Nach der Staatsfunk- und Volksempfänger-Ära der NS-Zeit, sollte die Verwaltung des künftigen Rundfunks als eine vom Staat unabhängige Instanz gestaltet werden. Man schuf den sogenannten Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk. Große, überregionale Sendeanstalten sollten die deutsche Bevölkerung mit Nachrichten und Unterhaltung versorgen. Die Zusammensetzung Kontrollgremien, der Rundfunkräte, durfte dabei nur zu einem Teil aus Vertretern der politischen Parteien bestehen, Eine Einflussnahme sollte dem demokratischen Verhältnis entsprechen. Man wollte auf diese Weise garantieren, dass der Rundfunk keinesfalls einer staatlichen Steuerung unterliegen würde. 

Der Grund, warum man die Rundfunkanstalten nicht, ähnlich wie das Zeitungswesen, überhaupt einem freien unkontrollierten Gedeihen überließ, lag zunächst im technischen Aufwand und den damit verbundenen Kosten einer 

 

 

Sonst sah ich  den turm immer nur von weiten. Es war ja auch die ganze Gegend um dieses Bauwerk herum trostlos und oede da hab es weit und breit nichts als betonwege und andere kleinere langweilige Gebaeude...

Da ging man freiwillig nicht  hin. 

So war dieses Hochhaus eigentlich immer nur ein abstraktes Hintergrundsgebilde allerdings durch diesen Knaab hat es dann auch einen menschlichen Bezug bekommen.

 

Holt mich der Juegen mal mit dem Auto ab, oder auch umgekehrt, dann faellt nicht selten das knaabsche "Steigen sie ein!"

- ein anderer, ein taxifahrer. angestellt als nachtfahrer im unternehmen eines freundes, ging dort praktisch nur zum schlafen hin. das war in den achtziger jahren. er fuhr vierzehn stunden, vom abend bis zum morgen. dann ging er zum schlafen in das appartement in den oberen stockwerken des hochhauses. dort wohnte er  mit seiner frau und einem töchterchen.

das war der herr gnaad. er war ein echter taxiprofi, schnell effizient und wortkarg."steigen sie ein!" sagte er, den rauch seiner zigarette ausatmend, bevor er sie aus dem fenster schnippte .

der fahrgast gab das ziel an und wenn er dann aus redseligkeit oder sorge, es sei nicht bekannt, noch nähere angaben machte, hieß es: "alles klar, keiner weiß bescheid".

darauf brauste der gnaad los und sprach kein wort mehr.

der sohn des freundes musste ihn hin und wieder vertreten und bat den gnaad ihn in diesen nachtfahrbetrieb einzuführen. das war nämlich nicht "ohne" und bedurfte der unterweisung.

so saß er dann als lehrling auf der rückbank; das ging ganz gut.

nachts gab's oft feierfreudige kundschaft, die zu den einschlägigen läden wollte. das schwitzbad in der heinsbergstrasse, das römerbad und andere animierbetriebe. die kunden, vielfach messegäste, fragten, wo man denn hingehen könnte, und der gnaad kassierte dann in den jeweiligen betrieben 

eine provision.

er war stets akkurat frisiert, messerhaarschnitt von kölns fußballclub- und prominentenfriseur, immer mit einer guten hellgrauen hose mit bügelfalten, teure college-schuhe mit tröddelchen. das gesicht aschfahl, sah wohl kaum das tageslicht.

wenn er da so im taxi saß mit dem grünlichen widerschein  der armaturenbrettbeleuchtung auf seinem gesicht - hätte gut aus einem vampirfilm sein können.

einmal sagte er auf einer dieser lehrtouren nach längerem schweigen: "jürjen, -  et jibt krieg ". wie? "wenn isch dir dat sage!" er sagte: "... kriesch"

zwischen den vordersitzen lag immer die quick und der express. 

einmal sah ich ihn morgens in einem cafè in der pfeilstrasse in gesellschaft einiger typen aus dem kölner nachtleben ein schinkenbaguette verspeisen. die anderen am schwadronieren und er mit teilnahmslosem blick. er strich sich mit der rückhand die krümmel vom rodierpullover und sagte ein, zwei mal sowas wie" logisch, normal."

einmal mussten wir ihm etwas vorbeibringen, papierkram. seine frau hatte grade das töchterchen zur welt gebracht.

er wohnte in  einem der höheren stockwerke. der daan öffnete die türe, bleich, die frisur einwandfrei, mit einem dreiviertellangen schwarzen seidenkimono bekleidet.

er bat herein in die stuben, mit chrom und schwarzem leder ausgestattet, teppichboden. fast beiläufig wurde der nachwuchs präsentiert, mit ein paar unbeholfenen zärtlichkeitsgesten bedacht, um dann sogleich zu der eindrucksvollen aussicht überzugehen. das siebengebirge und vor allem 

der flughafen köln-bonn. "da siehst du flieger starten und landen." das untermalte er mit ein paar 

 

knappen bewegungen zum fenster hin.