"... und zog das Netz an Land.

Es war voll mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen,  

und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht."  
Joh, 21,11

                                                               

 

 

 

 

Von den Hundertdreiundfünfzig Fischen                                                    

 

 

Zur  hebräischen  Lesart  der  153  Fische

 

 

 

ק     נ      ג

 

Die Zahl 153, die im Johannesevangelium genannt wird - als Anzahl der gefangenen Fische beim nächtlichen Fischzug auf dem See von Tiberias, erscheint ebenso bedeutsam wie rätselhaft.

Die mathematischen Besonderheiten - so ergibt sie die Additionsreihe oder Dreieckszahl  der Siebzehn, die in den mosaischen Schriften des Öfteren erwähnt wird, auch stellt sie die erste Armstrong-Zahl dar - können die eigentümliche Weise ihrer  Erwähnung  nicht erklären: Sie steht alleine, ohne weitere Maß- oder Mengenangaben wie sie bei der Nennung anderer Zahlen vorkommen, etwa bei der Speisung der Menge der fünftausend Menschen, die von 5 Broten und 2 Fischen satt wurden, so dass noch 12 Körbe übrigblieben.

Die Zahl der aus dem nächtlichen See gezogenen 153 Fische bei Johannes wird ohne  weiteren rechnerischen und erzählerischen Zusammenhang genannt, Sie erscheint wie eine Aussage, die eine besondere, aber verborgene Bedeutung enthält.

 

Es ist einer mangelnden Wahrnehmung des Hebräischen als Hintergrund und Kontext der neutestamentlichen Texte zuzuschreiben, wenn in der langen Geschichte der Deutung dieser Zahl die bis heute präsente Bildbedeutung unbeachtet blieb, welche in der hebräischen Philologie jedem Buchstaben zu eigen ist, und deren Heranziehung eine wesentliche verbale Aussage der Zahl entbirgt.

 

Stellt man die Zahl 153 in der hebräischen Schreibweise dar, in der die Zahlen, vor allem im religiösen Kontext, mit den Schriftzeichen der Buchstabenreihe benannt werden, ergibt sich die Schreibweise mittels der Zeichen  ק - kuph = 100,  נ - nun = 50,  ג - gimel = 3 ,  ק  נ  ג.

 

Diese Buchstaben enthalten in der hebräischen Tradition die Bilder von Kamel, Fisch und Nadelöhr, gimel = ג , nun = נ  und kuph =  ק

Die aus den anderen drei Evangelien bekannte Konstellation von Kamel und Nadelöhr erscheint hier um ein drittes Element ergänzt, um den Fisch - das nun - נ

 

Das Zeichen nun  wiederum steht in der mystischen Tradition des Judentums für die Individuation des Menschen.

Warum dies so ist und weshalb in der  Zahl 153 die Geschichte von Kamel und Nadelöhr, in der es um die Frage  von Besitz und Ablösung geht, um das nun ergänzt wird, ist Thema des Buchs Von den Hundertdreiundfünfzig Fischen.

 

Der Buchstabe nun  - נ , der in der Zahl eine Schlüsselstellung einnimmt, verweist auf die Identität des Wesens, aus dem Wesenhaften hervorgehend.

Das Symbol des Fisches für Christus, welches für gewöhnlich mit dem griechischen Akrostychon Ichthys = Fisch, gebildet aus Iesous Christos Theou Hyios Soter, erklärt wird, geht tatsächlich auf eine ältere hebräische Bedeutung des Fisches zurück.

 

 

 

(c) Herbert Antonius Weiler, 2015

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