Hitlers Pullover

 

- Ob sie sich einen Pullover von Hitler anziehen würden, hatte man bei einer Studie in den USA die Leute gefragt. Nein, antworteten die meisten. Auch nicht, wenn er gründlich gereinigt worden sei und es gerade besonders kalt wäre. Das erschien den Veranstaltern der Befragung wie auch einem Psychologen, der die Begebenheit jüngst in einem Online-Magazin erwähnte, höchst denkwürdig. Mit Sicherheit sei doch kein einziges Molekül von Hitler mehr in dem Pullover vorhanden. Ein magisches Alltagsdenken wurde konstatiert, eine Art von nicht begründbarer, irrationaler Infektionsangst.

 

- Hitler hätte seinen Pullover vermutlich nicht so genannt, sondern Überzieher, das deutsche Wort. Oder wörtlich Ziehüber.

 

- Das wäre nicht gegangen, da der Begriff im Deutschen schon seinen Gegenstand hatte und einen leichten Herrenmantel bezeichnete. Auch Hitler hätte in dem Falle durchaus nicht die Macht gehabt, das Wort umzudeuten. Der Überzieher war in aller Munde, seit der Komiker Otto Reuter 1925 ein Lied dazu gemacht hatte. Über einen Gast im Lokal, der seinen Mantel nicht aus den Augen lassen mag: Gehst Du weg von dem Fleck ist der Überzieher weg. >>

 

- Na, jedenfalls will keiner Hitlers Pullover überziehen, so er je einen gehabt hat.

 

- Auf dem Obersalzberg wäre so ein Pullover früh am Morgen schon praktisch gewesen. Vermutlich hat ihn von den amerikanischen Alliierten jemand an sich genommen und in die USA entführt. Dort gibt es bekanntlich einen umfangreichen Handel mit Devotionalien aus der NS-Zeit. Vielleicht daher das Thema der Umfrage. In gewissen Kreisen wäre Hitlers Pullover vielleicht der Hit gewesen. Aber die hat man bei der Studie nicht befragt, die sind vielleicht ja auch nicht repräsentativ.

 

- Vor einiger Zeit gab es einen Skandal >>  um norwegische Olympiasportler, weil auf deren Pullovern ein Muster aus germanischen Runen zu sehen war.  Ob Hitler so einen Pullover getragen hat?

Skandal um Norweger-Pullover

 

 

- Kurios ist das Attest der irrationalen Infektionsangst mit der Begründung, schließlich sei ja kein einziges Molekül mehr von Hitler in dem Pullover zu finden gewesen. So, als hätte Hitler aus Molekülen bestanden.

 

- Da verhält es sich ähnlich wie mit dem Kampf gegen die Homöopathie, der in dem besagten Online-Magazin  (ZEIT ONLINE)  übrigens zur Agenda gehört. Auch hier kreidet man den Homöopathieanwendern, immerhin zwei Dritteln der Krankenkassenmitglieder, an, einem Aberglauben zu frönen, da doch in der höheren homöopathischen Potenzierung kein Molekül der Wirkstoff-Urtinktur mehr enthalten sei.

 

- Könnte man denn Hitlers Pullover homöopathisch aufbereiten?

 

- Kommt darauf an, was man sich davon verspricht.

 

- Der Maler Peter John machte sich einst daran, Hitler in zeitgenössisch-modischer Montur zu porträtieren,  mit Pullover und ohne Schnäuzer.

 

 

Peter John, "Zwei Männer", Acryl und Eitempera auf Hartfaser, 1987

 

 

 

- Nicht gerade ein Norweger-Pullover, eher ein T-Shirt. Und Runen sind auch nicht zu erkennen.

 

-Hitler hatte es ohnehin nicht so mit den Runen und der ganzen germanophilen Symbolik. Das war eher Himmlers Metier. 

 

- Wer ist der andere Mann auf dem Bild?

 

- Ein Unbekannter. Ein Phänotyp der Kölner Kneipen-Szene.

 

 

 

 

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