieses ist, so der Satz, das Wirken der Fische, sie fischeln Peripherie und  Mitte.

Im Tierkreis ist es der Übergang vom Zeichen Fische zum Zeichen Wassermann. Der Fisch ist im Nichts zu Hause. 

 

- An den Ufern soll zur Gegenwart kommen, was noch im Wasser ist.

 

- Deswegen wird der Steinbock als Ziegenfisch dargestellt, noch mit einem Fischschwanz. Halb noch im Wasser, mit seinem Vorderteil an Land. Die Grenze bildend.

(...)

 

 

 

 

(C) 2016 herbert weiler, in zusammenarbeit mit לאה גפי